Fakten im Überblick
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) besucht Wladimir Putin an dessen Geburtstag in Moskau.
Politiker verschiedener Parteien und der ukrainische Botschafter zeigen sich empört über das Treffen.
Das Auswärtige Amt, die deutsche Botschaft und das Innenministerium wussten vorab nichts vom Besuch.
Mit seinem Besuch bei Kremlchef Wladimir Putin hat Altkanzler Gerhard Schröder einen Sturm der Empörung in Deutschland ausgelöst. Die Tatsache, dass Schröder den russischen Präsidenten ausgerechnet an dessen 74. Geburtstag in Moskau besuchte, sorgt über Parteigrenzen hinweg für heftige Kritik. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich angesichts des Treffens, das in Putins Haus stattfand, „zutiefst empört“, wie Regierungssprecher Steffen Meyer mitteilte. Merz ließ betonen, „Putin allein“ sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich, dessen Befehle „unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete“ bringe. Vor diesem Hintergrund empfinde er es „als geradezu unmoralisch“, wenn Schröder gemeinsam mit Putin feiere.
Die Entrüstung reichte dabei weit über die Regierung hinaus. Vizekanzler Lars Klingbeil bezeichnete den Besuch als „völlig inakzeptabel“ und betonte, „Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht“. Besonders emotional reagierte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev. Er erinnerte daran, dass Schröder Putin „so herzlich umarmt“ habe, „an dem fünf Kinder in Pryluky durch eine russische Rakete in ihrem eigenen Zuhause getötet wurden“. Makeiev beklagte, diese Kinder würden nie wieder Geburtstag feiern können. Der Botschafter sagte, „Tiefer kann man kaum sinken“, wenn man ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt zum russischen Präsidenten reise.
Zusätzliche Brisanz erhält das Treffen dadurch, dass weder das Auswärtige Amt, die deutsche Botschaft noch das Bundesinnenministerium im Vorfeld über Schröders Reise informiert waren. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannten das Verhalten Schröders eine „Schande“. Die CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann schrieb in sozialen Netzwerken von „Scham ist kaum noch ein Ausdruck“ und kommentierte das Treffen mit „Schampus, Kaviar und Bomben“. Auch in der eigenen Partei löste Schröders Auftritt Unmut aus. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek warf ihm „politische und moralische Rückgratlosigkeit“ vor, Strack-Zimmermann sprach von „Deutschlands frechsten Rentner“, der „zu krank“ für Untersuchungsausschüsse, aber fit für „gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty“ sei.
Im Gegensatz dazu verteidigte SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner den Altkanzler. Er wies darauf hin, dass Schröder einer der wenigen in Deutschland sei, die noch Zugang zu Putin hätten. Stegner zeigte sich überzeugt: „Als Sozialdemokrat wird er Putin sagen, dass er den Krieg beenden soll“. Weiter sagte Stegner: „Wir müssen in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.“ Im Verlauf der vergangenen Woche hatten russische Medien zudem berichtet, der 82-jährige Schröder werde in den Aufsichtsrat der Supermarktkette Hyperglobus berufen, die einst Teil des deutschen Globus-Konzerns war. Über Schröders konkrete Pläne in Russland wurde offiziell jedoch nichts bekannt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Warum Schröders Putin-Treffen ein Signal mit fataler Wirkung ist
Der Auftritt von Altkanzler Schröder an der Seite von Wladimir Putin wirft einen langen Schatten auf Deutschlands politische Kultur. Wer mit dem russischen Präsidenten feiert, während in der Ukraine Zivilisten zu Opfern russischer Angriffe werden, sendet ein fatales Zeichen der Gleichgültigkeit und öffnet alte Wunden. Dass dieser Schritt nicht nur in der Parteienlandschaft, sondern vor allem bei den Betroffenen massive Empörung hervorruft, verwundert kaum. Schröders Rolle als Türöffner zu Putin mag aus realpolitischer Sicht einen Restwert besitzen, doch sein Auftritt wirkt angesichts der täglichen Kriegsverbrechen wie eine Provokation an alle, die auf Frieden und Gerechtigkeit hoffen. Eine ernsthafte Vermittlungsmission hätte andere Voraussetzungen verlangt. Wahrscheinlich wird dieses Treffen langfristig Schröders Reputation weiter beschädigen und das Vertrauen in deutsche Russlandpolitik weiter erodieren lassen.
Historischer Hintergrund
Gerhard Schröder pflegt seit seiner Zeit als deutscher Bundeskanzler intensive persönliche und geschäftliche Kontakte zu Wladimir Putin. Bereits früh geriet Schröder dafür in die Kritik, insbesondere nachdem er nach seiner Kanzlerschaft enge Verbindungen zu russischen Unternehmen und staatlichen Projekten eingegangen war. Mit Russlands Angriff auf die Ukraine verschärfte sich die Debatte in Deutschland. Institutionell ist vor allem die SPD durch die Russlandpolitik vergangener Jahre und Schröders Aktivitäten besonders betroffen. Die deutsch-russischen Beziehungen sind seit dem Krieg in der Ukraine angespannt, Besuche wie dieser stehen auch international unter besonderer Beobachtung.
Zukunftsprognose
Es ist zu erwarten, dass der politische Druck auf Gerhard Schröder in Deutschland weiter steigt und sich die Debatte über den Umgang mit Russland in der Öffentlichkeit zuspitzt. Die SPD dürfte intern um den richtigen Umgang mit dem früheren Kanzler und seiner Russland-Politik ringen. International betrachtet wird Schröders Auftritt vermutlich erneut Zweifel am außenpolitischen Kurs Deutschlands in der Russlandfrage hervorrufen. Für die Menschen in der Ukraine bleibt der Umgang westlicher Politiker mit Putin ein sensibles Thema, das die Beziehungen zu Deutschland weiter belasten könnte. Wirtschaftlich zeichnen sich für deutsche Firmen mit Russland-Verbindungen zusätzliche Reputationsrisiken ab, sollten prominente Ex-Politiker wie Schröder weiter öffentlich mit dem Kreml kooperieren.
Erklärungen
Wer ist Gerhard Schröder?
Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und ist Mitglied der SPD. Nach seiner politischen Karriere engagierte er sich bei mehreren großen Energie- und Infrastrukturprojekten in Russland.
Was ist Hyperglobus?
Hyperglobus ist eine russische Supermarktkette, die zuvor Teil des deutschen Globus-Konzerns war. Schröder wurde laut russischen Medienberichten in den Aufsichtsrat berufen.
Was ist an Schröders Besuch problematisch?
Die Kritik entzündet sich daran, dass Schröder ausgerechnet während des laufenden Kriegs in der Ukraine an Putins Geburtstag in Moskau war. Viele empfinden dies als unmoralisches und politisch insensibles Signal.
OZD-Extras
Die Berufung Schröders in den Aufsichtsrat von Hyperglobus zeigt, wie eng seine geschäftlichen Verbindungen nach Russland weiterhin sind. Dies dürfte den Druck auf den ehemaligen Kanzler und die SPD weiter erhöhen.
Auf die deutschen Börsen und Unternehmen wird Schröders Besuch vermutlich keine kurzfristigen direkten Auswirkungen haben, das Vertrauen ausländischer Investoren in die politische Stabilität und Integrität könnte aber langfristig beeinflusst werden.
Gewinnspiel
Wie alt wurde Wladimir Putin bei Schröders Besuch in Moskau?
A) 72 Jahre
B) 74 Jahre
C) 76 Jahre
D) 78 Jahre
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.