Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Smart Glasses bereiten EU Datenschützern große Sorgen

Die EU-Datenschutzbehörde warnt vor heimlichen Film- und Tonaufnahmen mit Smart Glasses und sieht den Schutz der Privatsphäre in Gefahr.

Fakten im Überblick

Die EU-Datenschutzbehörde äußert ernste Bedenken wegen Smart Glasses.

Nutzer sollen Umstehende klar über Film- oder Tonaufnahmen informieren.

Hersteller könnten Brillen mit KI, Gesichts- und Stimmerkennung ausstatten.

Die EU-Datenschutzbehörde blickt mit Sorge auf die rasante Verbreitung von Smart Glasses. EDPB-Chefin Anu Talus sprach am Dienstag von „ernsthafte Privatsphären- und Datenschutzbedenken“. Sie erklärt weiter, diese Geräte würden „wie gewöhnliche Brillen aussehen, aber Kameras und Mikrofone haben und mit dem Internet verbunden“ sein. Laut Talus müsse es eine „klare Warnung“ an andere geben, wenn Nutzer mit Smart Glasses ihre Umgebung aufnehmen. Sie betont: „Selbst in der Öffentlichkeit sollte für Umstehende klar erkennbar sein, dass jemand sie filmt oder fotografiert“. Konkret schlägt die Behörde als Maßnahmen blinkende Lichter an den Brillen, akustische Warnsignale oder Benachrichtigungen an Smartphones in der Nähe vor.

Die Datenschutzgrundverordnung der EU sieht vor, dass alle Menschen informiert werden oder sogar einwilligen müssen, bevor ihre persönlichen Daten verarbeitet werden. Außerdem stehe jedem das Recht zu, zu widersprechen. Die Einhaltung dieser Regeln sei laut der Behörde mit Blick auf Smart Glasses eine „große Herausforderung“. Darüber hinaus warnen die Datenschützer, dass Brillen künftig mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet werden könnten, die Gesichts- und Stimmerkennung ermöglicht. Für die Gesellschaft seien das „nie dagewesene Fragen“ mit Blick auf die Freiheit in der Öffentlichkeit. Die Befürchtung lautet, dass Menschen ihr Verhalten ändern, wenn sie ständig mit heimlichen Aufnahmen rechnen müssen.

Mehrere Hersteller bieten bereits smarte Brillen an, darunter Technologiekonzerne wie Meta oder Google. Die Geräte ermöglichen neben Fotos, Videos und Tonaufnahmen vielfach auch Livestreams. Ein Modell von Meta und Ray-Ban wurde 2025 sieben Millionen Mal verkauft. Meta verweist auf eine eingebaute LED-Leuchte, die beim Filmen blinkt und sich nicht abschalten lässt. Kritiker entgegnen laut Quelle, die Lampe lasse sich einfach abkleben und im Internet seien zahlreiche Abdeckungen erhältlich.

In mehreren Ländern gibt es Probleme mit heimlichen Aufnahmen, insbesondere von Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum. Die norwegische Regierung hat angekündigt, Smart Glasses künftig an bestimmten Orten zu verbieten – etwa in Parks, Stränden, Museen, Einkaufszentren, Schulen, Kindertagesstätten, Gesundheitseinrichtungen, Fitnessstudios und bei öffentlichen Veranstaltungen. In den EU-Staaten sind die jeweiligen nationalen Behörden für die Durchsetzung der Regeln zuständig, in Deutschland ist dies die Bundesnetzagentur. Die Warnung der europäischen Behörde ist nicht bindend, könnte aber zu neuen Regeln führen, falls es vielen Verstößen kommt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Technik prescht vor, Gesetzgeber hinkt hinterher

Die Warnung der EU-Datenschutzbehörde kommt nicht überraschend, sie ist bitter nötig. Während Technikunternehmen unaufhaltsam die Möglichkeiten von Smart Glasses in den Alltag bringen, fehlt es an verlässlichen Schranken für die Privatsphäre. Die Sorge, dass ein blinkendes Licht an der Brille keine echte Schutzwirkung entfaltet, ist berechtigt. Es genügt nicht, Risiken allein technisch adressieren zu wollen. Blinder Fortschrittsglaube trägt zu einer Atmosphäre ständiger Überwachung bei. Umfangreiche Regeln und deren Durchsetzung sind dringend nötig, damit Freiheit und Verantwortung im Gleichgewicht bleiben. Es ist zu erwarten, dass die EU-Kommission bei anhaltenden Verstößen konkrete gesetzliche Schritte einleiten wird.

Historischer Hintergrund

Mit der EU-Datenschutzgrundverordnung wurde 2018 europaweit ein Standard für den Schutz persönlicher Daten gesetzt. Die fortschreitende Digitalisierung, insbesondere die schnelle Verbreitung neuer Technologien wie Smart Glasses, stellt bestehende Regeln und Behörden immer wieder vor neue Herausforderungen. Die Zusammenarbeit von Brillenherstellern und großen Tech-Unternehmen wie Meta oder Google beschleunigt diese Entwicklung. Nationale und europäische Behörden debattieren seit Einführung der ersten Smart Glasses regelmäßig die Notwendigkeit neuer Vorschriften.

Zukunftsprognose

Sollte die Verbreitung von Smart Glasses weiter zunehmen, ist mit einer europaweiten Verschärfung der Datenschutzregeln zu rechnen. Es ist möglich, dass bestimmte Nutzungsbereiche eingeschränkt werden und aktive Warnmechanismen Pflicht werden. Gesellschaftlich könnte das Gefühl ständiger Beobachtung das Verhalten im öffentlichen Raum verändern. Auch international dürften weitere Staaten nach norwegischem Vorbild reagieren, womit neue globale Standards denkbar werden.

Erklärungen

Was sind Smart Glasses

Smart Glasses sind Brillen mit eingebauten Kameras und Mikrofonen. Sie können Fotos, Videos und Ton aufnehmen und sind oft mit dem Internet verbunden.

Was ist die DSGVO

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) regelt seit 2018 den Umgang mit personenbezogenen Daten in der Europäischen Union und schützt Grundrechte jedes Einzelnen.

OZD-Extras

Der Verkaufserfolg der Meta-Ray-Ban-Brille mit sieben Millionen Stück verdeutlicht die wirtschaftlichen Interessen großer Technologiekonzerne. Sollten neue Vorschriften kommen, könnten sie kurzfristig Einfluss auf Aktienkurse der Tech-Unternehmen haben, längerfristig dürften die Firmen ihre Produkte aber anpassen.

Gewinnspiel

Welche Behörde überwacht in Deutschland Datenschutzregeln bei Smart Glasses?

A) Bundesnetzagentur

B) Bundeskriminalamt

C) Bundeskartellamt

D) Bundesamt für Verfassungsschutz

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.