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91 zu 50 Stimmen: München gewinnt deutschen Olympia-Krimi und geht ins internationale Rennen

München wird Deutschlands Kandidat für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Beim DOSB-Votum setzt sich die Stadt mit 91:50 Stimmen durch.

Fakten im Überblick

München setzt sich bei der DOSB-Abstimmung in Baden-Baden mit 91 zu 50 Stimmen gegen Köln/Rhein-Ruhr durch.

Deutschland bewirbt sich mit München um Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.

Das Münchner Konzept setzt stark auf bestehende Sportstätten und das olympische Erbe von 1972, mit dem Olympiapark als zentralem Austragungsort.

Deutschland schickt München ins internationale Rennen um Olympische und Paralympische Sommerspiele. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Kurhaus von Baden-Baden entschieden sich die stimmberechtigten Delegierten am Samstag mit 91 zu 50 Stimmen für die bayerische Landeshauptstadt und gegen Köln/Rhein-Ruhr. München erhielt damit 64,91 Prozent der abgegebenen Stimmen. Berlin hatte seine Bewerbung zwei Tage zuvor wegen fehlender politischer Stabilität zurückgezogen. Nun soll München die Spiele 2036, 2040 oder 2044 erstmals seit 1972 wieder nach Deutschland holen.

Die Freude bei den Münchner Unterstützern war entsprechend groß, gleichzeitig richtete sich der Blick sofort auf die deutlich schwierigere internationale Phase. „Der Moment der Freude ist ganz kurz. Jetzt heißt es: hart arbeiten. Ich sehe das als eine der größten Chancen an“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. In Richtung Köln/Rhein-Ruhr fügte er hinzu: „Ihr habt uns ganz schön ins Schwitzen gebracht.“ Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause zeigte sich nach dem engen nationalen Wettbewerb „unendlich“ froh: „Wir freuen uns, dass wir jetzt richtig loslegen können, um Olympia nach Deutschland zu holen.“

Für den deutschen Sport beginnt damit der nächste Versuch nach einer langen Serie erfolgloser Olympia-Bewerbungen. Der DOSB befindet sich bereits seit November 2025 im sogenannten Continuous Dialogue mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der ersten formellen Stufe des reformierten internationalen Bewerbungsverfahrens. Auf ein konkretes Austragungsjahr muss sich Deutschland derzeit noch nicht festlegen. Nach Angaben des DOSB hat das IOC angekündigt, über die Vergabe der Sommerspiele 2036 im Jahr 2029 zu entscheiden.

München bringt dabei einen international bekannten Namen mit. Bereits 1972 war die bayerische Landeshauptstadt Gastgeber der Olympischen Sommerspiele. Mehr als ein halbes Jahrhundert später soll dieses Erbe zu einem zentralen Bestandteil der neuen Bewerbung werden. Das Konzept setzt ausdrücklich auf kurze Wege und vorhandene Sportstätten. Rund die Hälfte der Wettbewerbe soll nach derzeitiger Planung im Olympiapark stattfinden. Auch bekannte Orte wie der Englische Garten und Schloss Nymphenburg sollen einbezogen werden. Für die Segelwettbewerbe ist Kiel vorgesehen.

Dass München im nationalen Auswahlverfahren gute Chancen besitzen würde, hatte sich bereits vor der Abstimmung abgezeichnet. Die vom DOSB eingesetzte Evaluierungskommission bewertete das Münchner Konzept mit 87,03 von 100 Punkten und damit als „sehr gut“. Köln/Rhein-Ruhr folgte mit 85,02 Punkten ebenfalls knapp in der Kategorie „sehr gut“, während Berlin+ auf 74,64 Punkte und die Bewertung „gut“ kam.

Eine wichtige Grundlage für München war zudem die Unterstützung der Bevölkerung. Sowohl München als auch Köln/Rhein-Ruhr hatten nach Angaben des DOSB in Bürgerentscheiden klare Zwei-Drittel-Mehrheiten für ihre Konzepte erreicht. Damit konnten beide Bewerbungen im Auswahlprozess gesellschaftlichen und politischen Rückhalt nachweisen.

In Baden-Baden fiel die Entscheidung schließlich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit besonderen Stimmrechten. Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügten über jeweils drei Stimmen. Hinzu kamen Stimmen des DOSB-Präsidiums und persönlicher Mitglieder. Insgesamt wurden 141 Stimmen abgegeben. Der DOSB bestätigte anschließend offiziell das Ergebnis von 91 Stimmen für München und 50 für Köln/Rhein-Ruhr.

