Fakten im Überblick
China nominiert Song Li als Nachfolge-Kandidatin für den WHO-Chefposten.
Im Mai 2025 wählt die Weltgesundheitsversammlung die neue WHO-Spitze.
Das Verhältnis zwischen China und der WHO ist seit Corona angespannt.
China hat nach Ablauf der Bewerbungsfrist offiziell die Gesundheitsexpertin Song Li zur Kandidatin für die Nachfolge des WHO-Chefs Tedros Adhanom Ghebreyesus benannt. Die Ankündigung aus Peking erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen China und der Weltgesundheitsorganisation von Spannungen geprägt sind. Song Li leitet in China die Abteilung für Frauen- und Kindergesundheit und war an der Entwicklung zentraler Gesetze zur pränatalen Diagnostik und zur reproduktiven Medizin beteiligt. Sollte sie gewählt werden, wäre sie nach Margaret Chan die zweite Chinesin an der Spitze der UN-Sonderorganisation. Außenamtssprecherin Mao Ning sagte am Donnerstag: "Die Kandidatur von Dr. Song Li zeugt von dem aktiven Willen Chinas, eng mit allen Seiten zusammenzuarbeiten". Ziel solle es sein, "die Gesundheit und das Wohlergehen der gesamten Menschheit voranzutreiben". Ebenfalls werde Peking dadurch seine "entschiedene Unterstützung für den Multilateralismus ebenso wie für die Weltgesundheitsorganisation" ausdrücken.
Weitere Bewerberinnen und Bewerber kommen aus Katar, Saudi-Arabien, Indonesien, Botsuana sowie auch aus Europa, etwa die Spanierin María P. Neira und der Belgier Hans Kluge. Der WHO-Exekutivrat wählt eine Vorauswahl von höchstens drei Namen aus, über die dann die Delegierten der Weltgesundheitsversammlung Ende Mai des kommenden Jahres entscheiden. Die aktuelle Amtszeit von Tedros endet im August 2027, nach zwei Amtszeiten ist eine Wiederwahl laut Statut ausgeschlossen.
Das Verhältnis von China zur WHO gilt als konfliktbeladen. Während der Corona-Pandemie warf die WHO China wiederholt mangelnde Transparenz und zu wenig Kooperation vor. Noch heute ist der Ursprung der Pandemie umstritten. Der damalige US-Präsident Donald Trump bezeichnete die WHO als "Marionette Chinas" und ordnete einen Austritt der USA aus der Organisation an, was international für erhebliche Diskussionen sorgte. Vor diesem Hintergrund blickt die internationale Gemeinschaft gespannt nach Genf, wo die Stimmenverhältnisse und die Rolle Chinas entscheidend für die künftige Führung der Weltgesundheitsorganisation sein dürften.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – China und die WHO an einer Weggabelung
Mit der Nominierung von Song Li für die WHO-Spitze demonstriert China diplomatisches Selbstbewusstsein und den Willen, auf der weltpolitischen Gesundheitsbühne mitzugestalten. Der Zeitpunkt ist heikel: Nicht nur wirkt das Verhältnis Chinas zur WHO seit der Pandemie belastet, auch der Rückzug der USA unter Trump wirkte lange nach. Dass Chinas Engagement formal Multilateralismus und Zusammenarbeit betont, verwundert wenig, denn die internationale Glaubwürdigkeit der WHO steht immer wieder auf dem Prüfstand. Es bleibt eine Herausforderung, das Gleichgewicht zwischen nationalen Interessen und globaler Verantwortung zu wahren. Sollte Song Li gewählt werden, wird die Welt aufmerksam beobachten, wie sie die WHO aus Chinas Schatten heraushalten kann – oder ob die Debatte über Unabhängigkeit und Einfluss neu befeuert wird. Genau das dürfte ein zentrales Thema in Zukunft werden.
Historischer Hintergrund
Die Weltgesundheitsorganisation wurde 1948 gegründet und versteht sich als zentrale Behörde für internationale Gesundheitsfragen. Von 2007 bis 2017 führte mit Margaret Chan erstmals eine Chinesin die Organisation. In der Amtszeit von Tedros Adhanom Ghebreyesus prägte die Corona-Pandemie das globale Gesundheitssystem und belastete das Verhältnis zu China stark. Mehrere Länder aus unterschiedlichen Kontinenten haben sich mit eigenen Kandidatinnen oder Kandidaten für die nächste Wahl positioniert, was die internationale Bedeutung des Amtes unterstreicht.
Zukunftsprognose
Wird Song Li gewählt, könnte China seinen Einfluss bei der WHO erheblich ausbauen. Politisch würde das Signalwirkung für die Beziehungen zwischen China, westlichen Staaten und der UN entfalten. Gesellschaftlich wäre ein Erfolg für Song nicht nur für China, sondern auch für Frauen in Führungsrollen international bedeutend. Fraglich bleibt, ob die Unabhängigkeit der WHO unter neuer Führung gestärkt oder weiter zur Debatte stehen wird. Gerade im westlichen Lager rechnet man mit einer intensiven Begleitung der Amtsführung durch Öffentlichkeit, Medien und Regierungen.
Erklärungen
Wer ist Song Li?
Song Li ist eine chinesische Gesundheitsexpertin und leitet die Abteilung für Frauen- und Kindergesundheit bei der Nationalen Gesundheitskommission. Sie prägte wichtige Gesetze zur pränatalen Diagnostik und reproduktiven Medizin.
Wie läuft die Wahl des WHO-Generaldirektors?
Nach weltweiter Kandidatenaufstellung erfolgt eine Vorauswahl durch den Exekutivrat. Die Delegierten der Weltgesundheitsversammlung stimmen dann über maximal drei nominierte Personen ab.
OZD-Extras
Song Li wäre nach Margaret Chan die zweite Chinesin als WHO-Chefin.
Zu den weiteren Bewerbern gehören auch Kandidaten aus Katar, Saudi-Arabien, Botsuana und Europa.
Finanzmärkte werden durch die Wahl zur WHO-Spitze nicht direkt beeinflusst. Die globale Gesundheitspolitik und multilaterale Zusammenarbeit könnten sich jedoch längerfristig deutlich verändern.
Gewinnspiel
Aus welchem Land stammt die WHO-Kandidatin Song Li?
A) China
B) Indonesien
C) Botsuana
D) Spanien
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.