Fakten im Überblick
Guido Tognoni sieht im UEFA-FIFA-Konflikt einen dramatischen Zeitverlust für die UEFA.
FIFA-Präsident Infantino sichert sich laut Tognoni mit hohen Finanzzusagen Vorteile.
Bisher fehlt ein europäischer Gegenkandidat für Infantinos Wiederwahl 2027.
Die Europäische Fußball-Union steht in einem existenziellen Machtkampf mit dem umstrittenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Nach Einschätzung des früheren FIFA-Mediendirektors Guido Tognoni droht der UEFA dabei ein folgenschweres Scheitern. "Die UEFA hat im Moment einfach an Tempo verloren. Das muss man sagen", erklärte Tognoni gegenüber der ARD-Sportschau und fügte warnend hinzu: "Und wenn sie jetzt nicht bald an Tempo zunehmen, dann könnte das Ganze noch in einem Fiasko enden." Tognonis Worte fallen in eine Phase, in der sich die Fronten zuspitzen und der Fußball-Weltverband gezielt seine Position stärkt.
Die FIFA hatte nach ihrer Council-Sitzung in der Vorwoche angekündigt, dass die nationalen Mitgliedsverbände im kommenden Vierjahreszyklus jeweils rund 25 Millionen US-Dollar erhalten sollen – mehr als doppelt so viel wie bisher. Tognoni erklärte, dass Infantino so "einen Vorsprung herausholen" könne. Er könne "den Mercedes-Katalog mitbringen für die Präsidenten, damit sie wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen." Diese großzügigen Finanzzusagen stärken die Position des Schweizer Amtsinhabers im Vorfeld der FIFA-Präsidentschaftswahl und verschaffen ihm offenbar Rückhalt insbesondere in Afrika, Südamerika, Ozeanien und weiten Teilen Asiens.
Im März 2027 will sich Infantino beim FIFA-Kongress in Rabat, Marokko, zur Wiederwahl stellen. Die UEFA fordert seit der gescheiterten Investoren-Offensive Infantinos Rückzug und wünscht sich tiefgreifende Reformen an der FIFA-Spitze. Allerdings fehlt bislang ein Gegenkandidat: Die Europäer haben lediglich Kriterien für eine Alternative formuliert, doch weder UEFA-Präsident Aleksander Ceferin noch prominente Namen wie Nasser Al-Khelaifi oder Victor Montagliani stehen zur Verfügung. Als mögliche Kandidaten werden der einstige Arsenal-Coach und heutige FIFA-Direktor Arsène Wenger sowie die Investorin Michele Kang gehandelt, doch laut Medienberichten gibt es bisher keine offizielle Bewerbung.
Tognoni glaubt, dass es durchaus Interessenten gäbe, die ihre Ambitionen aber zurückhalten: "Es gibt Leute, die schon die Ambitionen haben, aber die geben das nicht zu, weil sie Angst haben, dass sie verlieren". Seine Warnung ist deutlich: Infantinos Wiederwahl könnte Realität werden, sofern die von der UEFA geforderten Reformen weiter ausbleiben. Das Zeitfenster für einen Machtwechsel an der Spitze des Weltfußballs scheint kleiner zu werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – UEFA verliert den Anschluss im FIFA-Poker
Der internationale Fußball erlebt aktuell einen Machtpoker, dessen Ausgang entscheidend für die Zukunft des Sports sein könnte. Die UEFA steht dabei zunehmend im Schatten der FIFA und ihres Präsidenten Gianni Infantino. Während Infantino mit vollen Händen Gelder verteilt, ringt die UEFA um Einfluss – bislang ohne einen Kandidaten von ähnlicher Strahlkraft ins Rennen zu schicken. Das Bild, das Ex-Mediendirektor Tognoni zeichnet, ist alarmierend: Europa droht in seiner eigenen Zögerlichkeit zu verharren und strategisches Terrain zu verlieren. Es mangelt nicht an möglichen Herausforderern, wohl aber am Mut, offen für einen Neuanfang zu kämpfen. Sollte sich dieses Muster fortsetzen, wird Infantino bei der Wahl 2027 wohl nahezu konkurrenzlos sein. Die UEFA droht damit endgültig zu einer Randfigur im weltweiten Fußball zu werden und Reformen könnten weiter auf Eis liegen. Die Aussicht, dass sich bis zum Ablauf der Nominierungsfrist ein starker Kandidat findet, bleibt zwar bestehen. Realistischer aber ist das Szenario, dass sich die Machtverhältnisse noch weiter zu Gunsten der FIFA verschieben.
Historischer Hintergrund
Der Machtkampf zwischen der UEFA und der FIFA hat eine lange Tradition, die bis in die Gründungszeiten der internationalen Verbände zurückreicht. Insbesondere in den vergangenen Jahren haben sich die Fronten verhärtet, nachdem die FIFA unter Gianni Infantino ihre globale Macht ausbaute. Immer wieder sorgten unterschiedliche Vorstellungen zur Kommerzialisierung und politischen Einflussnahme für Spannungen. Besonders der gescheiterte Versuch der UEFA, Investoren für den europäischen Fußball zu gewinnen, sorgte für offene Konfrontation mit der FIFA. Diese Auseinandersetzung wird durch das anstehende FIFA-Präsidentschaftsrennen weiter verschärft.
Zukunftsprognose
Sollte die UEFA keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten aufstellen, ist ein Fortbestehen oder gar Ausbau der Vormachtstellung von Gianni Infantino wahrscheinlich. Dies könnte zu einer weiteren Marginalisierung Europas im Weltfußball führen, während die von der UEFA geforderten Reformen ausbleiben. Wirtschaftlich dürfte eine Fortsetzung der aktuellen FIFA-Politik zu verstärkten Investitionen in Verbände außerhalb Europas führen. Politisch droht ein anhaltender Reputationsverlust der UEFA, sollte sie weiterhin in entscheidenden Momenten zu zögerlich agieren. International könnten sich die Machtverhältnisse weiter Richtung Afrika, Asien und Amerika verschieben.
Erklärungen
Was ist der FIFA-Präsidentschaftswahlkampf?
Der Wahlkampf um die Präsidentschaft der FIFA ist eine weltweite politische Auseinandersetzung, bei der sich Kandidaten um das einflussreichste Amt im Weltfußball bewerben. Die Abstimmung erfolgt auf dem FIFA-Kongress durch Vertreter aus allen Mitgliedsländern.
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA. Unter seiner Führung baute die FIFA ihre wirtschaftliche Macht international weiter aus.
OZD-Extras
FIFA-Entscheidungen können direkte Auswirkungen auf internationale TV-Rechte, Sponsoring und Transfersummen haben. Börsenkurse von Sportartikelherstellern zeigen mitunter Korrelationen zu sportpolitischen Entwicklungen der FIFA. Diese werden von Analysten jedoch meist als stimmungsgetrieben und nicht als unmittelbare Reaktion auf einzelne Personalien bewertet.
Gewinnspiel
Wer ist derzeit amtierender Präsident der FIFA?
A) Gianni Infantino
B) Aleksander Ceferin
C) Arsène Wenger
D) Nasser Al-Khelaifi
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.