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Frühstartrente startet Die Politik setzt auf frühe Vorsorge

Der Bundestag beschließt die Frühstartrente Kinder erhalten ab sechs Jahren staatliche Unterstützung für die Altersvorsorge Das sorgt für Streit

Fakten im Überblick

Die Frühstartrente wurde vom Bundestag mit Stimmen der Koalition beschlossen.

Ab Jahrgang 2020 erhalten Kinder ab sechs Jahren zehn Euro monatlich staatlich gefördert.

Eltern können das Depot durch freiwillige Einzahlungen erheblich aufstocken.

Mit großer Mehrheit hat der Bundestag am Freitag den Weg für die Frühstartrente geebnet. Das neue Modell führt ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren ein, mit dem Ziel, schon früh finanzielle Rücklagen für das Alter zu schaffen. Im Zentrum steht das Versprechen, Heranwachsenden ein „Startkapital für die eigene Altersvorsorge“ zu sichern, wie es Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betont. Der Staat zahlt monatlich zehn Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Depot ein. Eltern und Großeltern können bis zu 6840 Euro jährlich zusätzlich einsparen. Falls die Eltern nicht aktiv werden, verwaltet der Staat das Geld in einem Sondervermögen, das breit am Kapitalmarkt investiert wird.

Die Regelung greift für Geburtsjahrgänge ab 2020 rückwirkend ab dem 1. Januar 2026. Jedes Jahr kommt der Jahrgang der jeweils Sechsjährigen hinzu. Für ältere Kinder und Jugendliche unter 18 können zwar Verträge abgeschlossen werden, jedoch ohne staatliche Unterstützung. Bis zum 25. Lebensjahr kann das angesparte Geld in einen eigenen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen werden, danach kann das Depot eigenständig weitergeführt werden. Ziele sind neben der Absicherung vor Armut im Alter auch eine bessere finanzielle Bildung. „Alle Kinder lernen künftig schon viel früher etwas darüber, wie sie für ihre eigene Zukunft sparen können.“

Die Koalitionsfraktionen, Union und SPD, werben für die Initiative. Michael Thews von der SPD hebt hervor, dass auch Kinder ohne elterlich abgeschlossenen Vertrag profitieren. Carsten Brodesser von der CDU sieht es als „vielleicht wichtigste Botschaft“, dass „kein junger Erwachsener mehr ins Erwerbsleben eintritt, ohne eine zusätzliche Altersvorsorge zu haben“. Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Dieser sieht einen „starken Rückhalt für den frühen Einstieg in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge“ gegeben.

Doch Kritik lässt nicht auf sich warten. Die Grünen und Linken bemängeln, dass das Modell soziale Ungleichheiten verstärken könnte, weil nur Eltern mit höheren Einkommen größere Summen einzahlen können. Isabelle Vandre von den Linken rechnet vor, dass Kinder, deren Familien den Maximalbetrag einzahlen können, nach zwölf Jahren rund 83.520 Euro ansparen, während andere nur 1440 Euro hätten. Der Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt spricht von sozialer Spaltung und meint, es sei „genauso absurd, als würden wir Süßigkeitenhersteller beauftragen, Kinder über gesunde Ernährung zu informieren“. Auch der Nutzen für die finanzielle Bildung wird bezweifelt: Der Begriff „Finanzlobbyismus in der Finanzbildung“ steht im Raum. Die AfD sieht im neuen Depot keine Lösung für generelle Wissenslücken und kritisiert „keine vernünftige Finanzbildung“ sowie mehr Bürokratie.

