Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

Parlament in Schweden stoppt Anderssons Regierungsambitionen

Magdalena Andersson scheitert trotz Wahlsieg an der Regierungsbildung. Das Parlament verweigert ihr deutlich das Amt der schwedischen Regierungschefin.

Fakten im Überblick

Magdalena Andersson erhält vom Parlament keine Mehrheit für das Amt der Regierungschefin.

Streit über Ministerposten blockiert das Mitte-links-Bündnis in Schweden.

Nach vier gescheiterten Vorschlägen zur Regierungsbildung drohen Neuwahlen.

Die politische Krise in Schweden spitzt sich zu. Einen Monat nach der Parlamentswahl bleibt das Land im politischen Stillstand: Am Donnerstag verweigerten die Abgeordneten der sozialdemokratischen Wahlsiegerin Magdalena Andersson das Amt der Regierungschefin. Für Andersson stimmten lediglich 99 Parlamentarier, während 248 gegen sie votierten. Das deutliche Scheitern war zuvor bereits erwartet worden, da Andersson eingeräumt hatte, dass die Gespräche zur Regierungsbildung unter den Parteien des angestrebten Mitte-Links-Blocks gescheitert waren.

Parlamentspräsident Andreas Norlen setzte die Abstimmung dennoch auf die Tagesordnung – ein Schritt, der als Versuch angesehen wurde, Bewegung in die festgefahrene Lage zu bringen. Doch auch dieser Anlauf endete für die 59-Jährige erfolglos. "Das war komplett zu erwarten", kommentierte Andersson nach der Entscheidung die gescheiterte Abstimmung.

Hintergrund ist ein anhaltender Streit im Mitte-links-Bündnis, bestehend aus Sozialdemokraten, Grünen, Linkspartei und Zentrumspartei. Die vier Parteien hatten die Wahl am 13. September knapp gewonnen und verfügen gemeinsam über 176 Sitze im Parlament. Allerdings blockiert ein Konflikt um Ministerposten eine Einigung: Die Linkspartei fordert Ministerämter als Bedingung für die Beteiligung an der Regierung, während die Zentrumspartei dies als "rote Linie" bezeichnet. Trotz bereits zwei Anläufen blieb eine Einigung aus. Derweil stehen dem konservativen Lager um den bisherigen Regierungschef Ulf Kristersson und den Schwedendemokraten 173 Sitze gegenüber.

Der Parlamentspräsident hat noch bis zu vier Möglichkeiten, Kandidatinnen oder Kandidaten zur Abstimmung vorzuschlagen. Scheitern alle vier Versuche, muss das Land eine Neuwahl abhalten. Somit droht Schweden ein längerer Zeitraum ohne handlungsfähige Regierung.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Schwedens politische Sackgasse fordert klare Entscheidungen

Schwedens Demokratie zeigt in diesen Tagen ihre verwundbaren Seiten. Das Wahlergebnis spiegelt die tiefe Zerrissenheit des Landes wider. Die Sozialdemokraten und ihre Partner können ihren Sieg nicht in politische Gestaltungsmacht ummünzen. Magdalena Andersson scheitert nicht an mangelnder Legitimation durch die Wähler, sondern an taktischen Grabenkämpfen innerhalb des Mitte-links-Bündnisses. Der offene Konflikt um Ministerposten, etwa wenn die Zentrumspartei diese Frage als "rote Linie" bezeichnet, scheint unüberwindbar. Der politische Stillstand droht, das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie zu beschädigen. Schwedens Parteien müssen jetzt über ihren Schatten springen und kompromissfähig sein. Gelingt das nicht, steht dem Land nicht nur eine Neuwahl, sondern womöglich eine Zeit der politischen Lähmung bevor. Die kommenden Wochen werden zur Bewährungsprobe, bei der alles offen bleibt.

Historischer Hintergrund

Die Parlamentswahl in Schweden fand am 13. September statt und endete mit einem knappen Sieg des Mitte-links-Blocks. Das Land hat ein parlamentarisches System, bei dem das Vertrauen des Reichstags für die Regierungsbildung zwingend ist. Auch in der Vergangenheit kam es nach knappen Wahlausgängen zu schwierigen Koalitionsverhandlungen. Besonders seit dem Erstarken der Schwedendemokraten ist die Regierungsbildung oftmals eine Herausforderung, da große Bündnisse erforderlich sind.

Zukunftsprognose

Sollten die Parteien keine Einigung erzielen, könnten politische Unsicherheiten und Verzögerungen bei wichtigen Entscheidungen anhalten. Wirtschaftlich dürfte Schweden stabil bleiben, auch wenn Unsicherheit an den Märkten wachsen kann. Gesellschaftlich droht ein Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit der Politik. International wird auf die Handlungsfähigkeit der schwedischen Regierung geschaut, auch hinsichtlich Schwedens Engagement in Europa. Sollte der vierte Anlauf zur Regierungsbildung scheitern, muss mit Neuwahlen gerechnet werden.

Erklärungen

Was ist der schwedische Reichstag?

Der schwedische Reichstag ist das nationale Parlament und besteht aus 349 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Er bestimmt unter anderem die Regierung des Landes.

Wer ist Magdalena Andersson?

Magdalena Andersson ist parteilose Sozialdemokratin, seit Jahren in der schwedischen Politik aktiv und gilt als erfahrene Finanzexpertin.

OZD-Extras

Ein Kuriosum der schwedischen Verfassung: Scheitern vier Vorschläge für das Amt des Regierungschefs im Parlament, muss zwangsläufig eine Neuwahl stattfinden – ein in Europa vergleichsweise seltenes Verfahren.

An den Börsen zeigte sich bislang keine extreme Reaktion auf den politischen Stillstand in Schweden. Die Aussicht auf Neuwahlen könnte in den kommenden Wochen aber für Unsicherheit sorgen.

Gewinnspiel

Wie viele Sitze verfügt der Mitte-links-Block im schwedischen Parlament?

A) 176

B) 162

C) 187

D) 200

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.