Fakten im Überblick
Super E10 war am Donnerstagmorgen bundesweit 14,5 Cent je Liter günstiger als 24 Stunden zuvor.
Diesel verbilligte sich im gleichen Zeitraum um 15,2 Cent je Liter.
Der Tankrabatt gilt bis Ende Dezember und kostet Bund und Länder rund 2,5 Milliarden Euro.
Der neue Tankrabatt ist an Deutschlands Zapfsäulen angekommen. Bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten der Steuersenkung fielen die Preise für Benzin und Diesel deutlich. Nach Berechnungen des ADAC kostete Super E10 am Donnerstag um 8.00 Uhr im bundesweiten Durchschnitt 2,062 Euro je Liter. Das waren 14,5 Cent weniger als am Morgen zuvor. Diesel verbilligte sich sogar um 15,2 Cent und kostete im Schnitt 2,209 Euro. Damit wurde ein Großteil der rechnerischen steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent zunächst tatsächlich an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben.
Die Geschwindigkeit des Preisrückgangs fällt dabei besonders auf. Bereits in der Nacht sanken die Preise vielerorts deutlich. Der ADAC wertet die schnelle Reaktion als Hinweis auf erhebliche Spielräume bei der Preisgestaltung. Der Automobilclub warnt gleichzeitig davor, dass die Entlastung in den kommenden Tagen durch erneute Preissteigerungen wieder aufgezehrt werden könnte. Entscheidend sei deshalb nicht allein der günstige Start, sondern die längerfristige Entwicklung an den Tankstellen.
Wie stark die Preise innerhalb eines einzigen Tages schwanken können, zeigte sich bereits am Mittag. Kurz vor 12.00 Uhr waren die Kraftstoffpreise noch weiter gefallen, danach stiegen sie innerhalb kurzer Zeit wieder um rund 20 Cent. Hintergrund ist die seit April geltende 12-Uhr-Regel, nach der Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen dürfen, Preissenkungen dagegen weiterhin jederzeit möglich sind. Auch beim Vergleich der Preise nach dem Mittagssprung blieb der Effekt des Tankrabatts jedoch sichtbar.
Der Bundestag hatte die erneute Entlastung am 25. September beschlossen. Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter reduziert. Da dadurch zugleich weniger Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Für Bund und Länder bedeutet die Maßnahme Mindereinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro.
Genau diese Milliardenkosten stehen im Zentrum der Kritik. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, bemängelt, dass die Entlastung nicht gezielt diejenigen erreicht, die finanziell besonders stark unter den hohen Energiepreisen leiden. Wer viel Kraftstoff verbraucht, profitiert absolut stärker. Als Alternative brachte Duso direkte Zahlungen an einkommensschwache Haushalte und kleine Unternehmen ins Gespräch.
Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert die Maßnahme. Sie verweist unter anderem darauf, dass staatliche Einnahmeausfälle an anderer Stelle fehlen und noch nicht feststeht, welcher Anteil der Steuersenkung über die gesamte Laufzeit tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern verbleibt. Diese Frage ist nicht neu: Bereits beim vorherigen Tankrabatt hatten Untersuchungen ergeben, dass die Entlastung zwar größtenteils, aber nicht vollständig weitergegeben wurde. Nach Angaben der Monopolkommission verblieben damals gut 200 Millionen Euro eines Entlastungsvolumens von 1,6 Milliarden Euro bei den Mineralölkonzernen. Die Mineralölwirtschaft weist Kritik an einer unvollständigen Weitergabe allerdings zurück.
Auch aus Umwelt- und Verkehrsverbänden kommt Widerspruch. Kritiker stellen insbesondere die Milliardenkosten des Tankrabatts der geplanten Verteuerung des Deutschlandtickets gegenüber. Sie argumentieren, dass eine pauschale Senkung der Kraftstoffkosten unabhängig vom Einkommen keine zielgerichtete Entlastung darstellt.
Die Bundesregierung verteidigt die Maßnahme dagegen mit den hohen Belastungen für Pendler und Unternehmen. Gerade Menschen, die beruflich auf ihr Auto angewiesen sind, sollen kurzfristig entlastet werden. Zugleich plant die Bundesregierung weitere Schritte gegen hohe Kraftstoffpreise und will mit der Mineralölwirtschaft über einen möglichen vorübergehenden Spritpreisdeckel ab 2027 sprechen.
