Fakten im Überblick
Finn Sonnekalb droht wegen des Streits um Erfurt mit Abwanderung ins Ausland.
Die DESG lehnte eine Zusatzvereinbarung zur Sicherung des Standorts ab.
16 Sportler haben die neue Athletenvereinbarung bisher nicht unterschrieben.
Im deutschen Eisschnelllauf spitzt sich der Streit um den Bundesstützpunkt Erfurt weiter zu. Das 19-jährige Talent Finn Sonnekalb droht inzwischen ganz konkret mit einem Wechsel ins Ausland. Gegenüber der ARD-Sportschau erklärt er: "Ich habe Angebote aus den USA und Holland. Ich habe Gespräche gehabt, ich bin im Austausch". Weiter sagt er: "Es gibt Leute, die wollen mich haben, und wenn die mich hier nicht haben wollen, dann kann ich's nicht ändern."
Hintergrund der Eskalation sind anhaltende Differenzen rund um die Zukunft des Stützpunkts Erfurt und die neue Athletenvereinbarung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG). Mehrere Sportler hatten auf eine Zusatzvereinbarung gedrängt, die den Standort langfristig absichern sollte. Doch die DESG lehnte das ab und gab den betroffenen Athletinnen und Athleten erneut eine Frist für eine Unterschrift – mit Nachteilen beim Kaderstatus und der Förderung bei Weigerung. Viele der Erfurter Sportler lehnen einen Wechsel an andere Stützpunkte wie Inzell oder Berlin ab.
Sonnekalb spricht offen aus, was die Situation für ihn bedeutet: "Ich fühle mich unter Druck gesetzt, möchte deswegen diese Athletenvereinbarung nicht unterschreiben und auch nicht unter Druck meine Heimatstadt verlassen". Er zieht daraus für sich eine Konsequenz: "Dann bin ich halt raus, dann sollen sie es ohne mich machen." Was er selbst in Betracht ziehe, sei freiwillig: "Was ich hier in Betracht ziehe, ist freiwillig."
Wie die ARD berichtet, haben bis Donnerstag 16 betroffene Athleten die Vereinbarung der DESG noch nicht unterzeichnet. Außerdem berichtete sie von einer als kurios empfundenen "Unterstützungserklärung" für Matthias Große, die den Sportlern zur Unterschrift vorgelegt worden sei. Darin steht unter anderem: "Aus meiner Erfahrung mit früheren Führungen der DESG bin ich überzeugt, dass weder meine persönlichen Erfolge noch die deutlich positive Leistungsentwicklung im deutschen Eisschnelllauf ohne Matthias Große möglich gewesen wären". Athletenvertreter Adrian Kaiser forderte alle Sportler auf, das Schreiben nicht zu unterschreiben. Die DESG kommentierte gegenüber der ARD nicht, während der Thüringer Eis- und Rollsportverband die Ablösung von Große fordert.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wohin führt der Machtkampf im deutschen Eisschnelllauf
Der Streit um den Stützpunkt Erfurt enttarnt Probleme im System des deutschen Eisschnelllaufs. Die junge Generation will Sicherheitsgarantien, anstatt zwischen Orten hin und hergeschoben zu werden. Finn Sonnekalb und seine Mitstreiter riskieren mit ihrem Vorgehen viel, setzen aber ein klares Zeichen für mehr Mitbestimmung und gegen wachsenden Verbandsdruck. Abwanderung von Talenten wie Sonnekalb wäre ein schwerer Verlust und zeigt, wie existenziell gut geführte und gesicherte Standorte sind. Die Methode, Sportler mit Fristen zu verunsichern und Unterstützungserklärungen einzufordern, beschädigt das ohnehin angekratzte Vertrauen zusätzlich. Hält der Verband an seinem Kurs fest, könnten weitere Streits in vergleichbaren Sportarten folgen. Prognose: Die Zukunft des Standorts und des Verbandes hängt davon ab, wie ernsthaft beidseitiges Gespräch und Kompromissbereitschaft gesucht werden.
Historischer Hintergrund
Der Bundesstützpunkt Erfurt ist seit Jahrzehnten ein Kernbestandteil für den deutschen Eisschnelllauf-Nachwuchs. Immer wieder gab es Diskussionen über die Finanzierung und Absicherung. Aktuell prägt die neue Athletenvereinbarung der DESG den Konflikt, da sie keinen expliziten Schutz für den Standort Erfurt vorsieht. Mehrere Versuche, die Bedingungen zugunsten der Athleten mit Zusatzvereinbarungen zu ergänzen, verliefen bislang erfolglos und führten zu wachsender Unzufriedenheit.
Zukunftsprognose
Wird am Kurs der DESG festgehalten, droht dem Standort Erfurt das Ausbluten an Talenten wie Finn Sonnekalb. Kurzfristig könnte dies sowohl die Trainingsqualität als auch den sportlichen Erfolg des deutschen Eisschnelllaufs beeinträchtigen. Langfristig stehen die bundesweite Nachwuchsförderung und möglicherweise sogar die Struktur der Trainingszentren insgesamt zur Disposition. Ein Abwandern ins Ausland hätte Signalwirkung für andere Spitzensportarten. Als Möglichkeit bleibt, dass ein Umdenken im Verband noch eine Lösung bringt.
Erklärungen
Wer ist Finn Sonnekalb?
Finn Sonnekalb ist ein 19-jähriges deutsches Eisschnelllauf-Talent. Er trainiert am Bundesstützpunkt Erfurt und gilt als eine der großen deutschen Nachwuchshoffnungen.
Was ist die DESG?
Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) ist der nationale Spitzenverband für die Sportarten Eisschnelllauf und Shorttrack in Deutschland.
Was ist eine Athletenvereinbarung?
Athletenvereinbarungen regeln die Rechte und Pflichten von Athletinnen und Athleten, insbesondere zu Kaderstatus, Trainingsbedingungen und Förderung.
OZD-Extras
Die "Unterstützungserklärung" für Matthias Große wurde laut ARD als ungewöhnlich empfunden und von Athletenvertreter Adrian Kaiser zur Nicht-Unterzeichnung empfohlen.
Der noch ungeklärte Streit um Erfurt und die Reaktion darauf könnte Einfluss auf weitere Bundesstützpunkte und die Förderpraxis im deutschen Spitzensport nehmen. Auswirkungen auf Aktien, Börsen oder Währungen ergeben sich aus dem Thema nicht.
Gewinnspiel
In welche Länder könnte Finn Sonnekalb laut eigenen Angaben wechseln?
A) USA
B) Italien
C) Niederlande
D) Frankreich
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.