Dass nicht sämtliche Mitgliedsorganisationen des deutschen Sports bei dieser besonderen Abstimmung stimmberechtigt waren, hatte bereits im Vorfeld Diskussionen ausgelöst. Der DOSB verwies auf die satzungsmäßigen Regeln für Entscheidungen im Zusammenhang mit Olympischen Spielen. Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussorgan des Dachverbandes und entscheidet unter anderem über deutsche Bewerbungen für Olympische und Paralympische Spiele.

Die Verkündung selbst erhielt einen feierlichen Rahmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gab gemeinsam mit DOSB-Präsident Thomas Weikert das Ergebnis bekannt. Steinmeier bezeichnete die Olympiabewerbung als „großes, historisches Ziel“ und würdigte beide Finalisten: „Ich finde, die beiden verbliebenen Kandidaten haben großartige Bewerbungen hingelegt! Sie haben in Ihren Städten und Regionen diskutiert, Sie haben nachhaltige Konzepte entwickelt und viele Menschen für Ihre Idee von den Spielen begeistert. Und Sie haben sich untereinander einen fairen Wettbewerb geliefert.“

Mit der Entscheidung endet ein nationaler Auswahlprozess, der mehrfach seine Form verändert hatte. Ursprünglich war auch eine stärker gesamtdeutsch angelegte Bewerbung mit mehreren Städten diskutiert worden. Schließlich entwickelte sich daraus ein Wettbewerb zwischen einzelnen Städten und Regionen. Hamburg schied nach fehlender Zustimmung der Bevölkerung aus, Berlin zog kurz vor der entscheidenden DOSB-Abstimmung zurück. Übrig blieben München und Köln/Rhein-Ruhr.

Nun verändert sich die Perspektive grundlegend. München konkurriert nicht mehr mit deutschen Städten, sondern muss sein Konzept international beim IOC positionieren. Dabei trifft die deutsche Bewerbung auf Interessenten aus unterschiedlichen Weltregionen. Welche Kandidaten am Ende tatsächlich in ein formelles Vergabeverfahren eintreten und für welches Austragungsjahr sie antreten, hängt vom weiteren IOC-Prozess ab.

Deutschland setzt dabei auf einen entscheidenden Vorteil: Viele Sportstätten existieren bereits. Das soll Bauaufwand begrenzen und die Nachhaltigkeit des Projekts erhöhen. Gleichzeitig wird die Frage nach Kosten, Finanzierung, Infrastruktur und langfristigem Nutzen die Bewerbung bis zu einer möglichen IOC-Entscheidung begleiten.

Für München beginnt damit nach dem Sieg in Baden-Baden erst die eigentliche Herausforderung. National hat sich die Stadt durchgesetzt. Jetzt muss aus dem deutschen Kandidaten eine Bewerbung werden, die auch international überzeugt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der nationale Sieg ist erst der Anfang

91 zu 50 Stimmen schaffen Klarheit im deutschen Sport. Sie beantworten aber noch nicht die entscheidenden Fragen einer möglichen Olympia-Ausrichtung.

München besitzt mehrere nachvollziehbare Argumente: das olympische Erbe von 1972, zahlreiche bestehende Sportstätten, einen bekannten Olympiapark und dokumentierte Unterstützung aus der Bevölkerung. Die DOSB-Evaluierung bewertete das Konzept entsprechend stark.

Nun beginnt allerdings eine andere Phase. Eine internationale Bewerbung muss nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch Finanzierung, Verkehr, Sicherheit, Nachhaltigkeit und langfristige Nutzung plausibel darstellen.

Gerade bei öffentlichen Großprojekten wird entscheidend sein, Kosten und Risiken transparent zu machen. Die Zustimmung zu einer Bewerbung ist nicht automatisch eine Zustimmung zu jedem späteren Ausgabenposten.

Für Deutschland bietet die Bewerbung die Chance, eine vorhandene Sportinfrastruktur weiterzuentwickeln. Ob daraus tatsächlich Olympische Spiele werden, entscheidet jedoch nicht die Euphorie von Baden-Baden, sondern der weitere internationale Prozess beim IOC.

Historischer Hintergrund

München war 1972 bereits Gastgeber der Olympischen Sommerspiele. Der damals errichtete Olympiapark mit seinem charakteristischen Zeltdach gehört bis heute zu den bekanntesten Sportstätten Deutschlands.

Die Spiele von 1972 besitzen allerdings auch eine tragische historische Dimension. Der Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft mit elf getöteten israelischen Teammitgliedern und einem getöteten deutschen Polizisten gehört untrennbar zur Geschichte dieser Spiele.

