Fakten im Überblick
Unicredit hat von der EZB die Genehmigung zur Übernahme der Commerzbank erhalten.
Die Europäische Zentralbank ermöglicht Unicredit eine Beteiligung von über 30 Prozent an der Commerzbank.
Bis Ende des Jahres könnte Unicredit die Mehrheit der Stimmrechte und Kontrolle über die Commerzbank erlangen.
Die italienische Großbank Unicredit hat am Donnerstag mitgeteilt, dass sie von der Europäischen Zentralbank die Erlaubnis zur Übernahme der Commerzbank erhalten hat. Damit kann Unicredit ihre Beteiligung an dem traditionsreichen Frankfurter Geldinstitut zunächst auf mehr als 30 Prozent und anschließend ohne Obergrenze erhöhen. Dies ist ein bedeutender Schritt, nachdem die Übernahme bereits längere Zeit umstritten war. In ihrer Mitteilung sprach Unicredit von einem „wichtigen Meilenstein“ und betonte die positive Einschätzung der Transaktion durch die EZB. Die Commerzbank selbst wollte sich auf Nachfrage bisher nicht zu den Vorgängen äußern.
Unicredit kündigte an, im Laufe des Jahres weitere regulatorische Schritte einzuleiten. Gegen Ende des Jahres rechnet die Bank damit, „voraussichtlich über rund 50 Prozent der Stimmrechte bei der Commerzbank verfügen und könne die Kontrolle über die Bank übernehmen“. Die fortschreitende Übernahme hatte bereits für Debatten gesorgt: Die Commerzbank und auch die Bundesregierung hatten sich lange gegen einen solchen Schritt gewehrt, bevor in jüngster Zeit Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufgenommen wurden. Der Bund hält seit der Rettung der Bank in der Finanzkrise 2008 bis heute einen Anteil von 12,1 Prozent und will auch nach einer Übernahme als Aktionär sowie mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat präsent bleiben.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Interesse der Bundesregierung, strategische Interessen zu sichern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil machte bei einem Treffen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel deutlich, dass der Sitz in Frankfurt, das Mittelstandsgeschäft und die Rechte der Beschäftigten gesichert sein müssten. Mit der Übernahme könnte Unicredit die Commerzbank außerdem mit ihrer deutschen Tochter Hypovereinsbank zusammenlegen, die sie bereits 2005 übernommen hatte. Es gibt zudem Pläne, das internationale Geschäft der Commerzbank zu verkleinern und den Fokus stärker auf Deutschland zu legen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Unicredit setzt neue Maßstäbe am deutschen Bankenmarkt
Mit der Genehmigung der EZB beginnt eine neue Ära für den deutschen Bankenmarkt. Die Entscheidung, Unicredit zum Mehrheitsaktionär der Commerzbank zu machen, sorgt für Erwartungen und Unsicherheiten gleichermaßen. Einerseits bedeutet dies einen wichtigen Impuls zur Konsolidierung der Bankenlandschaft, die seit Jahren mit niedrigen Margen und sinkender Rentabilität kämpft. Andererseits stehen jetzt Tausende Beschäftigte im Mittelpunkt, deren Arbeitsplätze und Perspektiven von den weiteren strategischen Entscheidungen abhängen werden. Die Interessensbekundung der Bundesregierung, insbesondere der Schutz des Frankfurter Standorts und des Mittelstandsgeschäfts, sendet ein wichtiges Signal an die Beschäftigten, kann jedoch den Wandel nicht aufhalten. Sollte Unicredit ihre Ankündigungen umsetzen, wird der deutsche Bankenmarkt effizienter, aber wohl auch international vernetzter und schlanker werden. Das Potenzial für eine markante Umgestaltung und Neuaufstellung ist groß, die Zahl der Filialen und Beschäftigten aber könnte mittelfristig weiter sinken.
Historischer Hintergrund
Die staatliche Beteiligung an der Commerzbank geht auf die Finanzkrise 2008 zurück, als der Bund zur Rettung der Bank eingestiegen ist. Seitdem blieb der Bund mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Unicredit wiederum ist eine international tätige Großbank mit Sitz in Mailand, die bereits 2005 mit der Übernahme der Hypovereinsbank auf dem deutschen Markt Fuß gefasst hat. Die EZB ist als europäische Bankenaufsicht für die Genehmigung solcher Fusionen zuständig.
Zukunftsprognose
Die Übernahme könnte zu einer weiteren Konsolidierung auf dem deutschen Bankenmarkt führen. Es ist wahrscheinlich, dass Arbeitsplätze gekürzt werden und Teile des internationalen Geschäfts der Commerzbank verkauft oder zurückgefahren werden. Sollte die Bundesregierung wie angekündigt an ihren Aufsichtsratsplätzen festhalten, bleibt politischer Einfluss jedoch weiterhin bestehen. International könnten andere Banken dem Beispiel folgen und verstärkt nach Expansionsmöglichkeiten im europäischen Markt suchen.
Erklärungen
Was ist die EZB?
Die Europäische Zentralbank ist die zentrale Bankenaufsicht für den Euroraum und reguliert unter anderem große Bankübernahmen.
Was ist die Commerzbank?
Die Commerzbank ist eines der größten Geldhäuser Deutschlands und ein traditionsreiches Frankfurter Institut.
OZD-Extras
Unicredit hatte sich bereits knapp die Hälfte der Stimmrechte an der Commerzbank gesichert, bevor sie die endgültige Genehmigung zur Übernahme erhielt.
Der geplante Zusammenschluss von Commerzbank und Hypovereinsbank könnte die Struktur der deutschen Bankenlandschaft langfristig verändern.
Wirtschaftsanalysten sehen mögliche Auswirkungen auf Aktienkurse der beteiligten Banken und das Vertrauen in den deutschen Finanzsektor, wobei kurzfristige Marktschwankungen nach solchen Deals üblich sind.
Gewinnspiel
Wie hoch ist derzeit etwa der Bundesanteil an der Commerzbank?
A) Etwa 12,1 Prozent
B) Über 50 Prozent
C) Rund 35 Prozent
D) Weniger als 5 Prozent
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.