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Onlinesadismus: Ermittler fassen Drahtzieher in Baden-Württemberg

Ein 19-Jähriger aus Baden-Württemberg soll eine Onlinesadisten-Szene gegründet und Kinder zu Selbstverletzungen und Schlimmerem getrieben haben.

Fakten im Überblick

Ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Tuttlingen soll ein Sadisten-Netzwerk im Internet gegründet haben.

Ihm werden unter anderem versuchter Mord und Anstiftung zu Selbstverletzungen vorgeworfen.

Ermittler beschlagnahmten bei Durchsuchungen elektronische Beweismittel.

Die Aufdeckung eines Onlinesadisten-Netzwerks in Baden-Württemberg erschüttert das Vertrauen in die Sicherheit junger Menschen im Internet. Ein 19-jähriger Mann aus dem Landkreis Tuttlingen wurde festgenommen. Er steht im Verdacht, nicht nur ein Sadistennetzwerk gegründet, sondern auch mit anderen Beteiligten schwerste Straftaten begangen zu haben. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Konstanz soll er gemeinsam mit weiteren Personen versucht haben, ein Kind sowie eine Jugendliche über Streamingdienste in den Suizid zu treiben. Besonders erschreckend: Beide Opfer wurden so massiv online unter Druck gesetzt, dass lebensbedrohliche Handlungen folgten. Während die betroffene Jugendliche sich im Ausland befindet, ist das betroffene Kind bislang nicht identifiziert worden. Gegen den jungen Mann wurde nun unter anderem wegen versuchten Mordes in zwei Fällen Untersuchungshaft angeordnet.

Die Ermittlungen legen außerdem offen, dass der 19-Jährige in drei weiteren Fällen Mädchen zwischen zwölf und 15 Jahren zu Selbstverletzungen gedrängt und ein 13-jähriges Mädchen zur Übersendung von Nacktaufnahmen gezwungen haben soll. Fünf Objekte wurden gleichzeitig mit seiner Festnahme durchsucht, elektronische Beweise gesichert. Die Ermittler arbeiten daran, weitere Taten aufzuklären und mögliche Komplizen zu identifizieren.

Das sogenannte 764- oder COM-Netzwerk, in dessen Zusammenhang der Fall steht, ist keine regionale Erscheinung. Weltweit geraten solche Netzwerke immer wieder in die Schlagzeilen, wenn junge Menschen durch gezielte Manipulation und Druck zu gefährlichen Handlungen gebracht werden. In Hamburg steht aktuell ein junger Mann mit dem Szenenamen „White Tiger“ wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht.

Die Behörden warnen, dass Mitglieder dieser Szene gezielt in Computerspielplattformen und sozialen Netzwerken nach verletzlichen Kindern und Jugendlichen suchen. Sie manipulieren die Betroffenen und setzen sie unter massiven Druck, damit sie sich vor laufender Kamera selbst verletzen oder zu sexuellen Handlungen übergehen. Im Oktober 2023 wurde bereits in Hamburg ein weiterer mutmaßlicher Onlinesadist festgenommen, nachdem eine 14-Jährige in den USA einen Suizid begangen hatte. Die Ermittler sprechen von systematischer Ausbeutung und warnen, dass solche Netzwerke weiterhin eine große Gefahr für junge Menschen weltweit darstellen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Schutz der Jugend vor digitaler Grausamkeit

Dieser erschütternde Fall aus Baden-Württemberg verdeutlicht auf tragische Weise, wie real die Bedrohung von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum ist. Während Gesetze, Ermittlungsbehörden und Initiativen bemüht sind, junge Menschen zu schützen, sind Täter oft technisch versiert und nutzen jede Schwachstelle aus. Die Dimension der skrupellosen Manipulation, die ausgerechnet verletzliche und psychisch labile Kinder trifft, zeigt die Dringlichkeit einer kombinierten Reaktion aller gesellschaftlichen Kräfte. Nur wenn gezielt Medienbildung, Elternarbeit und länderübergreifende Ermittlungen zusammenkommen, können solche Taten dauerhaft verhindert werden. Deutschland muss in Europa eine Vorreiterrolle für besseren digitalen Kinderschutz einnehmen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Ermittlungen Nachahmer abschrecken und Betroffene schneller Hilfe finden können. Doch realistisch betrachtet wird der Schutz der Jugend im digitalen Raum ein langfristiger Kampf bleiben.

Historischer Hintergrund

Das 764- beziehungsweise COM-Netzwerk ist international seit Jahren bekannt. In mehreren westlichen Ländern häuften sich in den letzten Jahren Fälle von gezielter psychischer Manipulation junger Internetnutzer, oft mit schwerwiegenden oder tödlichen Folgen. Bereits zuvor wurden unter dem Szenenamen „White Tiger“ und anderen Pseudonymen Nutzer identifiziert, die gezielt Kontakt zu Jugendlichen suchten, sie unter Druck setzten und zu gefährlichen Handlungen anstifteten. Deutsche Ermittlungsbehörden stehen dabei immer wieder auch im Austausch mit Kollegen in anderen Ländern, denn die Täter und Opfer sind häufig über Ländergrenzen hinweg miteinander verbunden.

Zukunftsprognose

Ermittler rechnen damit, dass weitere Taten aufgedeckt und mögliche Komplizen ermittelt werden könnten. Die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Onlinesadismus dürfte intensiver werden und führt voraussichtlich zu schärferen Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche im Internet. Es bleibt als Szenario zu erwarten, dass neben technischen Maßnahmen künftig auch die Präventionsarbeit und Medienkompetenzförderung in Familien, Schulen und Behörden stärker in den Fokus geraten.

Erklärungen

Was ist das 764-Netzwerk?

Das sogenannte 764- oder COM-Netzwerk ist eine internationale Online-Community, in der sich Sadisten gezielt vernetzen, um verletzliche und psychisch labile Jugendliche zu manipulieren und zu eigenen Zwecken auszubeuten. Bekannt wurde das Netzwerk durch zahlreiche Fälle, in denen Kinder und Jugendliche zu Selbstverletzungen, sexuellen Handlungen oder sogar zum Suizid gedrängt wurden.

OZD-Extras

Zahlreiche Täter verwenden im Netz Decknamen wie „White Tiger“, um nicht identifiziert zu werden.

Börsen und deutsche Technologiewerte zeigen keine unmittelbare Reaktion auf diesen Fall, aber gesellschaftliche Debatten um Internetregulierung und Kinderschutz könnten das politische Klima und damit mittelbar auch den Technologiesektor beeinflussen.

Gewinnspiel

Wie lautet der Name des in Hamburg angeklagten Mannes aus der Onlinesadisten-Szene?

A) White Tiger

B) Blue Lion

C) Red Dragon

D) Black Knight

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.