Deutschland unternahm seitdem mehrere Versuche, erneut Olympische Spiele auszurichten. Verschiedene Bewerbungen scheiterten entweder international oder bereits zuvor an mangelnder Zustimmung und politischen beziehungsweise gesellschaftlichen Widerständen.

Der aktuelle Prozess wurde vom DOSB über mehrere Jahre vorbereitet. Für die Austragungen 2036, 2040 oder 2044 ist München nun offiziell der deutsche Kandidat. Der DOSB befindet sich mit dem IOC bereits im Continuous Dialogue.

Zukunftsprognose

Politisch beginnt nun die Phase, in der Bund, Freistaat Bayern, München, Kiel und der organisierte Sport ihre Zusammenarbeit konkretisieren müssen. Dabei werden insbesondere Finanzierung, Sicherheitskosten, Verkehrsinfrastruktur und mögliche staatliche Garantien relevant.

Wirtschaftlich könnte eine erfolgreiche Bewerbung Investitionen in Infrastruktur, Tourismus und Sportstätten auslösen. Gleichzeitig sind Olympische Spiele mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen verbunden. Wie hoch diese im Münchner Modell tatsächlich wären, hängt von der weiteren Planung und dem gewählten Austragungsjahr ab.

Gesellschaftlich wird die Unterstützung der Bevölkerung ein wichtiger Faktor bleiben. München startet hier mit einem dokumentierten positiven Votum in den Bewerbungsprozess.

International muss sich das deutsche Konzept im IOC-Verfahren positionieren. Eine Vergabe ist nicht garantiert. Das IOC hat nach Angaben des DOSB angekündigt, die Spiele 2036 im Jahr 2029 zu vergeben.

Für Aktienmärkte, Rohstoffe und Währungen besitzt die DOSB-Entscheidung zunächst keine unmittelbare Bedeutung. Bei einer späteren tatsächlichen Vergabe könnten dagegen Unternehmen aus Bau, Verkehr, Tourismus, Sicherheit und Veranstaltungswirtschaft von konkreten Aufträgen profitieren.

Warum wurde München ausgewählt?

München erhielt bei der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung 91 Stimmen, Köln/Rhein-Ruhr 50. Die Evaluierungskommission hatte beide Konzepte zuvor als „sehr gut“ eingestuft, München allerdings mit 87,03 Punkten knapp vor Köln/Rhein-Ruhr mit 85,02 Punkten gesehen.

Wann könnte München Olympia ausrichten?

Deutschland bewirbt sich derzeit nicht ausschließlich für ein bestimmtes Jahr. Der DOSB hat die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 im Blick.

Welche Rolle spielt der Olympiapark?

Der Olympiapark von 1972 bildet das Herzstück des Münchner Konzepts. Rund die Hälfte der Wettbewerbe soll dort stattfinden. Das Konzept setzt insgesamt stark auf vorhandene Sportstätten und kurze Wege.

Was ist der DOSB?

Der Deutsche Olympische Sportbund ist die Dachorganisation des organisierten Sports in Deutschland. Seine Mitgliederversammlung entscheidet unter anderem über deutsche Bewerbungen für Olympische und Paralympische Spiele.

OZD-Extra – 1972 soll zum Vorteil der neuen Bewerbung werden

Normalerweise kann eine mehr als 50 Jahre alte Sportveranstaltung kaum als Infrastrukturargument für eine moderne Großveranstaltung dienen.

In München ist das anders.

Der Olympiapark von 1972 wird noch immer intensiv genutzt und soll erneut das Herzstück einer deutschen Olympia-Bewerbung bilden. Rund die Hälfte der Wettbewerbe ist nach dem aktuellen Konzept dort vorgesehen.

Damit setzt München auf einen Ansatz, der für moderne Olympia-Bewerbungen immer wichtiger geworden ist: weniger Neubauten, stärkere Nutzung vorhandener Anlagen und eine langfristige Verwendung der Sportstätten auch nach den Spielen.

Ob dieses Konzept international überzeugt, wird sich erst im weiteren IOC-Verfahren zeigen. Der erste Wettbewerb ist jedoch entschieden: Innerhalb Deutschlands hat München das Rennen gewonnen.

Gewinnspiel

Mit welchem Ergebnis setzte sich München bei der DOSB-Abstimmung gegen Köln/Rhein-Ruhr durch?

A: 75 zu 66 Stimmen

B: 91 zu 50 Stimmen

C: 101 zu 40 Stimmen

D: 120 zu 21 Stimmen

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.