Fakten im Überblick
Die USA und ihre Koalitionspartner haben ihren Militäreinsatz gegen den Islamischen Staat im Irak nach zwölf Jahren beendet.
Die letzten US-Truppen verließen den Luftwaffenstützpunkt Erbil in der autonomen Region Kurdistan im Nordirak.
Der Irak erklärt den 1. Oktober zum Tag der Souveränität und übernimmt die vollständige Verantwortung für seine Sicherheit.
Nach mehr als einem Jahrzehnt haben die USA und ihre internationalen Partner ihren Militäreinsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat im Irak beendet. Das Pentagon bestätigte den Abschluss der Operation Inherent Resolve im Land, nachdem die letzten US-Truppen und militärische Ausrüstung vom Luftwaffenstützpunkt Erbil in der autonomen Region Kurdistan abgezogen worden waren. Damit endet eine zwölfjährige Mission, die 2014 begann, nachdem der IS weite Gebiete des Irak und Syriens erobert und ein selbsternanntes Kalifat errichtet hatte. Pentagon-Sprecher Sean Parnell bezeichnete den Abzug als erfolgreichen Abschluss der Mission gegen den IS im Irak. Der Rückzug folgt einer Vereinbarung, die Washington und Bagdad bereits im September 2024 während der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden getroffen hatten. Der heutige Präsident Donald Trump begrüßte das Ende des Einsatzes als Erfolg für die Vereinigten Staaten und den Irak. Die militärische Verantwortung für die Sicherheit des Landes liegt nun vollständig bei den irakischen Sicherheitskräften, während die USA und ihre Partner in der Region weiterhin auf mögliche Bedrohungen durch verbliebene IS-Strukturen reagieren wollen.
Für den Irak markiert der Abzug einen historischen Einschnitt. Die von den USA geführte internationale Koalition war 2014 auf Bitten der irakischen Regierung gegen den rasanten Vormarsch des IS vorgegangen. Unterstützt wurde der Kampf unter anderem von den kurdischen Peschmerga und irakischen Kräften, darunter auch vom Iran unterstützte schiitische Gruppierungen. Das territoriale Herrschaftsgebiet des IS wurde 2017 im Irak und 2019 in Syrien zerschlagen, doch internationale Soldaten blieben im Land, um irakische Sicherheitskräfte zu unterstützen und verbliebene IS-Zellen zu bekämpfen. Zuletzt konzentrierte sich die Präsenz auf die kurdische Region im Norden. Die irakische Regierung feiert den vollständigen Abzug nun als Zeichen nationaler Souveränität. Regierungschef Ali al-Zaidi sprach von einer neuen Phase für den Staat und erklärte den 1. Oktober zum Tag der Souveränität. Gleichzeitig beginnt für Bagdad eine schwierige Bewährungsprobe: Die Regierung will das staatliche Waffenmonopol durchsetzen und pro-iranische Milizen zur Abgabe ihrer Waffen bewegen. Einige dieser Gruppierungen hatten ihre Bewaffnung bislang auch mit der Anwesenheit amerikanischer Truppen begründet.
Besonders aufmerksam wird die Entwicklung in der autonomen Region Kurdistan verfolgt. Dort gibt es Sorgen, dass mit dem Abzug der internationalen Truppen wichtige militärische Fähigkeiten zur Abwehr von Drohnen- und Raketenangriffen verloren gehen. Gleichzeitig bleibt die Gefahr durch verbliebene Zellen des Islamischen Staates bestehen. Die USA betrachten den IS zwar nicht mehr als systemische Bedrohung für die nationale Sicherheit des Irak, doch die Organisation ist nicht vollständig verschwunden. Der Abzug beendet deshalb zwar die US-geführte Anti-IS-Mission auf irakischem Boden, nicht jedoch die sicherheitspolitischen Herausforderungen des Landes. Auch international bleibt der Irak von großer strategischer Bedeutung: Das Land liegt zwischen Iran, Syrien, der Türkei, Saudi-Arabien und Kuwait und befindet sich damit in einer der politisch und militärisch sensibelsten Regionen der Welt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Jetzt beginnt die eigentliche Bewährungsprobe für den Irak
Der Abzug der letzten US-Soldaten ist für den Irak ein historischer Moment, aber noch kein Beweis dauerhafter Stabilität. Zwölf Jahre nach dem Vormarsch des Islamischen Staates sind die irakischen Sicherheitskräfte wesentlich stärker aufgestellt, gleichzeitig bestehen bewaffnete Milizen, regionale Machtkonflikte und verbliebene IS-Strukturen fort. Entscheidend wird deshalb sein, ob Bagdad sein angekündigtes staatliches Waffenmonopol tatsächlich durchsetzen kann. Der Rückzug ausländischer Soldaten beseitigt ein wichtiges Argument jener pro-iranischen Gruppen, die ihre Bewaffnung mit der US-Präsenz gerechtfertigt haben. Er nimmt der irakischen Regierung damit aber auch eine Ausrede: Künftig trägt sie noch sichtbarer selbst die Verantwortung für Sicherheit und staatliche Autorität. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob aus dem symbolischen Tag der Souveränität tatsächlich eine Phase größerer politischer Eigenständigkeit entsteht.
