Fakten im Überblick
Ramon Vega will bei der FIFA-Präsidentschaftswahl 2027 antreten.
Vega benötigt mindestens fünf unterstützende Verbände.
Die UEFA sucht nach einem mehrheitsfähigen Gegenkandidaten.
Ramon Vega wagt einen neuen Anlauf, sich an die Spitze des Fußball-Weltverbandes FIFA zu setzen und seinen Landsmann Gianni Infantino abzulösen. Der ehemalige Schweizer Nationalspieler und einstige Verteidiger des FC Zürich und von Tottenham Hotspur hat für die Präsidentschaftswahl 2027 offiziell seine Kandidatur angekündigt. Voraussetzung ist die Unterstützung durch mindestens fünf der 211 nationalen Verbände, woran sein Vorhaben in der Vergangenheit bereits scheiterte. Dabei gibt Vega sich diesmal optimistischer än je: "Die Situation hat sich seither stark gewandelt", meint er und glaubt, dass die Mitgliedsverbände nun "viel offener für Veränderungen" seien als bei seiner letzten Kandidatur.
Bis zum 15. November können weitere Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen. Bei ihrem Gipfel in Berlin hoffen die einflussreichen UEFA-Verbände, einen mehrheitsfähigen Gegenkandidaten zu finden – laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf müsse dies nicht zwingend ein Europäer sein. Neuendorf bezeichnete Infantino in diesem Zusammenhang als "nicht mehr tragbar". Dennoch bleibt der mächtige FIFA-Chef klarer Favorit: Sogar einzelne europäische Nationalverbände wie Lettland haben sich bereits öffentlich zu seiner Unterstützung bekannt. Auch bei den oppositionellen Kontinentalverbänden aus Europa, Asien und Nord- und Mittelamerika gibt es keine einheitliche Front gegen Infantino.
Vega, der heute als Finanzberater arbeitet und bereits 2015 sowie 2019 als Kandidat gescheitert war, betont die gesellschaftliche Dimension seiner Bewerbung. In einem Dossier beschreibt er seine Motivation mit den Worten: "Ich trete an, weil mein Leben mich darauf vorbereitet hat, dem Sport zu dienen". Er betont seine "Pflicht und gesellschaftliche Verantwortung an, den Fußball zu schützen und zu verteidigen – seine Integrität, die Menschen darin und seine Zukunft". In einer scharfen Analyse zeichnet er ein düsteres Bild vom Zustand des Fußballs: "Der Fußball liegt auf der Intensivstation und wird künstlich am Leben erhalten. Wir können nicht länger warten. Die FIFA braucht eine neue Ausrichtung und grundlegende Reformen." Ob Vega dieses Mal die erforderliche Unterstützung zusammenbekommt, bleibt offen. Klar ist: Solange Infantino weiter über mehrheitsfähige globale Allianzen verfügt, bleibt sein Herausforderer Außenseiter. Dennoch sorgt Vegas Vorstoß für neue Impulse und Diskussionen im Weltfußball.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Neue Gesichter, alte Hürden – FIFA bleibt ein Machtspiel
Ramon Vegas Kandidatur bringt zwar neues Leben in die anstehende FIFA-Wahl, doch der Blick auf die Kräfteverhältnisse stimmt skeptisch. Während Vega mit ehrlichen Worten und dem Ruf nach Reformen auftritt, sitzt Infantino fester im Sattel als je zuvor – nicht zuletzt, weil selbst in Europa nicht alle Verbände auf einen Wechsel hoffen. Das Zitat "nicht mehr tragbar" von Bernd Neuendorf trifft die Stimmung vieler Kritiker, doch ohne eine starke Koalition bleibt Vegas Ansinnen wohl eher ein Signal denn eine reale Gefahr für den Amtsinhaber. Die Debatte zeigt: Der Wunsch nach Wandel ist groß, doch Entscheidungen werden im Weltfußball noch immer von wenigen Mächtigen gelenkt.
Für die Zukunft rechne ich damit, dass Grassroots-Bewegungen und Forderungen nach Reformen innerhalb der FIFA wachsen werden – auch wenn jetzt wohl noch keine echte Machtverschiebung bevorsteht.
Historischer Hintergrund
Nach dem Rücktritt von Sepp Blatter 2015 zog Vega schon einmal eine Kandidatur in Erwägung. 2019 trat er gegen Infantino an, erhielt aber zu wenig Unterstützung von den Mitgliedsverbänden und musste zurückziehen. Im Fußball-Weltverband FIFA bestimmen seit Jahrzehnten politische Allianzen und die Stimmen hunderter nationaler Verbände über den mächtigsten Posten im globalen Fußball. Kontroversen um Führungsstil und Legitimität der jeweiligen Präsidenten haben Tradition.
Zukunftsprognose
Sollte Vega die Kandidatur gelingen und er weitere Verbände für sich gewinnen, könnte dies zu Bewegungen oder neuen Reformdiskussionen im Weltfußball führen. Bleibt Infantino, ist mit Kontinuität, aber auch weiter wachsender Kritik und offenen Reformforderungen zu rechnen. Die FIFA-Wahl hat Potenzial, Diskussionen über die Zukunft des Fußballs weit über Europa hinaus zu prägen und wirkt sich indirekt auch auf die Beziehungen zwischen den Kontinentalverbänden aus. Eine grundlegende Machtverschiebung ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich.
Erklärungen
Wer ist Ramon Vega?
Ramon Vega ist ein Schweizer Ex-Nationalspieler, der unter anderem bei Tottenham Hotspur spielte. Nach der Karriere arbeitete er als Finanzberater und versuchte sich bereits mehrmals als Kandidat für das Amt des FIFA-Präsidenten.
Was ist die FIFA?
Die FIFA ist der internationale Weltfußballverband mit Sitz in Zürich. Er organisiert die Fußball-Weltmeisterschaften und bestimmt maßgeblich die Regeln, Struktur und Leitung des internationalen Fußballs.
OZD-Extras
Für eine Kandidatur zur FIFA-Präsidentschaft braucht man Unterstützung von mindestens fünf der 211 Mitgliedsverbände. Die Wahl 2027 findet in Marokko statt – im Fußball ist dies ein bedeutender Schauplatz auf dem afrikanischen Kontinent. Auswirkungen auf Aktienmärkte sind nicht zu erwarten, da die FIFA als gemeinnütziger Verband nicht an der Börse notiert und die Wahl vor allem politische Bedeutung für den Weltfußball hat.
Gewinnspiel
Wie viele Verbände müssen einen FIFA-Präsidentschaftskandidaten mindestens unterstützen?
A) Mindestens fünf
B) Mindestens zehn
C) Mindestens zwanzig
D) Mindestens fünfzig
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.