Für Autofahrer bleibt damit zunächst eine sehr konkrete Wirkung: Benzin und Diesel sind zum Start des Tankrabatts spürbar billiger geworden. Ob diese Entlastung tatsächlich bis zum Jahresende weitgehend erhalten bleibt, dürfte jedoch darüber entscheiden, wie erfolgreich die milliardenschwere Maßnahme am Ende bewertet wird.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Billiger tanken allein beantwortet die Milliardenfrage nicht
Der erste Effekt des Tankrabatts ist kaum zu übersehen: Die Preise sind gefallen. Wer sein Auto täglich für den Arbeitsweg braucht oder als Unternehmen auf Fahrzeuge angewiesen ist, spürt die Entlastung unmittelbar.
Doch genau hier beginnt die politische Debatte. Ein pauschaler Tankrabatt unterscheidet nicht zwischen Menschen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, und Haushalten, für die höhere Kraftstoffkosten problemlos verkraftbar sind. Die Kritiker sprechen deshalb von einer wenig zielgerichteten Verwendung öffentlicher Mittel. Die Bundesregierung hält dagegen, dass angesichts stark gestiegener Kraftstoffpreise schnell gehandelt werden müsse.
Hinzu kommt eine zweite Frage: Wie viel der Entlastung bleibt langfristig tatsächlich an der Zapfsäule? Der deutliche Preisrückgang zum Start zeigt zunächst, dass die Steuersenkung in erheblichem Umfang angekommen ist. Ob das über drei Monate so bleibt, lässt sich nach einem einzigen Tag nicht beurteilen.
Der Tankrabatt wird deshalb nicht an seinem ersten Morgen gemessen werden, sondern an der Entwicklung bis Ende Dezember. Erst dann lässt sich seriös beurteilen, wie viel der Milliardenentlastung tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen ist.
Historischer Hintergrund
Der aktuelle Tankrabatt ist bereits die zweite entsprechende Maßnahme in Deutschland im Jahr 2026. Schon im Mai und Juni waren die Steuern auf Benzin und Diesel vorübergehend gesenkt worden.
Auswertungen dieses ersten Rabatts kamen zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil der Entlastung an die Verbraucher weitergegeben wurde, allerdings nicht vollständig. Diese Erfahrungen spielen in der aktuellen Diskussion eine wichtige Rolle.
Der zweite Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026. Der Bundestag stimmte am 25. September mit 434 Stimmen dafür und 128 dagegen. Auch der Bundesrat gab grünes Licht.
Zukunftsprognose
In den kommenden Wochen dürfte vor allem die tatsächliche Preisentwicklung an den Tankstellen beobachtet werden. Rohölpreise, Beschaffungskosten, Wechselkurse und Margen der Mineralölunternehmen beeinflussen den Endpreis zusätzlich zur Steuerbelastung. Deshalb kann aus dem Preisrückgang des ersten Tages noch nicht auf die gesamte Laufzeit geschlossen werden.
Politisch dürfte der Streit ebenfalls weitergehen. Befürworter werden auf die unmittelbare Entlastung von Pendlern und Unternehmen verweisen, Kritiker auf die hohen Kosten und die fehlende soziale Zielgenauigkeit.
Zusätzliche Bedeutung bekommt die Debatte mit Blick auf 2027. Die Bundesregierung hat angekündigt, Gespräche über einen vorübergehenden Spritpreisdeckel nach Vorbildern aus Luxemburg oder Belgien zu führen. Damit könnte die Frage, wie der Staat auf außergewöhnlich hohe Kraftstoffpreise reagieren soll, auch nach dem Ende des Tankrabatts aktuell bleiben.
Was ist der Tankrabatt?
Der sogenannte Tankrabatt ist keine Auszahlung an Autofahrer. Stattdessen wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel zeitweise gesenkt. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 reduziert sich die Steuer um 14,04 Cent je Liter. Zusammen mit der dadurch ebenfalls sinkenden Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 16,7 beziehungsweise rund 17 Cent je Liter.
Was bedeutet der Tankrabatt bei einer Tankfüllung?
Wer 50 Liter tankt, kann bei vollständiger Weitergabe der Steuerentlastung rechnerisch rund 8,35 Euro sparen. Bei mehreren Tankfüllungen im Monat kann sich die Entlastung entsprechend summieren.
OZD-Extra – Warum steigen die Preise plötzlich um 12 Uhr?
Seit April gilt in Deutschland die sogenannte 12-Uhr-Regel. Tankstellen dürfen ihre Kraftstoffpreise grundsätzlich nur einmal täglich um 12.00 Uhr erhöhen. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Dadurch können kurz vor und nach 12.00 Uhr erhebliche Preisunterschiede entstehen. Die Regel soll die Preisentwicklung für Verbraucher transparenter machen.
Gewinnspiel
Wie hoch ist die rechnerische Entlastung durch den neuen Tankrabatt inklusive Mehrwertsteuereffekt ungefähr?
A: 7 Cent pro Liter
B: 11 Cent pro Liter
C: 17 Cent pro Liter
D: 25 Cent pro Liter
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.