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Schaltsekunde wird Geschichte Atomzeit übernimmt Führung

Die Schaltsekunde verschwindet aus der Zeitmessung. Die Atomzeit setzt sich durch. Experten versprechen Stabilität für IT und Wissenschaft.

Fakten im Überblick

Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht hat die Abschaffung der Schaltsekunde beschlossen.

Kleine Zeitunterschiede zwischen astronomischer Zeit und Atomuhren werden künftig nicht mehr ausgeglichen.

Zuletzt wurde die Schaltsekunde zum Jahreswechsel 2016/2017 eingeführt.

Die internationale Zeitmessung steht vor einer bedeutenden Veränderung. Die zuständige Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat im französischen Versailles die Abschaffung der Schaltsekunde beschlossen. Grund dafür ist die unterschiedliche Genauigkeit von Atomuhren und der unregelmäßigen Umdrehung der Erde. Bislang wurde die Differenz zwischen astronomischer Zeit und der exakten Atomzeit durch gelegentliche Einschübe einer sogenannten Schaltsekunde ausgeglichen. Doch diese Praxis gehört künftig der Vergangenheit an. Die Atomzeit, deren Sekunde auf 9.192.631.770 Schwingungen eines Mikrowellensignals von Cäsiumatomen basiert, gibt nun uneingeschränkt den Takt vor, denn Atomuhren "ticken" gleichmäßiger als sich unser Planet dreht.

Nach dem Beschluss sollen Sekunden-Unterschiede zwischen astronomischer und Atomzeit erst dann ausgeglichen werden, wenn die Abweichung eine volle Stunde erreicht. Der zuständige Experte Noël Dimarcq unterstrich auf der Konferenz, dass es jedoch "viele Jahrhunderte dauern" werde, bis ein solcher Unterschied zusammenkommt. Das neue Vorgehen nimmt Rücksicht auf moderne IT-Systeme, deren empfindliche Abläufe durch die plötzlichen "Sekunde extra"-Anpassungen bisher gestört werden konnten. Seit 1972 wurde die Schaltsekunde insgesamt 27-mal "eingepreist" – zuletzt zum Jahreswechsel 2016/2017. Im kommenden Mai tritt die neue Regelung in Kraft.

Die Ursache für die Schwankungen zwischen astronomischer Zeit und Atomzeit sind vielfältig. Die Anziehungskräfte zwischen Erde, Mond und Sonne beeinflussen die Geschwindigkeit, mit der sich die Erde dreht und Ebbe und Flut hervorrufen. Zudem "eiert" die Erde geringfügig in ihrer Rotation, so dass die Rotationsperiode nicht konstant bleibt. Im Gegensatz dazu ermöglicht die Atomzeit eine weltweit einheitliche und präzise Zeiteinteilung ohne jene Schwankungen, die durch die Dynamik des Planeten entstehen. Damit endet das Zeitalter der Schaltsekunde und mit ihr ein Stück bisher gelebte Zeitphilosophie.

Mit dieser Entscheidung setzen Fachgremien auf Verlässlichkeit, Stabilität und technische Sicherheit für globale IT-Systeme. Für viele Unternehmen und Institutionen ist die Abschaffung der Schaltsekunde eine Erleichterung und ein wichtiger Schritt in Richtung einfacherer technischer Abläufe.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Eine Zeitenwende für Wissenschaft und Technik

Die Abschaffung der Schaltsekunde durch die Generalkonferenz für Maß und Gewicht markiert mehr als nur eine technische Anpassung – sie bedeutet einen echten Wandel für Wissenschaft, IT und unser tägliches Leben. Die wiederkehrende "Sekunde extra" war für viele zum Symbol der irdischen Unvollkommenheit geworden. Doch in einer digitalisierten Welt, in der Präzision für Netze, Software und Kommunikation immer wichtiger geworden ist, wurde sie zunehmend zum Problemfall. Ein kleiner Zeitimpuls, der Milliarden Geräte synchron beeinflussen kann, zeigt, wie eng unser Leben mit technischen Standards verflochten ist. Der Schritt, fortan auf die Atomzeit zu vertrauen und irdische Ungenauigkeiten auszuklammern, wirkt wie eine Befreiung für Entwickler, Betreiber und Anwender sensibler Systeme. Das Bekenntnis zur Atomzeit verleiht Planung und Langfristigkeit neue Berechenbarkeit. Es ist zu erwarten, dass dieser Meilenstein den technologischen Fortschritt weiter beflügelt – und zeigt, wie sehr Mensch und Zeit im Zeitalter der Digitalisierung neu definiert werden. Die Bedeutung der Erdrotation für die offizielle Zeit wird schließlich eine zunehmend geringe Rolle spielen. Auf absehbare Zeit dürfte die Welt von plötzlichen zeittechnischen Störungen verschont bleiben.

