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„Sinnloses Gemetzel“: Papst beendet Frankreich-Reise mit eindringlichem Appell an Europa

Zum Abschluss seiner Frankreich-Reise fordert Papst Leo XIV. in Metz Mut zu Verhandlungen und warnt Europa davor, sich bereits auf neue Kriege vorzubereiten.

Fakten im Überblick

Papst Leo XIV. beendete seine viertägige Frankreich-Reise am Montag in Metz und kehrte anschließend nach Rom zurück.

Im Beisein von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte der Papst mehr Verhandlungsbereitschaft und warnte vor einer neuen Aufrüstung Europas.

Die Reise führte Leo XIV. nach Paris, Lourdes und Metz und rückte Frieden, Migration, Künstliche Intelligenz sowie den Schutz der Menschenwürde in den Mittelpunkt.

Mit einem eindringlichen Friedensappell hat Papst Leo XIV. seine viertägige Reise durch Frankreich beendet. Im ostfranzösischen Metz, nur wenige Dutzend Kilometer von Luxemburg und der deutschen Grenze entfernt, rief das Oberhaupt der katholischen Kirche Europa dazu auf, trotz Krieg, geopolitischer Spannungen und wachsender militärischer Ausgaben am Weg der Diplomatie festzuhalten. Es sei notwendig, „Mut bei den Verhandlungen zu zeigen und bereit zu sein, bestimmte Positionen für das übergeordnete Wohl des Friedens aufzugeben“, sagte Leo XIV. im Beisein des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Ohne den Krieg in der Ukraine ausdrücklich zu nennen, beklagte er ein „sinnloses Gemetzel, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert“. Auf seinem Rückflug nach Rom rief der Papst Russland und die Ukraine später ausdrücklich dazu auf, miteinander über ein Ende des Krieges zu sprechen.

Der Ort für diese Botschaft war bewusst gewählt. Metz liegt in einer europäischen Grenzregion, die über Jahrhunderte von Konflikten zwischen Deutschland und Frankreich geprägt wurde und heute für die Überwindung dieser historischen Feindschaft steht. Zugleich ist die Stadt eng mit Robert Schuman verbunden, einem der Gründerväter der europäischen Einigung. Leo XIV. griff dessen politische Tradition auf und betonte, das Streben nach Frieden sei keineswegs naiv, sondern erfordere „kreative Anstrengungen“. Dabei müssten sich die europäischen Staaten „vor der Illusion der Wiederaufrüstung hüten“. Seine zentrale Frage an den Kontinent: Bemüht sich Europa tatsächlich um Frieden – oder bereitet es sich zunehmend auf kommende Kriege vor?

Der aus den USA stammende Papst verband seinen Appell mit einer grundsätzlichen Kritik am Zustand der internationalen Beziehungen. „Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer“, sagte Leo XIV. „Das gegebene Wort wird missachtet, stattdessen rühmt man sich der Lüge und der Täuschung.“ Europa könne dieser Entwicklung nach seiner Auffassung etwas entgegensetzen, weil der Kontinent in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt habe, dass unterschiedliche Interessen nicht zwangsläufig in Gewalt münden müssen. Die europäische Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg sei gerade aus der Erfahrung verheerender Konflikte entstanden.

Frankreichs Präsident Macron griff diesen historischen Bezug auf und forderte Europa seinerseits dazu auf, zum „Mut der Gründerväter“ zurückzufinden. Eine Rückkehr zu nationalistischen Gegensätzen müsse vermieden werden. Macron verwies in Metz zugleich auf die griechisch-römischen und jüdisch-christlichen Wurzeln Europas und warnte vor Gefahren für Frieden, Wahrheit und Demokratie. Neben militärischen Konflikten nannte er dabei auch gesellschaftliche Fragmentierung und digitale Desinformation als Herausforderungen für die europäischen Demokratien.

Leo XIV. weitete seine Botschaft über Krieg und Diplomatie hinaus aus. Er sprach erneut über Migranten, „die vor Kriegsschauplätzen und Verfolgung fliehen oder auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von Armut und Elend sind“. Die Begegnung unterschiedlicher Völker und Kulturen bezeichnete er als Entwicklung von historischer Tragweite. Europa müsse diese Veränderungen nicht nur als Belastung betrachten, sondern als Herausforderung, die eigenen Werte und Wurzeln neu zu verstehen. Seine Frankreich-Reise hatte Fragen von Migration und Integration neben Frieden, Technologie und Menschenwürde wiederholt aufgegriffen.

Bereits am Morgen hatte der Papst bei einem interreligiösen Treffen in Metz vor der Instrumentalisierung von Religion gewarnt. „Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt und Unterdrückung zu legitimieren, stellt in der Tat eine Entweihung dieses Namens dar“, sagte er. Religiöser Glaube dürfe nicht zur Rechtfertigung von Gewalt benutzt werden. Stattdessen müsse religiöse Sprache dazu beitragen, „die Herzen und die Worte zu entwaffnen“. Das Treffen fand ebenfalls im nach Robert Schuman benannten Kongresszentrum statt.

