Fakten im Überblick
Im August sanken die Industrieaufträge um 10,6 Prozent zum Vormonat.
Im Dreimonatsvergleich blieb trotzdem ein Plus von 1,3 Prozent.
Ins Inland gingen 17,3 Prozent, ins Ausland 5,4 Prozent weniger Aufträge.
Nach kräftigen Anstiegen im Juni und Juli hat die deutsche Industrie im August einen harten Rückschlag bei den Aufträgen hinnehmen müssen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sank der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe um 10,6 Prozent im Vergleich zum Juli. Im Juli war es noch zu starken Zuwächsen in Folge mehrerer Großaufträge im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau gekommen. Diese Großaufträge fehlten im August völlig. Ohne ihre Berücksichtigung stagnierte der Auftragseingang fast, die Veränderung betrug dann minus 0,1 Prozent.
Vor allem die Inlandsnachfrage zeigte Schwäche. Im August gingen 17,3 Prozent weniger Bestellungen im Inland ein, während die Auslandsaufträge um 5,4 Prozent zurückgingen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums war die heimische Investitionsgüternachfrage ausschlaggebend, sie brach um 28,6 Prozent ein. Zuvor hatten staatliche Großaufträge die Nachfrage stark ansteigen lassen. Das Ministerium erklärte: "Aufgrund der gestiegenen Bedeutung von öffentlichen Beschaffungen entwickeln sich die Auftragseingänge weiterhin sehr volatil".
Nach Einschätzung des Ministeriums spielte zu Jahresbeginn der Krieg im Nahen Osten eine Rolle durch Sondereffekte, deren Auswirkung im dritten Quartal "spürbar" nachließ.
Im Dreimonatsvergleich ergibt sich für die Branche noch ein Plus von 1,3 Prozent. Auch lagen die Ordervolumen im August um 2,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das Ministerium betonte: "Auch wenn die Neuaufträge in der Industrie im August schwach ausfielen und strukturelle Wettbewerbsprobleme fortbestehen, hat sich die Auftragslage, insbesondere in Branchen, die vom KI-Hochlauf und staatlichen Beschaffungen profitieren, zuletzt deutlich verbessert".
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Staatliche Großaufträge sind kein solides Fundament
Der Einbruch der Industrieaufträge im August macht sichtbar, wie stark die Branche von einzelnen Großaufträgen und staatlicher Unterstützung abhängig ist. Während kurzfristige Zuwächse Hoffnung geben können, bringen fehlende Großprojekte sofort gravierende Rückgänge mit sich. Das Ministerium sagt selbst: "Aufgrund der gestiegenen Bedeutung von öffentlichen Beschaffungen entwickeln sich die Auftragseingänge weiterhin sehr volatil". In dieser Volatilität spiegelt sich die Unsicherheit des Sektors wider. Das Muster bleibt: Einige Branchen profitieren von Trends wie KI oder von neuen öffentlichen Aufträgen, aber strukturelle Wettbewerbsprobleme lösen sich dadurch nicht von selbst. Prognose: Ohne solide und stabile Basis drohen weitere starke Schwankungen und nur punktuelle Erholung.
Historischer Hintergrund
Industrieaufträge dienen in Deutschland seit Jahrzehnten als zentraler Konjunkturindikator. Im Laufe des Jahres 2023 trieben vor allem Großaufträge und Sondereffekte im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten die Entwicklung – mit zum Teil erheblichen Schwankungen.
Zukunftsprognose
In den nächsten Monaten bleibt mit deutlichen Schwankungen bei den Industrieaufträgen zu rechnen. Bestimmend bleiben Großaufträge, staatliche Beschaffungen und internationale Krisen. Einzelne Branchen können je nach Förderungen oder Technologietrends profitieren, doch die Gesamtsituation bleibt fragil und abhängig von externen Faktoren.
Erklärungen
Was sind Industrieaufträge?
Industrieaufträge sind Bestellungen aus In- und Ausland bei Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und zeigen die künftige Produktionsauslastung an.
Was ist Investitionsgüternachfrage?
Investitionsgüternachfrage steht für Aufträge nach langlebigen Produktionsmitteln wie Maschinen und Anlagen, die Unternehmen für neue Investitionen benötigen.
OZD-Extras
Volatile Großaufträge und öffentliche Beschaffungen prägen die Entwicklung der Industrieaufträge mittlerweile massiv. Die Auswirkungen auf Börsen und Wechselkurse bleiben meist begrenzt, solange sich keine längerfristigen Trends abzeichnen.
Gewinnspiel
Wie stark gingen die Industrieaufträge im August 2023 zurück?
A) 10,6 Prozent
B) 1,3 Prozent
C) 28,6 Prozent
D) 5,4 Prozent
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.