Historischer Hintergrund
Die Geschichte amerikanischer Truppen im Irak reicht weit über die Anti-IS-Mission hinaus. 2003 marschierten die USA und Verbündete in den Irak ein und stürzten Saddam Hussein. Ende 2011 zogen die amerikanischen Kampftruppen zunächst ab, doch bereits 2014 kehrten US-Soldaten zurück, nachdem der Islamische Staat große Teile des Landes erobert hatte und zeitweise fast ein Drittel des Irak kontrollierte. Die USA gründeten eine internationale Koalition und starteten die Operation Inherent Resolve. Gemeinsam mit irakischen Streitkräften, kurdischen Peschmerga und weiteren bewaffneten Gruppen wurde das territoriale Herrschaftsgebiet des IS zurückgedrängt. 2017 erklärte der Irak den militärischen Sieg über die Dschihadistenorganisation, zwei Jahre später fiel auch deren letztes größeres Herrschaftsgebiet in Syrien. Die internationale Militärpräsenz blieb dennoch bestehen, bis Washington und Bagdad 2024 einen schrittweisen Abzug vereinbarten.
Zukunftsprognose
Politisch wird der vollständige Abzug den Druck auf die irakische Regierung erhöhen, ihre Autorität gegenüber bewaffneten Gruppen durchzusetzen. Sicherheitspolitisch bleibt entscheidend, ob die irakischen Streitkräfte verbliebene IS-Zellen eigenständig kontrollieren und gleichzeitig Konflikte mit pro-iranischen Milizen vermeiden können. Für die autonome Region Kurdistan könnte insbesondere der Verlust amerikanischer Luftverteidigungsfähigkeiten problematisch werden. International bedeutet das Ende der Mission außerdem nicht das Ende des amerikanischen Einflusses: Washington bleibt ein wichtiger Partner Bagdads und besitzt weiterhin erheblichen diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluss. Die wahrscheinlich größte Herausforderung wird darin bestehen, einen Irak zu stabilisieren, der gleichzeitig Beziehungen zu den USA und zum benachbarten Iran unterhält.
Was war Operation Inherent Resolve?
Operation Inherent Resolve ist die 2014 begonnene internationale Militärmission gegen den Islamischen Staat. Unter Führung der USA unterstützte die Koalition den Irak und andere Partner mit Luftangriffen, Ausbildung, Aufklärung und militärischer Beratung. Die Mission im Irak ist nun beendet, regionale Maßnahmen gegen mögliche IS-Bedrohungen können jedoch fortgesetzt werden.
Was ist der Islamische Staat?
Der Islamische Staat, kurz IS, ist eine dschihadistische Terrororganisation. Ab 2014 kontrollierte die Gruppe große Gebiete im Irak und in Syrien und errichtete dort ein selbsternanntes Kalifat. Ihr territoriales Herrschaftsgebiet wurde militärisch zerschlagen, einzelne Zellen und Anhänger sind jedoch weiterhin aktiv.
Wer sind die Peschmerga?
Die Peschmerga sind die Streitkräfte der autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak. Sie spielten beim Kampf gegen den Islamischen Staat eine wichtige Rolle und arbeiteten dabei eng mit der internationalen Koalition zusammen.
OZD-Extra – Die USA ziehen Soldaten ab, ihr Einfluss bleibt
Mit dem Abzug endet die amerikanische Militärpräsenz, nicht jedoch der Einfluss Washingtons auf den Irak. Besonders deutlich wird dies bei den irakischen Öleinnahmen: Da Erdöl den größten Teil der Staatseinnahmen des Landes ausmacht und zentrale Dollartransaktionen weiterhin eng mit dem amerikanischen Finanzsystem verbunden sind, besitzt Washington auch ohne stationierte Soldaten erheblichen wirtschaftlichen Einfluss. Der 1. Oktober markiert deshalb vor allem das Ende eines militärischen Kapitels – die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Washington und Bagdad bleiben eng.
Gewinnspiel
In welchem Jahr begann die US-geführte Operation Inherent Resolve gegen den Islamischen Staat?
A: 2003
B: 2011
C: 2014
D: 2019
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.