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Cyberangriffe auf Kühlsysteme treffen Supermärkte in ganz Europa

Cyberangriffe auf Kühlanlagen legen Supermärkte in vielen EU-Ländern lahm. Lebensmittel werden vernichtet. Die Sorge um sichere Versorgung wächst.

Fakten im Überblick

Supermärkte in zahlreichen europäischen Ländern wurden Opfer von Cyberangriffen auf Kühlanlagen.

Durch die Hackerangriffe stiegen die Temperaturen in Tausenden Filialen, Lebensmittel mussten entsorgt werden.

Die EU-Kommission zeigt sich besorgt, Täter und Motive sind weiterhin unbekannt.

In mehreren Ländern Europas sind Hackerangriffe auf die Kühl- und Gefrieranlagen zahlreicher Supermärkte bekannt geworden. Von Schweden bis Italien, Belgien, Estland, Finnland, Luxemburg, Irland, den Niederlanden und Portugal erreichten am Montag Meldungen über Attacken, bei denen die Temperaturkontrolle internetgesteuerter Anlagen ausfiel oder manipuliert wurde. Auch in Frankreich waren vor drei Wochen bereits hunderte Filialen betroffen, insbesondere bei Intermarché und Coopérative U. Als Folge mussten überall große Mengen gekühlter und gefrorener Waren vernichtet werden.

Die Angriffe verliefen länderübergreifend nach einem ähnlichen Muster: In Belgien bestätigten unter anderem Delhaize, Carrefour, Colruyt, Intermarché und Spar gestörte Anlagen; ein Sprecher von Carrefour sagte: Es handelt sich um einen Cyberangriff, es gibt keinen anderen Grund. Laut Ica aus Schweden sei eine begrenzte Zahl an Filialen betroffen, bei Coop waren sechs Standorte betroffen. In Estland schossen die Temperaturen in einzelnen Supermärkten sogar auf 50 Grad Celsius. In Italien waren laut Medien mindestens vier Coop-Supermärkte in Sizilien und ein Restaurantunternehmen in der Toskana betroffen; der Betreiber Radenza erklärte: Es handelt sich um einen Angriff auf unser Fernsteuerungssystem für die Tiefkühlregale. In einigen Fällen konnten wir die Probleme beheben.

Hinweise auf die Täter oder deren Motivation gibt es bislang nicht. Die EU-Kommission sieht in den Vorfällen einen bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben. Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem zutiefst besorgniserregenden Trend und stellte klar, dass die Angriffe sehr ernst genommen werden. Die finnische Behörde Traficom bestätigte, solche Angriffe in den letzten Monaten in Europa beobachtet zu haben, daher war zu erwarten, dass es sich über Frankreich hinaus auf andere Länder ausbreiten würde. Gleichzeitig betonen die Behörden, dass die Lebensmittelsicherheit in Europa aktuell nicht gefährdet ist. In mehreren Ländern versuchen IT-Spezialisten und Supermarktketten die Kühl- und Gefriersysteme zu sichern, während die Verunsicherung bei Händlern und Kunden wächst.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Europas Supermärkte stehen vor neuen digitalen Gefahren

Die aktuellen Cyberangriffe auf Europas Supermärkte zeigen schonungslos, wie verletzlich moderne Logistik- und Versorgungsketten geworden sind. Die Hacker trafen die Unternehmen dort, wo sie es am wenigsten erwarteten und richteten mit ihren Angriffen enormen wirtschaftlichen Schaden an. Es ist ein Weckruf für Handel und Politik, das Thema Cybersicherheit endlich ganz oben auf die Agenda zu setzen. Lebensmittel stehen für Grundversorgung und Lebensqualität – ihre Sicherheit darf kein Spielball von Kriminellen sein. Europa muss länderübergreifend enger zusammenarbeiten, um Angriffe frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Nur so lässt sich das Vertrauen der Verbraucher aufrechterhalten. Für die kommenden Monate ist zu erwarten, dass die Bedrohungslage durch Cyberattacken auf kritische Infrastruktur weiter zunimmt und auch weitere Branchen ins Visier geraten könnten.

Historischer Hintergrund

Der aktuelle Angriff reiht sich in eine Serie gezielter Cyberattacken auf die Lebensmittelbranche in Europa ein. Bereits vor drei Wochen traf es hunderte Supermärkte in Frankreich. Cyberangriffe auf digitale Infrastruktur und vernetzte Kühlsysteme nehmen international zu, da viele Anlagen über das Internet ferngesteuert werden und somit Angriffsfläche bieten. Insbesondere ältere Modelle gelten laut Experten als besonders gefährdet. Die Digitalisierung des Einzelhandels bringt einerseits Effizienz, macht die Branche jedoch auch anfällig für neue Formen der Sabotage.

Zukunftsprognose

Experten rechnen damit, dass Politik und Unternehmen rasch in den Schutz kritischer Infrastrukturen investieren werden. Mögliche Folgen sind mehr nationale und europäische IT-Sicherheitsgesetze und engere Zusammenarbeit der Behörden. Sollten Schwachstellen in digitalen Kühlsystemen nicht zeitnah behoben werden, könnten weitere Angriffe folgen und die Lebensmittelversorgung in Europa stärker beeinträchtigen. Wirtschaftlich rechnen Händler mit hohen Kosten durch Wareverluste, Wiederanschaffung von Technik und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Gesellschaftlich könnte das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Handel auf die Probe gestellt werden, falls die Attacken weitergehen.

Erklärungen

Was ist ein Cyberangriff auf Kühlanlagen?

Ein Cyberangriff auf Kühlanlagen bezeichnet das gezielte Eindringen von Hackern in computergestützte Steuerungen von Kühl- und Gefriersystemen. Ziel ist es, Temperaturregelungen zu manipulieren, etwa indem Kühlschränke auf Abtau-Modus gestellt oder künstlich erhitzt werden. Das führt zu Warenverlusten und kann die Lebensmittelversorgung gefährden.

Welche Supermärkte waren betroffen?

In Frankreich, Belgien, Schweden, Estland, Finnland, Luxemburg, Italien, Irland, den Niederlanden und Portugal wurden unter anderem Filialen von Delhaize, Carrefour, Colruyt, Intermarché, Spar, Coopérative U, Ica, Coop und Kesko angegriffen.

OZD-Extras

Experten vermuten, dass insbesondere ältere Modelle von Kühl- und Gefrieranlagen ohne aktuelle Sicherheitsupdates betroffen waren.

Auch große Möbelhäuser wie Ikea in Belgien meldeten einzelne Cybervorfälle bei Kühlschränken.

Mögliche Auswirkungen auf die Börsen sind schwer abschätzbar. Bisher gab es keine belegten direkten Effekte auf Aktienkurse großer Einzelhändler. Die Verunsicherung durch Cyberangriffe könnte jedoch künftig Auswirkungen auf die Bewertung europäischer Handelsunternehmen haben.

Gewinnspiel

In welchem europäischen Land begannen die Cyberangriffe auf Supermarkt-Kühlanlagen laut Bericht zuerst?

A) Frankreich

B) Italien

C) Finnland

D) Schweden

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.