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Lawrow verschärft Ton bei der UNO: Russland will seine Ziele in der Ukraine „egal wie“ erreichen

Russlands Außenminister Sergej Lawrow bekräftigt vor der UNO die russischen Kriegsziele. Zugleich beschuldigt er Europa, Friedensgespräche zu behindern.

Fakten im Überblick

Sergej Lawrow erklärt vor der UN-Vollversammlung in New York, Russland werde seine militärischen Ziele in der Ukraine „egal unter welchen Umständen“ erreichen.

Der russische Außenminister wirft europäischen Staaten vor, die von US-Präsident Donald Trump angestrebten Friedensgespräche zu behindern.

Bundesaußenminister Johann Wadephul und Lawrow trafen sich in New York erstmals auf dieser Ebene seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022.

Russland zeigt bei der UN-Generalversammlung in New York keine Bereitschaft, von seinen grundlegenden Kriegszielen in der Ukraine abzurücken. Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Samstag vor der Vollversammlung, Moskau werde seine Ziele „egal unter welchen Umständen“ erreichen. „Die Ziele der speziellen Militäroperation werden erreicht, die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren“, sagte Lawrow. Seine Rede fiel in eine UN-Woche, in der der Ukraine-Krieg erneut zu den zentralen internationalen Konfliktthemen gehörte. Die Vereinten Nationen hatten erst Anfang September ihre Forderung nach einem vollständigen und bedingungslosen Abzug russischer Streitkräfte aus dem ukrainischen Staatsgebiet bekräftigt.

Lawrow verband seine Ankündigung mit scharfen Vorwürfen gegen Europa. „Europa tut alles in seiner Macht Stehende, um die von der Trump-Regierung gewünschten Friedensgespräche zu torpedieren“, sagte der russische Außenminister. Diese Darstellung entspricht der russischen Position und wird von europäischen Regierungen zurückgewiesen. Die USA bemühen sich weiterhin diplomatisch um eine Beendigung des Krieges. Präsident Donald Trump erklärte während der UN-Generalversammlung erneut, eine diplomatische Lösung erreichen zu wollen. Parallel liefen in New York Gespräche über Möglichkeiten einer Begrenzung von Angriffen auf Energieinfrastruktur.

Der Krieg dauert inzwischen seit mehr als viereinhalb Jahren in seiner großflächigen Form an. Russland begann am 24. Februar 2022 seine umfassende Invasion der Ukraine. Die UN-Generalversammlung hat den Angriff wiederholt verurteilt und die Souveränität sowie territoriale Integrität der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen bekräftigt. Noch Anfang September verwies die damalige Präsidentin der UN-Generalversammlung darauf, dass die zivilen Opferzahlen in der Ukraine im ersten Halbjahr 2026 deutlich über dem Niveau des Vergleichszeitraums 2024 lagen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Lawrows Auftritt durch ein seltenes deutsch-russisches Gespräch am Rande der UN-Woche. Vor seiner Rede traf der russische Außenminister Bundesaußenminister Johann Wadephul. Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen forderte Wadephul seinen russischen Amtskollegen auf, „den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato zu verlassen“. Dabei wurden auch Vorfälle angesprochen, die Berlin Russland zurechnet und die das ohnehin schwer belastete deutsch-russische Verhältnis weiter verschärft haben.

Das Treffen besitzt allein aufgrund seiner Seltenheit diplomatische Bedeutung. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 hatte es kein vergleichbares Treffen der Außenminister beider Staaten gegeben. Zuletzt hatte die damalige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock Lawrow im Januar 2022 persönlich getroffen – wenige Wochen vor Beginn der großangelegten russischen Invasion.

Wadephuls Auftritt in New York steht zugleich im Zusammenhang mit dem deutschen Anspruch, die regelbasierte internationale Ordnung und die Vereinten Nationen zu stärken. Das Auswärtige Amt bezeichnete verbindliche internationale Regeln und eine stabile internationale Ordnung vor Beginn der UN-Generaldebatte ausdrücklich als deutsches Interesse.

