Fakten im Überblick
Die asiatische Konföderation AFC unterstützt Gianni Infantino für die FIFA-Präsidentschaft 2027.
AFC-Chef Salman bin Ibrahim al-Khalifa sicherte Infantino "uneingeschränkt" Rückendeckung zu.
UEFA und CONCACAF planen einen Gegenkandidaten, haben aber noch keinen Namen vorgestellt.
Im sich zuspitzenden Machtkampf um die FIFA-Präsidentschaft steht Gianni Infantino vor einer entscheidenden Wegmarke. Nachdem der Widerstand aus Europa und Nordamerika zunächst für erhebliche Unruhe gesorgt hatte, kehrt nun ein bedeutender Akteur auf seine Seite zurück: Die asiatische Konföderation AFC hat Infantino für die Wahl im März 2027 in Rabat die Unterstützung zugesichert und damit die Chancen eines von der UEFA angestrebten Neuanfangs deutlich geschmälert. AFC-Chef Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa stellte öffentlich klar, dass die Rückendeckung "uneingeschränkt" gelte und sagte: "Ich habe mit zahlreichen Mitgliedern auf diesem Kontinent gesprochen. Ihre Unterstützung für Gianni ist ganz klar". Deutliche Worte, die bei einer Sitzung in Tokio gefallen sind und aus Sicht vieler Beobachter den Weg für Infantinos Wiederwahl ebnen.
Das Verhältnis zwischen Infantino und dem asiatischen Verband galt nach dem gescheiterten Investorenvorhaben als angespannt. Doch nun schlug al-Khalifa versöhnliche Töne an: "Gianni, ja, wir hatten in der Vergangenheit einige Probleme. Aber lassen Sie uns diese beiden Dinge nicht miteinander vermischen. Wir müssen nach vorne schauen. Der Fußball ist am stärksten, wenn wir zusammenarbeiten." Diese Botschaft stieß in der finanzstarken Golfregion auf offene Ohren, wo Infantino schon zur Zeit der WM in Katar 2022 mit deutlichen Worten die Rolle des Gastgeberlandes verteidigt hatte. Zudem hatte sich die Vereinigung arabischer Verbände hinter ihn gestellt, darunter zwölf AFC-Mitgliedsländer.
Die internationale Allianz für Infantino wächst damit weiter. Afrika und Südamerika zählen schon länger zu seinen Unterstützern, und auch in Ozeanien genießt der FIFA-Präsident großen Rückhalt. Dagegen kämpfen UEFA und CONCACAF inzwischen mit dem Problem, nicht sämtliche ihrer Mitglieder für einen Gegenkandidaten gewinnen zu können. Die Suche nach einem Namen läuft, doch bislang gibt es nur Kriterien für eine Nominierung, die auf dem Gipfel der europäischen Verbandsbosse in Berlin festgelegt wurden.
Infantino selbst bemühte sich zuletzt um Schadensbegrenzung: Bei einer Council-Sitzung entschuldigte er sich für den Ablauf rund um den gescheiterten Investorendeal, während gleichzeitig – nach Initiative aus Asien – eine Arbeitsgruppe zu möglichen Reformen im Weltverband eingerichtet wurde. Die Lage im Weltfußball bleibt damit angespannt, doch in Richtung der Wahl 2027 scheint sich die Tür für Veränderungen zu schließen und Infantinos Position zu festigen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Infantinos Bündnisse gewinnen an Gewicht
Der Kurswechsel der AFC ist für Gianni Infantino ein politischer Befreiungsschlag. Während UEFA und CONCACAF noch immer auf der Suche nach einem geeigneten Herausforderer sind, kann der amtierende FIFA-Präsident auf einen zunehmend geschlossenen Rückhalt bauen. Die Geschlossenheit der arabischen Verbände und die klaren Worte von Salman bin Ibrahim al-Khalifa sind ein Signal, das über den Kontinent hinauswirkt. Es zeigt sich einmal mehr, wie schwierig es ist, im vielschichtigen Geflecht des Weltfußballs einen echten Machtwechsel herbeizuführen. Die Kritik und die Streitpunkte der Vergangenheit sind längst nicht ausgeräumt, doch in den entscheidenden Momenten steht die Mehrheit der Verbände offenbar hinter dem Status quo. Dies droht wichtige Reformfragen in den Hintergrund zu drängen. Es ist zu erwarten, dass die Debatte um mehr Transparenz, die Rolle der Investoren und die Austragungsorte internationaler Turniere weiter für Sprengstoff sorgen wird – doch eine wirkliche Ablösung Infantinos erscheint auch nach der aktuellen Wende unrealistisch.
Historischer Hintergrund
Der Machtkampf innerhalb der FIFA schwelt bereits seit Jahren, besonders seit kritische Entscheidungen wie die Vergabe großer Turniere an Katar und Saudi-Arabien international diskutiert werden. Die UEFA versuchte, mit Unterstützung aus Nord- und Mittelamerika, einen Kurswechsel einzuleiten, nachdem kontroverse Investorenprojekte innerhalb des Weltverbandes gescheitert sind. Die asiatische Konföderation spielte dabei eine wechselvolle Rolle und wendete sich nach Kritik an Infantinos Strategien nun wieder dem FIFA-Präsidenten zu. In der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen, in denen FIFA-Präsidenten unter dem Druck mehrerer Kontinente standen – am Ende entschied jedoch meist ein nach Kontinentalproporz geordnetes Stimmenbild.
Zukunftsprognose
Es ist denkbar, dass Infantinos gefestigte Unterstützung in Asien, Afrika und Südamerika die Wiederwahl 2027 stark begünstigt. Die Kontrolle der FIFA dürfte damit weiter in den Händen eines internationalen Bündnisses außerhalb Europas liegen. Das Risiko besteht, dass zentrale Reformfragen zugunsten machtpolitischer Stabilität aufgeschoben werden. Wirtschaftlich könnten wichtige Investitionsentscheidungen weiterhin durch die Golfregion geprägt werden, während gesellschaftlich die Frage nach mehr Transparenz und fairer Vergabepraxis offen bleibt. International wird die Spaltung zwischen Europa und anderen Kontinentalverbänden vermutlich bleiben und könnte Einfluss auf die Vergabe zukünftiger Großereignisse sowie auf das Ansehen der FIFA nehmen.
Erklärungen
Was ist die AFC?
Die AFC ist die Asian Football Confederation, der Dachverband für Fußball in Asien. Sie organisiert Wettbewerbe und vertritt die Interessen asiatischer Verbände innerhalb der FIFA.
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der FIFA und war zuvor Generalsekretär der UEFA. Sein Führungsstil und seine Entscheidungen stehen international immer wieder in der Kritik.
OZD-Extras
Ein bemerkenswertes Detail ist die lange enge Beziehung Infantinos zu Vertretern der Golfstaaten. Besonders mit Blick auf die umstrittene Vergabe der WM 2022 an Katar und der WM 2034 an Saudi-Arabien hat sich diese Allianz immer wieder als politisches Faustpfand innerhalb der FIFA erwiesen. Für die internationalen Fußballmärkte bedeutet ein AFC-Kurswechsel hin zu Infantino Stabilität, könnte aber auch Investitionen und Sponsoring aus der Region verstärken. Eine unmittelbare Auswirkung auf Börsen oder Währungen lässt sich aus der aktuellen Lage jedoch nicht ableiten.
Gewinnspiel
Wer unterstützt Gianni Infantino bei der FIFA-Präsidentschaftswahl 2027?
A) Afrika und Teile Ozeaniens
B) AFC und arabische Verbände
C) CONCACAF und UEFA
D) Australien und Neuseeland
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.