Stromnetze werden zum Engpass für Industrie und Energiewende
BDEW drängt auf schnellere Genehmigungen im Verteilnetz
Netzanschlüsse werden knapp. Der BDEW verlangt kürzere Genehmigungen und nennt Investitionen von 110 Milliarden Euro bis 2033.
Fakten im Überblick
Die Nachfrage nach Netzanschlüssen wächst schneller als neue Infrastruktur entsteht.
Hochspannungsprojekte dauern laut BDEW häufig zehn bis fünfzehn Jahre.
82 große Verteilnetzbetreiber planen bis 2033 rund 110 Milliarden Euro Investitionen.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnt vor Engpässen in den deutschen Verteilnetzen. Industrieunternehmen, Rechenzentren, Speicher, Ladeinfrastruktur und Anlagen für erneuerbare Energien benötigen leistungsfähige Anschlüsse. Nach Darstellung des Verbandes wächst die Nachfrage jedoch schneller, als zusätzliche Leitungen und Umspannwerke geplant und gebaut werden können.
Besonders auf den höheren Spannungsebenen seien Kapazitäten vielerorts bereits weitgehend vergeben. Neue Anschlüsse setzen dann häufig einen Ausbau des Hochspannungsnetzes voraus. Solche Projekte dauern nach Angaben des BDEW oft zehn bis fünfzehn Jahre. Der Verband begrüßt zwar geplante Regeln für mehr Transparenz, die Vergabe knapper Kapazitäten und flexible Anschlüsse, hält diese Schritte allein aber nicht für ausreichend.
Das angekündigte Verteilnetzpaket der Bundesregierung müsse Genehmigungen deutlich beschleunigen. Der BDEW fordert unter anderem einfachere Verstärkungen bestehender Trassen, einheitliche Standards für Anträge, ausreichend Personal in Behörden und eine frühzeitige Sicherung von Flächen. Netzbetreiber sollten außerdem stärker selbst entscheiden können, ob neue Leitungen unterirdisch oder als Freileitung gebaut werden.
Die 82 großen Verteilnetzbetreiber veranschlagen bis 2033 nach Verbandsangaben rund 110 Milliarden Euro für zusätzliche Netzkapazitäten. Parallel investieren sie in Digitalisierung und flexible Anschlussmodelle. Diese können bestehende Leitungen besser auslasten und Anschlüsse früher ermöglichen. Neue Leitungen, Transformatoren und Umspannwerke ersetzen sie nach Einschätzung des BDEW jedoch nicht.
BDEW/OZD
OZD-Kommentar – Ohne Netze bleibt die Transformation auf dem Papier
Elektrifizierung wird gern über Fahrzeuge, Wärmepumpen und neue Produktionsanlagen diskutiert. Doch jedes dieser Projekte hängt an einem Anschluss. Wenn Planung und Genehmigung länger dauern als Investitionsentscheidungen, verliert Deutschland Zeit und Standortchancen. Beschleunigung darf Umwelt- und Beteiligungsstandards nicht aushebeln, muss aber Verfahren klarer, digitaler und verlässlicher machen.
Historischer Hintergrund
Das deutsche Stromnetz entstand über Jahrzehnte für eine Versorgung, die Energie überwiegend von großen Kraftwerken zu den Verbrauchern transportierte. Mit Windkraft, Photovoltaik, Speichern und neuen elektrischen Verbrauchern ändern sich die Lastflüsse. Verteilnetze müssen heute Strom in beide Richtungen aufnehmen und regional sehr unterschiedliche Spitzen bewältigen.
Zukunftsprognose
Der Investitionsbedarf dürfte mit dem Ausbau von Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen weiter steigen. Werden Genehmigungen und Finanzierung nicht verlässlich geregelt, könnten Netzanschlüsse Investitionen verzögern. Gelingt die Beschleunigung, profitieren Bauwirtschaft, Elektrotechnik und Netztechnik. Eine konkrete unmittelbare Börsenreaktion lässt sich aus der Verbandsforderung nicht belastbar ableiten.
Was ist ein Verteilnetz?
Verteilnetze bringen Strom aus dem Übertragungsnetz oder aus regionalen Erzeugungsanlagen zu Haushalten, Gewerbe und Industrie. Dazu gehören Leitungen verschiedener Spannungsebenen, Umspannwerke und Transformatoren.
OZD-Extra – Flexibilität schafft Zeit, aber keine neuen Leitungen
Flexible Netzanschlüsse können Verbrauch oder Einspeisung zeitweise an die verfügbare Kapazität anpassen. Dadurch lassen sich bestehende Netze besser nutzen. Wenn die Nachfrage dauerhaft steigt, bleibt der physische Ausbau dennoch notwendig.
Gewinnspiel
Wie hoch sind die geplanten Investitionen der 82 großen Verteilnetzbetreiber bis 2033?
A: Rund 11 Milliarden Euro
B: Rund 55 Milliarden Euro
C: Rund 110 Milliarden Euro
D: Rund 220 Milliarden Euro
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild OZD.