Am Nachmittag feierte Leo XIV. in der Kathedrale Saint-Étienne von Metz die letzte große Messe seiner Frankreich-Reise. Präsident Macron nahm entgegen früheren Planungen ebenfalls daran teil. In seiner Predigt stellte der Papst Versöhnung über Vergeltung und erinnerte daran, dass gerade Metz und das Département Moselle aufgrund ihrer konfliktreichen Geschichte zeigen könnten, wie aus alten Gegensätzen ein friedliches Zusammenleben entstehen könne. Anschließend verabschiedete Macron den Papst am Flughafen Metz-Nancy-Lorraine mit militärischen Ehren. Kurz nach 19.30 Uhr hob die Maschine nach Rom ab.

Hinter Leo XIV. lagen vier Tage, in denen Frankreich eine für das stark laizistisch geprägte Land bemerkenswerte öffentliche Resonanz auf den Papstbesuch erlebte. In Paris kamen nach Angaben aus dem Umfeld der Reise rund 800.000 Menschen zu einer großen Messe auf der Avenue des Champs-Élysées und der Place de la Concorde. Der Papst sprach außerdem über die Gefahren einer unkontrollierten Entwicklung Künstlicher Intelligenz und über die Krise internationaler Institutionen.

Im südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes traf Leo XIV. zudem sieben Betroffene sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. Der Vatikan erklärte anschließend, der Papst habe seine Verpflichtung bekräftigt, Missbrauch in der Kirche zu bekämpfen und weitere Taten zu verhindern. Das Treffen besaß in Frankreich besondere Bedeutung, nachdem ein unabhängiger Untersuchungsbericht 2021 das Ausmaß sexuellen Missbrauchs innerhalb der französischen katholischen Kirche offengelegt hatte.

Zum Abschluss in Metz richtete Leo XIV. den Blick besonders auf die kommende Generation. „Den jungen Menschen möchte ich sagen: Habt den Mut, die Mission des Friedenstiftens verantwortungsbewusst zu erfüllen“, gab er ihnen mit auf den Weg.

Damit endete eine Frankreich-Reise, bei der der Papst immer wieder dieselbe Grundfrage stellte: Wie kann Europa seine politische, wirtschaftliche und technologische Stärke nutzen, ohne den Menschen aus dem Mittelpunkt zu verlieren?

In Metz gab Leo XIV. darauf seine Antwort: durch Dialog, Versöhnung und den Mut, Frieden nicht als Schwäche zu betrachten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Europas schwierige Suche nach Frieden und Sicherheit

Die Rede von Papst Leo XIV. trifft Europa in einer Phase, in der Regierungen gleichzeitig über Diplomatie und deutlich höhere Verteidigungsausgaben diskutieren. Der Papst setzt dabei einen bewusst pazifistischen Akzent und warnt vor der „Illusion der Wiederaufrüstung“. Seine Position ist eine moralische und religiöse Intervention in eine politische Debatte, in der europäische Regierungen teilweise zu anderen sicherheitspolitischen Schlussfolgerungen kommen.

Darin liegt die zentrale Spannung seiner Botschaft. Für Leo XIV. muss der Weg aus dem Krieg vor allem über Verhandlungen, Kompromisse und die Überwindung von Vergeltungslogiken führen. Regierungen, die angesichts militärischer Bedrohungen ihre Verteidigungsfähigkeit ausbauen, argumentieren dagegen mit Abschreckung und dem Schutz ihrer Staaten und Bündnispartner.

Metz verleiht dieser Debatte besondere historische Symbolkraft. Die Region wurde über Generationen zum Schauplatz deutsch-französischer Konflikte. Heute liegt sie im Herzen eines Europas, in dem Deutschland und Frankreich eng miteinander verbunden sind.

Der Papst erinnert damit an eine historische Erfahrung: Versöhnung zwischen früheren Gegnern ist möglich. Welche sicherheits- und verteidigungspolitischen Mittel unter heutigen Bedingungen notwendig sind, bleibt dagegen eine politische Frage, über die in Europa weiter gestritten wird.

Historischer Hintergrund

Metz besitzt für einen europäischen Friedensappell eine außergewöhnliche historische Bedeutung. Die Stadt in der heutigen französischen Region Grand Est wechselte im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach zwischen französischer und deutscher Herrschaft beziehungsweise Kontrolle. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kam Metz zum Deutschen Reich, nach dem Ersten Weltkrieg wieder zu Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Region erneut von Deutschland kontrolliert.

Nach 1945 entwickelte sich gerade aus der jahrhundertelangen Rivalität zwischen Deutschland und Frankreich ein Motor der europäischen Einigung.