Verbraucherschützer warnen, dass Kinder ohne eigenes Depot „über Jahre außen vor“ bleiben und „kaum etwas über Geldanlage lernen“. Zudem kritisieren sie, der Gesetzgeber überlasse „den kritischen Übergang aus der kollektiven Anlage in Produkte der privaten Altersvorsorge komplett dem Markt und Vertrieb“. Die Debatte um die Frühstartrente macht einmal mehr deutlich, wie umstritten neue Wege der Altersvorsorge in Deutschland sind.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Vorstoß mit Risiko für mehr soziale Kluft

Die Idee, Kinder frühzeitig an private Altersvorsorge heranzuführen, ist mutig und geht sicherlich neue Wege. So kann eine Basis für finanzielle Eigenverantwortung und den Schutz vor Altersarmut entstehen. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass das Modell der Frühstartrente vor allem die Familien belohnt, die ohnehin schon in der Lage sind, ihren Kindern große Summen zur Verfügung zu stellen. Dass ein Unterschied von mehr als 80.000 Euro zwischen zwei Jugendlichen allein durch die elterlichen Möglichkeiten entstehen kann, macht den Gerechtigkeitsdiskurs brandaktuell. Gute Absichten stehen so in Konkurrenz zu empirisch belegten Risiken wachsender sozialer Ungleichheit. Während die Stärkung der finanziellen Bildung begrüßenswert ist, drohen ausgerechnet jene Kinder abgehängt zu werden, die dringend mehr Unterstützung bräuchten. Wenn die Politik nicht nachbessert, könnte die Frühstartrente letztlich mehr Spaltung als Sicherheit schaffen.

Die weitere Entwicklung dürfte stark davon abhängen, ob in der Umsetzungsphase noch gezielt Schwachstellen korrigiert werden. Andernfalls ist mit einer kontroversen gesellschaftlichen Bilanz zu rechnen.

Historischer Hintergrund

Die Diskussion um die private Absicherung im Alter hat in Deutschland eine lange Tradition und ist angesichts demografischer Veränderungen wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Klassische gesetzliche Modelle stoßen zunehmend an ihre Grenzen, weshalb die Politik seit Jahren nach ergänzenden Lösungen sucht. Das Thema finanzielle Bildung für junge Menschen ist seit Langem Teil bildungspolitischer Debatten und wurde jetzt mit der Frühstartrente institutionell gebündelt. Das neue Gesetz ist eine Reaktion auf die Sorge um Rentenniveau und Altersarmut in einer immer älter werdenden Gesellschaft.

Zukunftsprognose

Die Frühstartrente könnte zu Generationen mit besserer finanzieller Absicherung im Alter führen, wenn Eltern in großem Stil einzahlen. Politisch könnte sich die Diskussion um Chancengleichheit weiter zuspitzen, sollten sich große finanzielle Unterschiede zwischen den Nutzern zeigen. Wirtschaftlich profitieren Anbieter privater Altersvorsorge und der Kapitalmarkt von vermehrten Einzahlungen. Gesellschaftlich besteht die Möglichkeit, dass sich der Zugang zu finanzieller Bildung zukünftig weiter differenziert. International könnten ähnliche Modelle in Europa zum Vorbild oder zur Diskussion werden, sofern sich Erfolg oder Misserfolg abzeichnet. Die genaue Wirkung bleibt aber vorerst offen.

Erklärungen

Was ist die Frühstartrente?

Die Frühstartrente ist ein vom Bundestag beschlossenes neues Modell der staatlich geförderten Altersvorsorge. Kinder sollen durch ein eigenes Depot schon früh Rücklagen für das Alter bilden.

Wie funktioniert das Vorsorgedepot?

Jeden Monat zahlt der Staat zehn Euro in das Depot eines Kindes. Eltern und Großeltern können freiwillig bis zu 6840 Euro jährlich zusätzlich einzahlen.

OZD-Extras

Der Kapitalmarkt wird wichtiger für die private Altersvorsorge vieler Familien und könnte verstärkt in das Bewusstsein junger Menschen rücken. Mögliche Auswirkungen auf Anlagemärkte werden von Expertinnen und Experten als begrenzt eingeschätzt, da das Volumen initial überschaubar bleibt. Rückschlüsse auf künftige Aktien- oder Börsenkurse lassen sich derzeit nicht eindeutig ableiten.

Gewinnspiel

Welche Summe zahlt der Staat monatlich in das Vorsorgedepot eines Kindes?

A) Zehn Euro

B) Fünfzig Euro

C) Hundert Euro

D) Fünf Euro

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.