Fakten im Überblick
Der Copilot griff auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv den Piloten mit einem Messer an.
Passagiere drangen ins Cockpit und überwältigten den Angreifer, der Pilot verhinderte eine Katastrophe.
Politiker in Israel und den USA spekulieren über eine mögliche Verwicklung des Irans.
Die dramatischen Minuten an Bord von Flug FZ 1073 lassen niemanden kalt. Der indische Kapitän Smit Machchhar spricht nun öffentlich über den mutmaßlichen Anschlag auf seine Flydubai-Maschine mit 174 Menschen an Bord. „Ich habe versucht, mein eigenes Leben zu retten, aber ich wusste, dass ich all diese Menschen nicht sterben lassen konnte“, schildert Machchhar. Am Mittwoch kam es mitten auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv zu einem plötzlichen Angriff: Der Copilot, wie Israels Regierung später erklärt, soll seinen Kollegen mit einem Messer attackiert haben, um das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Die Maschine verlor nach Angaben von Flightradar24 in kürzester Zeit etwa 5000 Meter an Höhe. Laut israelischen Angaben waren die meisten der Passagiere Israelis.
Mehrere Passagiere griffen laut Augenzeugen beherzt ein, drangen in das Cockpit und überwältigten den Angreifer. Schwer verletzt habe er erkannt, dass das Flugzeug im kontrollierten Sinkflug war, berichtet Machchhar im Telefonat mit Indiens Regierungschef Narendra Modi. Mit letzter Kraft habe er versucht, die Cockpit-Tür zu erreichen. „Ich wurde selbst dann noch geschlagen, aber ich öffnete einfach die Tür und alle kamen herein.“ Die israelische Regierung erklärte, der Copilot stamme aus dem Oman und sei radikalisiert. Ob er im Auftrag von Hintermännern handelte, werde noch untersucht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte: „Wer auch immer ihn geschickt hat, wird einen sehr hohen Preis zahlen“.
Die Reaktionen auf den Vorfall sind international. US-Präsident Donald Trump drohte im Zusammenhang mit einer vermuteten Beteiligung Irans mit Konsequenzen. "Sie werden sehr hart getroffen werden, keine Sorge", sagte Trump. Auf Nachfrage, ob der Iran an dem mutmaßlichen Anschlag beteiligt sei, erklärte er: "Ich würde sagen, die Antwort lautet, nach dem, was ich höre, ja. Aber wir arbeiten gerade daran." Die Vereinigten Arabischen Emirate leiteten Ermittlungen wegen eines möglichen Terroranschlags ein. Sowohl der Pilot als auch der Copilot wurden nach der Notlandung in Saudi-Arabien im Krankenhaus behandelt. Präsidentenberater Anwar Gargasch würdigte den Piloten als „wahren Helden“ und schrieb online, Machchhar habe einen „schweren Terroranschlag und eine mögliche Katastrophe“ verhindert und verkörpere „die wahre Bedeutung von Mut und Verantwortung“. Nach dem Vorfall stellte Flydubai die Flüge nach Israel zunächst ein.
Berichten zufolge entsandten die USA zuletzt zusätzliche Patriot-Raketen nach Saudi-Arabien und Katar, um wichtige regionale Anlagen zu schützen. Laut US-Medien ist zudem der Flugzeugträger "USS Theodore Roosevelt" auf dem Weg in die Region. Die Hintergründe der Tat und eine mögliche Verbindung nach außen sind Gegenstand laufender Ermittlungen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Mut und Verantwortung im Cockpit
Die Schilderungen von Smit Machchhar zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich ein Routineflug in eine Extremsituation verwandeln kann. Dass an diesem Tag keine Katastrophe eintrat, ist dem Mut des Piloten und dem Eingreifen der Passagiere zu verdanken. Der Vorfall wirft aber auch wichtige Fragen zur Flugsicherheit auf. Ob und welche radikalen Hintergründe tatsächlich vorliegen, muss gründlich und unabhängig geklärt werden. Politische Schuldzuweisungen ohne gesicherte Erkenntnisse bergen die Gefahr, dass Unsicherheiten und Spannungen zunehmen anstatt abnehmen. Die Verantwortung für Klarheit und Seriösität liegt nun bei den internationalen Behörden. Es ist zu erwarten, dass die Flugsicherheit überprüft und diskutiert wird. Schnellschüsse helfen dabei niemandem.
Historischer Hintergrund
Mutmaßliche oder tatsächliche Angriffe im Cockpit sind äußerst selten, sorgen aber international für großes Aufsehen. Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen Israel, den Golfstaaten, dem Iran und den USA. Der Nahostkonflikt beeinflusst das Sicherheitsempfinden seit Jahren – auch bei zivilen Flügen in die Region. Die Abraham-Abkommen und der Iran-Krieg der letzten Monate prägen das regionale Klima. Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen werden im Zusammenhang mit bekannten Terrorrisiken regelmäßig angepasst.
Zukunftsprognose
Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Airlines technische und personelle Kontrollen nach solchen Vorfällen prüfen und anpassen könnten. Für den Flugverkehr zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und weiteren Staaten ist mit vorübergehenden Einschränkungen zu rechnen. Sollte sich eine Beteiligung des Iran bestätigen, könnte dies politische Reaktionen bis hin zur Verstärkung der US-Militärpräsenz in der Region nach sich ziehen. Auch international ist mit einer intensiveren Debatte über Cockpitsicherheit und die Auswahl von Crews zu rechnen. Die Ermittlungen werden vermutlich Einfluss auf künftige Regelungen und Sicherheitsvorkehrungen nehmen.
Erklärungen
Was geschah auf dem Flydubai-Flug
Auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv attackierte ein Copilot im Cockpit seinen Kollegen mit einem Messer. Nur durch das Eingreifen des Piloten und einiger Passagiere wurde eine mögliche Katastrophe verhindert.
Wer ist Smit Machchhar
Smit Machchhar ist ein indischer Flugkapitän. Nach eigenen Angaben kämpfte er nach dem Angriff im Cockpit sowohl um sein eigenes Leben als auch das der Passagiere.
OZD-Extras
Beide Piloten wurden nach der Notlandung in Saudi-Arabien medizinisch behandelt.
Flydubai stellte nach dem Vorfall sämtliche Flüge nach Israel zunächst ein.
Laut US-Berichten trafen nach dem Zwischenfall zusätzliche US-Patriot-Raketen in der Region ein.
Gewinnspiel
Wie viele Passagiere befanden sich an Bord des Flydubai-Fluges?
A) 87
B) 132
C) 174
D) 226
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.