Eine zentrale Persönlichkeit dieser Entwicklung war Robert Schuman. Der französische Staatsmann gilt als einer der politischen Wegbereiter der europäischen Integration. Sein Name steht heute für den Versuch, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit so eng zu gestalten, dass neue Kriege zwischen europäischen Staaten verhindert werden.

Dass Leo XIV. ausgerechnet in Metz auf Schuman verwies und über Frieden, Einheit und Versöhnung sprach, verband damit die Gegenwart unmittelbar mit der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Zukunftsprognose

Politisch dürfte die Debatte über das Verhältnis zwischen Friedensdiplomatie und militärischer Abschreckung Europa weiter begleiten. Der Krieg in der Ukraine und andere internationale Konflikte stellen EU- und Nato-Staaten vor die Frage, wie Verteidigungsfähigkeit, Unterstützung angegriffener Staaten und diplomatische Initiativen miteinander verbunden werden können.

Wirtschaftlich sind steigende Verteidigungsausgaben bereits ein wichtiger Faktor für öffentliche Haushalte und die europäische Rüstungsindustrie. Eine langfristige Verschiebung staatlicher Mittel in Richtung Verteidigung kann zugleich Auswirkungen auf andere Ausgabenbereiche haben. Die Rede des Papstes selbst löst jedoch keine unmittelbar messbaren Marktfolgen aus.

Für Aktien europäischer Rüstungsunternehmen bleibt vor allem die tatsächliche Politik der Regierungen entscheidend. Gleiches gilt für Rohstoffe und Währungen, die stärker auf konkrete geopolitische Entwicklungen, militärische Eskalationen, Energieversorgung und wirtschaftspolitische Entscheidungen reagieren als auf einzelne politische oder religiöse Reden.

International dürfte Leo XIV. seine Rolle als Fürsprecher diplomatischer Lösungen fortsetzen. Auf dem Rückflug aus Frankreich rief er Russland und die Ukraine ausdrücklich zu Gesprächen über ein Ende des Krieges auf.

Wer ist Papst Leo XIV.?

Leo XIV. ist das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und der erste in den Vereinigten Staaten geborene Papst.

Seine Frankreich-Reise vom 25. bis 28. September 2026 war seine fünfte offizielle Auslandsreise als Papst. Sie führte ihn nach Paris, Lourdes und Metz.

Wer war Robert Schuman?

Robert Schuman war ein französischer Politiker und einer der bedeutenden Wegbereiter der europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sein politisches Konzept setzte darauf, ehemalige Kriegsgegner durch gemeinsame Institutionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit dauerhaft miteinander zu verbinden. Er gilt deshalb als einer der Gründerväter des heutigen europäischen Integrationsprojekts.

Warum ist Metz ein Symbol für die europäische Versöhnung?

Metz liegt im Nordosten Frankreichs nahe Deutschland und Luxemburg.

Die Stadt und die Region Moselle wurden über Jahrzehnte von deutsch-französischen Konflikten geprägt. Heute liegt Metz in einem grenzüberschreitend eng verbundenen europäischen Raum.

Papst Leo XIV. griff genau diese Geschichte auf und bezeichnete die Region sinngemäß als Beispiel dafür, dass Versöhnung möglich ist, wenn die Kette des Grolls durchbrochen wird.

Warum spricht der Papst über Aufrüstung?

Die katholische Kirche äußert sich traditionell zu Krieg, Frieden, Abrüstung und Menschenwürde.

Leo XIV. stellt dabei Diplomatie und Verhandlungen in den Mittelpunkt. In Metz warnte er vor einer Politik, die sich seiner Auffassung nach zu stark auf militärische Aufrüstung verlässt, und forderte „kreative Anstrengungen“ für den Frieden.

OZD-Extra – Metz macht den Friedensappell historisch besonders

Kaum ein Ort hätte für die Schlussbotschaft dieser Frankreich-Reise symbolträchtiger sein können.

Metz liegt heute nur eine kurze Fahrt von Deutschland und Luxemburg entfernt. Über Generationen verliefen jedoch gerade durch diese Region politische und militärische Bruchlinien Europas.

Leo XIV. erinnerte daran, dass Versöhnung nicht aus Stärke durch Vergeltung entstehe. In seiner Predigt sagte er über die von Kriegen geprägte Region, Metz und das Département Moselle zeigten der Welt, dass Versöhnung möglich werde, wenn Menschen den Mut hätten, die „Kette des Grolls zu durchbrechen“.

Dass am selben Tag der französische Präsident Emmanuel Macron an seiner Seite stand, verlieh diesem historischen Bezug zusätzliche politische Symbolik.

Aus einer jahrhundertelang umkämpften Grenzregion wurde so die letzte Bühne einer Papstreise, deren zentrale Botschaft lautete: Europas Vergangenheit muss nicht seine Zukunft sein.

Gewinnspiel

In welcher französischen Stadt beendete Papst Leo XIV. seine Frankreich-Reise?

A: Lyon

B: Marseille

C: Metz

D: Bordeaux

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.