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Deutschland prüft Beteiligung am Kampfjet-Projekt GCAP

Deutschland erwägt den Einstieg beim internationalen Kampfjet-Projekt GCAP. Verteidigungsminister Pistorius drängt auf schnelle Klarheit.

Fakten im Überblick

Deutschland führt Gespräche über eine Beteiligung am Kampfjetprojekt GCAP.

GCAP ist eine Kooperation von Großbritannien, Italien und Japan für einen neuen Tarnkappen-Bomber.

Das Projekt soll frühere gescheiterte Vorhaben wie FCAS ersetzen.

Deutschland steht vor einer wichtigen Entscheidung für seine künftigen Luftstreitkräfte: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius gab am Montag in Berlin bekannt, dass bereits "erste Gespräche" über eine deutsche Beteiligung am internationalen Kampfjet-Projekt GCAP geführt wurden. Die Bundesregierung prüft den möglichen Einstieg in das ambitionierte Programm, das von Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam vorangetrieben wird. Pistorius betonte nach seinem Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister Wes Streeting in Berlin, dass jetzt "sehr schnell" Klarheit darüber geschaffen werden müsse, ob und unter welchen Bedingungen Deutschland einsteigen könne. In den nächsten Tagen wird er dafür weitere Gespräche mit seinen Amtskollegen aus Italien und Japan führen.

Das Global Combat Air Programme (GCAP) zielt darauf ab, einen neuen Tarnkappen-Bomber zu entwickeln, der die F-2-Kampfflugzeuge Japan sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen soll. Der britische Verteidigungsminister Streeting bekundete in Berlin die Offenheit der aktuellen GCAP-Partner für eine Ausweitung des Projekts: "Wir möchten verstehen, welche Anforderungen Deutschland hat und schauen, ob es da Synergien geben kann". Eine gemeinsame Entscheidung über die mögliche deutsche Beteiligung an dem Großvorhaben stehe an. Damit würde Deutschland möglicherweise auf ein anderes internationales Verteidigungsprojekt umschwenken, nachdem das deutsch-französische FCAS-Programm im Juni nach jahrelangen Streitigkeiten endgültig gescheitert war.

Pistorius verwies in Berlin auf den erhöhten Handlungsdruck, da die bisherigen GCAP-Vertragspartner schon fünf Jahre lang miteinander verhandelt hätten. Er mahnte: "Wir sind alle uns völlig klar darüber, dass hier keine Zeit zu verlieren ist". Der Minister machte auch deutlich, dass durch diese Ausgangslage "ein gehöriger Zeitdruck" entstehe, da die neue Kampffähigkeit zu Beginn der 2040er Jahre einsatzbereit sein müsse. Vor Kurzem hatte bereits der britische Premierminister Andy Burnham seine Offenheit für den Einstieg Deutschlands am GCAP signalisiert.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Deutsche Beteiligung an GCAP Nur folgerichtig

Die möglichen Verhandlungen über Deutschlands Einstieg in das GCAP-Projekt markieren eine Zäsur der strategischen Luftverteidigung Europas. Angesichts des Scheiterns des deutsch-französischen FCAS-Projekts bleibt Berlin kaum eine Alternative, wenn es seine Verteidigungsfähigkeit nicht auf Jahrzehnte hinaus aufs Spiel setzen will. Der internationale Schulterschluss mit Großbritannien, Italien und Japan eröffnet neue Chancen und Perspektiven – aber auch Herausforderungen, was die gegenseitigen Anforderungen und Synergien der Partnerländer betrifft. Dass Pistorius und seine Partner den Zeitdruck deutlich benennen, entspricht der sicherheitspolitischen Realität in Europa. Der bevorstehende Entscheidungsprozess ist heikel, aber die Bundesrepublik kann es sich nicht erlauben, zu zögern. Es zeichnet sich ab, dass aus politischen und militärischen Gründen ein baldiger deutscher Einstieg wahrscheinlich ist.

Historischer Hintergrund

Das GCAP-Projekt entstand als internationale Kooperation von Großbritannien, Italien und Japan, um einen modernen Tarnkappen-Bomber zu entwickeln und bestehende Kampfjets abzulösen. Zuvor hatte Deutschland gemeinsam mit Frankreich und anderen Partnern lange Zeit am FCAS-Projekt für einen europäischen Kampfjet gearbeitet. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch im Juni nach langwierigen Unstimmigkeiten zwischen Berlin und Paris. Die jetzigen Gespräche spiegeln das Bestreben wider, trotz früherer Rückschläge weiterhin an hochmodernen Verteidigungsprogrammen teilzunehmen.

Zukunftsprognose

Eine deutsche Beteiligung am GCAP-Projekt könnte langfristig zu einer vertieften Zusammenarbeit mit Großbritannien, Italien und Japan führen. Politisch würde dies ein klares Signal für den Willen zu internationalen Rüstungskooperationen setzen. Wirtschaftlich könnten deutsche Rüstungsunternehmen von Technologie- und Wissenstransfer profitieren, sofern sie intensiv eingebunden werden. Gesellschaftlich ist mit erneuten Debatten über Auslandseinsätze und Verteidigungsausgaben zu rechnen. Es ist möglich, dass das Projekt auch neue internationale Maßstäbe für Kampfflugzeuge setzt.

Erklärungen

Was ist das GCAP-Projekt

Das Global Combat Air Programme (GCAP) ist ein geplantes gemeinsames Rüstungsprojekt von Großbritannien, Italien und Japan. Ziel ist die Entwicklung eines modernen Tarnkappen-Bombers als Nachfolger für ältere Kampfjets in den beteiligten Ländern.

OZD-Extras

Das GCAP-Projekt wird als zukunftsweisend für die internationale Verteidigungsindustrie betrachtet und könnte in Europa das bisherige Eurofighter-Modell ablösen. Die Aktien großer Rüstungsunternehmen könnten durch eine deutsche Beteiligung neue Impulse erhalten – dies ist jedoch stets abhängig vom Umfang tatsächlich georderter Aufträge und politischer Entscheidungen.

Gewinnspiel

Mit welchen Ländern verhandelt Deutschland über das GCAP-Projekt?

A) Großbritannien, Italien und Japan

B) Frankreich, Spanien und Österreich

C) USA, Kanada und Australien

D) Norwegen, Schweden und Dänemark

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.