Historischer Hintergrund

Die Einführung der Schaltsekunde geht auf die frühen 1970er Jahre zurück, als Atomuhren die Grundlage für die offizielle Zeitmessung wurden. Die Differenzen zwischen der von der Erdrotation bestimmten astronomischen Zeit und der hochpräzisen Atomzeit traten erstmals mit wachsender technischer Genauigkeit deutlich zu Tage. Seit 1972 wurden Anpassungen durch die Schaltsekunde notwendig, um beide Systeme miteinander zu synchronisieren. Ursächlich waren die schwankende Rotationsdauer der Erde und die ständigen leichten Veränderungen, die natürliche Phänomene wie Gezeiten oder tektonische Aktivitäten mit sich bringen. Mit der einmaligen Definition der Sekunde durch Cäsiumatom-Schwingungen wurde ein einheitlicher, global akzeptierter Zeitstandard geschaffen.

Zukunftsprognose

Mit dem Wegfall der Schaltsekunde wird in Zukunft die Atomzeit uneingeschränkt gültig bleiben. Experten erwarten dadurch eine höhere Stabilität besonders für weltweite IT-Systeme, Telekommunikation und Finanzmärkte. Die Wahrscheinlichkeit technischer Störungen, ausgelöst durch spontane "Sekunde extra"-Anpassungen, dürfte signifikant sinken. Gesellschaftlich wird sich die Veränderung kaum bemerkbar machen, die Auswirkungen zeigen sich eher im Hintergrund der globalen Vernetzung und Datenbehandlung. Für Staaten mit erhöhter Sensibilität für Zeitprotokolle, etwa in Navigation oder Hochfrequenzhandel, bedeuten einheitliche Zeitstandards mehr Planungssicherheit – ein Vorteil im internationalen Wettbewerb. Da die Differenz zwischen Erdrotation und Atomzeit erst in Jahrhunderten eine Stunde erreichen wird, ist absehbar kein häufiger Anpassungsbedarf zu erwarten.

Erklärungen

Was ist eine Schaltsekunde?

Mit einer Schaltsekunde wird der offizielle Zeitstandard angepasst, um Zeitunterschiede zwischen der ungleichmäßigen Erdrotation (astronomische Zeit) und der präzisen Atomzeit auszugleichen. Diese wird als zusätzliche Sekunde am Ende eines Tages eingefügt.

Was ist die Atomzeit?

Die Atomzeit basiert auf dem extrem präzisen Schwingungsverhalten von Cäsium-Atomen und ist heute Grundlage der internationalen Zeitmessung. Eine Sekunde entspricht dabei exakt 9.192.631.770 Schwingungen eines Mikrowellensignals eines Cäsiumatoms.

OZD-Extras

Der Einfluss der Schaltsekunde auf IT-Systeme war in der Vergangenheit erheblich. Unerwartete Einschübe führten gelegentlich zu Störungen bei Servern oder internationalen Börsenprozessen. Börsen und Banken rechnen in Zukunft mit weniger Problemen durch die neue Regelung. Bei Rohstoffen und Währungen sind Auswirkungen aber kaum spürbar zu erwarten. Die Entscheidung der CGPM hat internationale Bedeutung, da Zeitmessung weltweit nach einheitlichen Standards erfolgt.

Gewinnspiel

Wann wurde zuletzt eine Schaltsekunde eingefügt?

A) 2016/2017

B) 2012/2013

C) 2000/2001

D) 1998/1999

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.