Fakten im Überblick
Ein Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert die Provinz Herrera in Panama.
Staatschef Mulino spricht von einer großen Katastrophe mit schweren Schäden.
Nachbeben, Panik in Panama-Stadt und zeitweise Tsunami-Warnung verunsichern die Bevölkerung.
Ein heftiges Erdbeben der Stärke 7,7 hat Panama erschüttert und besonders in der zentralen Provinz Herrera schwere Schäden angerichtet. Präsident José Raúl Mulino sprach am Freitag von einer "großen Katastrophe" und schilderte, dass ganze Straßenzüge "komplett eingestürzt" seien. Opfer wurden zunächst nicht gemeldet, doch das Ausmaß der Verwüstung versetzte Einwohner in Angst und Panik. "Die Katastrophe, mit der wir uns konfrontiert sehen, ist groß", erklärte Präsident Mulino. Besonders betroffen waren laut Gesundheitsminister Fernando Boyd die Provinzen Herrera, Coclé sowie Los Santos. Tonosí in Los Santos sei von der Außenwelt abgeschnitten, was der Minister so kommentierte: "Wir versuchen zu klären, wie wir auf dem Luftweg dorthin kommen, denn auf dem Landweg ist es unmöglich". In Penonomé koordinierte der Staatschef den Katastropheneinsatz persönlich.
Die Auswirkungen des Bebens waren bis in die rund 200 Kilometer entfernte Hauptstadt Panama-Stadt spürbar und versetzten viele Einwohner mit ihren Wolkenkratzern in Panik. In den sozialen Netzwerken kursierten Videos, wie etwa von einem Dachpool, dessen Wasser schwappte, und einer Brücke über den Panama-Kanal, die heftig wackelte. Die Kassiererin Juana Alveo aus Penonomé sagte, "Es war schrecklich, so was haben wir noch nie erlebt". Der 46-jährige Salomón Andión aus Panama-Stadt schilderte, die Erschütterungen seien "sehr stark" gewesen und hätten sogar schwere Möbel verschoben. Präsident Mulino forderte auf dem Onlinedienst X die Bevölkerung zur Besonnenheit auf: "Was passiert ist, sollte nicht genutzt werden, um Alarm und Chaos auszulösen".
Laut der US-Erdbebenwarte ereignete sich das Beben zehn Kilometer von der Kleinstadt Pitaloza Arriba entfernt, gefolgt von mehr als einem Dutzend Nachbeben, eines davon mit Stärke über 6,0. Für den östlichen Pazifik gab es eine Tsunami-Warnung, die später aufgehoben wurde. Der Schiffsverkehr durch den Panama-Kanal blieb nach Angaben der zuständigen Behörde "normal". Der internationale Flughafen von Panama-Stadt wurde vorübergehend geschlossen und einige Flüge vorsichtshalber umgeleitet. Das Bildungsministerium setzte landesweit den Unterricht aus.
Unterdessen bekundeten die Regierungen von Kolumbien, Ecuador und Guatemala ihre Solidarität und boten Hilfe an. Das Auswärtige Amt in Berlin warnte Deutsche in Panama vor Nachbeben und riet, eine Notfalltasche zu packen sowie unsichere Gebäude zu meiden. Beben dieser Stärke sind in Panama selten und treffen gewöhnlich eher die weiter westlich gelegene Provinz Chiriquí, nahe Costa Rica. In diesem Jahr erschütterten bereits mehrere Beben mit über sieben auf der Richterskala Lateinamerika. Für Panama bringt dieses Ereignis Unsicherheit, Verunsicherung und große Herausforderungen für den Katastrophenschutz.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Katastrophe als Warnsignal für Panama
Das schwere Erdbeben in Panama ist ein deutliches Warnsignal für das Land und die gesamte Region. Die Angst und die Schäden verdeutlichen, wie wenig vorbereitet viele Gebiete auf solch extreme Naturereignisse sind. Präsident Mulino und die Regierung reagierten rasch, doch die mangelnde Erreichbarkeit betroffener Orte zeigt, dass es große Schwächen im Katastrophenschutz gibt. Die bewegenden Stimmen aus der Bevölkerung, wie die der Kassiererin Juana Alveo, sind Mahnung genug, den Schutz von Leben und Infrastruktur zu verbessern. Die internationalen Hilfsangebote bieten Hoffnung, dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass langfristig nur verbesserte Prävention und Planung helfen werden. Prognose: Die Katastrophe wird Panama zum Handeln zwingen und könnte auch angrenzende Staaten zu mehr Investitionen in die Sicherheit bewegen.
Historischer Hintergrund
Panama liegt auf dem Panama-Bogen zwischen den tektonischen Platten von Nord- und Südamerika. Das Land gilt als weniger erdbebengefährdet als seine westlichen Nachbarn, dennoch kommt es insbesondere in der Provinz Chiriquí nahe der Grenze zu Costa Rica immer wieder zu Beben. In diesem Jahr wurden Lateinamerika bereits mehrfach von Erdbeben mit einer Stärke über sieben erschüttert, unter anderem in Venezuela und Kolumbien. Der Panama-Kanal verbindet den Pazifik mit dem Atlantik und hat besondere wirtschaftliche und strategische Bedeutung.
Zukunftsprognose
Sollten weitere Nachbeben folgen, können neue Schäden und noch größere Unsicherheit nicht ausgeschlossen werden, vor allem in Herrera, Coclé und Los Santos. Die Politik wird sich stärker auf Krisenbewältigung und Prävention konzentrieren müssen. National und international dürfte das Erdbeben die Aufmerksamkeit für Katastrophenschutz, Bausicherheit und Katastrophenmanagement schärfen. Wirtschaftlich sind kurzfristige Einbußen zu erwarten, während der Panama-Kanal wie angekündigt weiterhin funktionieren dürfte. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarländer deutet auf eine stärkere regionale Zusammenarbeit hin.
Erklärungen
Was bedeutet Erdbeben der Stärke 7,7?
Ein Erdbeben der Stärke 7,7 wird nach internationalen Standards als schwer eingestuft. Solche Erdstöße verursachen typischerweise große Schäden an Gebäuden, Brücken und Straßen, besonders bei geringer Tiefe und nahe besiedelten Gebieten. Die Richterskala misst die bei einem Erdbeben freigesetzte Energie.
Was ist die Provinz Herrera?
Herrera ist eine Provinz im südlichen Zentrum Panamas. Sie ist landwirtschaftlich geprägt und ihre Hauptstadt ist Chitré. Die Kleinstadt Pitaloza Arriba war nahe am Epizentrum des aktuellen Erdbebens.
OZD-Extras
Der Schiffsverkehr durch den international bedeutenden Panama-Kanal blieb nach Angaben der Behörde von dem Erdbeben unbeeinträchtigt und wird weiterhin als "normal" gemeldet. Der internationale Flughafen und Schulen waren hingegen zeitweise geschlossen. Die Börsen Lateinamerikas könnten vorübergehend mit Unsicherheiten reagieren, allerdings sind bisher keine massiven wirtschaftlichen Folgen für Aktienmärkte oder Währungen direkt aus Panama bekannt.
Gewinnspiel
Wie stark war das Erdbeben, das Panama erschütterte?
A) 7,7 auf der Richterskala
B) 6,2 auf der Richterskala
C) 5,5 auf der Richterskala
D) 8,1 auf der Richterskala
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.