Das Gespräch zwischen Wadephul und Lawrow bedeutet allerdings noch keine politische Annäherung. Die Positionen beider Regierungen liegen beim Ukraine-Krieg weit auseinander. Deutschland unterstützt die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine, während Moskau seine militärischen Operationen fortsetzt und an seinen eigenen Kriegszielen festhält.

Auch international bleiben die diplomatischen Bemühungen kompliziert. Trump hat wiederholt erklärt, den Krieg durch Verhandlungen beenden zu wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nutzte die UN-Woche unter anderem, um für eine Begrenzung russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur zu werben. Russland zeigte bislang jedoch keine grundsätzliche Bereitschaft zu einem vollständigen Ende seiner militärischen Operationen.

Lawrows Formulierung, Russland werde seine Ziele unabhängig von den Umständen erreichen, unterstreicht diese Differenz. Während diplomatische Kontakte stattfinden, bleibt die militärische Realität bestehen.

Damit zeigte sich in New York erneut das grundlegende Dilemma aller Friedensbemühungen: Gespräche und militärische Eskalation laufen gleichzeitig. Die USA suchen nach diplomatischen Ansatzpunkten, Deutschland und andere europäische Staaten unterstützen die Ukraine, und Russland erklärt öffentlich, seine Ziele weiterhin durchsetzen zu wollen.

Die UN-Generalversammlung bietet zwar ein Forum, in dem diese gegensätzlichen Positionen unmittelbar aufeinandertreffen. Eine Annäherung ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch. Der weitere Verlauf hängt davon ab, ob aus diplomatischen Kontakten konkrete Vereinbarungen entstehen – und ob die Konfliktparteien bereit sind, diese auch militärisch umzusetzen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Diplomatie trifft auf unveränderte Kriegsziele

Lawrows Rede zeigt einen zentralen Widerspruch der gegenwärtigen Ukraine-Diplomatie. Während in New York über Waffenruhen, Energieinfrastruktur und mögliche Verhandlungen gesprochen wird, erklärt der russische Außenminister gleichzeitig, Moskau werde seine Ziele unabhängig von den Umständen erreichen.

Russland stellt die Verantwortung für die stockenden Friedensbemühungen vor allem bei europäischen Staaten dar. Europäische Regierungen und die Ukraine sehen dagegen Russlands fortgesetzte militärische Angriffe und seine territorialen Forderungen als zentrales Hindernis für einen Frieden auf Grundlage des Völkerrechts.

Die UN-Generalversammlung hat wiederholt die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine bekräftigt und einen vollständigen russischen Truppenabzug verlangt.

Dass Wadephul und Lawrow dennoch miteinander gesprochen haben, zeigt, dass diplomatische Kanäle selbst bei stark belasteten Beziehungen nicht vollständig geschlossen sind. Daraus lässt sich jedoch keine politische Annäherung ableiten.

Für die kommenden Monate bleibt entscheidend, ob die diplomatischen Initiativen der USA oder anderer Vermittler konkrete und von beiden Seiten akzeptierte Schritte hervorbringen. Lawrows Rede liefert dafür zunächst kein Signal eines grundlegenden russischen Kurswechsels.

Historischer Hintergrund

Der aktuelle Krieg begann in seiner umfassenden Form am 24. Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Der Konflikt selbst reicht jedoch weiter zurück: Bereits 2014 annektierte Russland die ukrainische Halbinsel Krim, während in der Ostukraine Kämpfe zwischen ukrainischen Truppen und von Russland unterstützten Kräften begannen.

Die Vereinten Nationen haben die territoriale Integrität der Ukraine wiederholt bestätigt. Auch 2026 forderte die UN-Generalversammlung erneut einen vollständigen und bedingungslosen Abzug russischer Streitkräfte aus ukrainischem Staatsgebiet.

Deutschland entwickelte sich nach 2022 zu einem wichtigen politischen, finanziellen und militärischen Unterstützer der Ukraine. Gleichzeitig brachen die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Moskau weitgehend ein.

Gerade deshalb besitzt das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow in New York diplomatische Symbolkraft. Ein Gespräch bedeutet jedoch noch keine Normalisierung der Beziehungen.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte der Druck auf die diplomatischen Bemühungen der USA weiter steigen. Washington will eine Lösung erreichen, während Russland, die Ukraine und europäische Staaten bei entscheidenden Fragen weiterhin weit auseinanderliegen.

Militärisch ist aus Lawrows Rede keine Bereitschaft zu einem russischen Rückzug abzulesen. Gleichzeitig bemüht sich die Ukraine um stärkere Luftverteidigung und Schutz ihrer Energieinfrastruktur.

Für Deutschland und Europa bedeutet die Lage, dass Unterstützung für die Ukraine, eigene Verteidigungsfähigkeit und diplomatische Kontakte parallel organisiert werden müssen. Das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau dürfte angesichts der gegenseitigen Vorwürfe angespannt bleiben.

Wirtschaftlich bleibt der Krieg ein Risiko für Energie- und Rohstoffmärkte sowie für europäische Unternehmen. Besonders Sanktionen, Energieversorgung und mögliche Angriffe auf Infrastruktur können Preise beeinflussen. Direkte Kursbewegungen von Aktien oder Währungen allein aus Lawrows Rede lassen sich jedoch nicht seriös ableiten.

International wird entscheidend sein, ob Washington, Moskau und Kyjiw aus den laufenden Kontakten konkrete Verhandlungsschritte entwickeln. Die UN kann dafür diplomatischen Raum bieten, verfügt aber nicht über die Möglichkeit, eine Einigung zwischen den Konfliktparteien zu erzwingen.

Wer ist Sergej Lawrow?

Sergej Lawrow ist seit 2004 Außenminister der Russischen Föderation und gehört zu den dienstältesten Außenministern weltweit. Er vertritt die russische Regierung regelmäßig im UN-Sicherheitsrat und bei der UN-Generalversammlung.

Wer ist Johann Wadephul?

Johann Wadephul ist deutscher Außenminister und CDU-Politiker. In New York traf er Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung. Das Gespräch war angesichts der seit 2022 stark eingeschränkten hochrangigen deutsch-russischen Kontakte besonders bemerkenswert.

Was meint Russland mit „spezieller Militäroperation“?

Die russische Regierung verwendet diesen Begriff für ihren Krieg gegen die Ukraine. International und auch von den Vereinten Nationen wird die großangelegte russische Invasion als Angriff auf die Ukraine behandelt; die UN-Generalversammlung hat wiederholt den Abzug russischer Truppen gefordert.

Welche Rolle spielen die Vereinten Nationen?

Die UN bieten in New York ein zentrales Forum für Diplomatie und internationale Verhandlungen. Die 81. Generalversammlung bringt Vertreter der 193 Mitgliedstaaten zusammen. Entscheidungen der Generalversammlung besitzen in vielen Fragen politische Bedeutung, können einen Krieg jedoch nicht unmittelbar beenden.

OZD-Extra – Erstes Außenministertreffen seit Beginn der Vollinvasion

Abseits der großen Reden fand in New York ein diplomatisch ungewöhnlicher Moment statt.

Johann Wadephul und Sergej Lawrow saßen zu einem direkten Gespräch zusammen. Seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 hatte es kein Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands auf dieser Ebene gegeben.

Das letzte entsprechende Treffen lag mehr als viereinhalb Jahre zurück: Im Januar 2022 war die damalige Außenministerin Annalena Baerbock mit Lawrow zusammengetroffen.

Wenige Wochen später begann Russland seine großangelegte Invasion.

Dass Wadephul nun wieder direkt mit Lawrow sprach, bedeutet keine Normalisierung. Der deutsche Außenminister nutzte das Gespräch vielmehr, um Moskau zur Abkehr von weiterer Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der Nato aufzufordern.

Gerade deshalb ist das Treffen bemerkenswert: Selbst in einer Phase äußerst belasteter Beziehungen existiert wieder ein direkter Gesprächskanal auf Außenministerebene.

Gewinnspiel

Wo hielt Sergej Lawrow seine Rede zur Ukraine vor der UN-Vollversammlung?

A: Genf

B: Brüssel

C: New York

D: Wien

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.