Grippeimpfung auch bei Immunerkrankungen empfohlen
UKM Münster: Impfschutz löst meist keinen Krankheitsschub aus
Eine UKM-Studie mit 633 Erwachsenen liefert beruhigende Daten zur Grippeimpfung bei entzündlichen Immunerkrankungen.
Fakten im Überblick
An der bundesweiten Untersuchung nahmen 633 Erwachsene teil.
Rund 95 Prozent meldeten nach der Impfung keinen Krankheitsschub.
Bei etwa einem Prozent musste die Therapie angepasst werden.
Eine entzündliche Immunerkrankung ist nach Einschätzung des Universitätsklinikums Münster grundsätzlich kein Grund, auf die empfohlene Grippeimpfung zu verzichten. Rheumatologin Priv.-Doz. Rebecca Hasseli-Fräbel verweist auf bundesweite Studiendaten mit 633 Erwachsenen. Rund 95 Prozent berichteten nach ihrer Impfung in der Saison 2023/24 über keinen Krankheitsschub.
Der 48-jährige Elektroinstallateur Christian Larmann lässt sich seit Jahren gegen Influenza impfen. Seit 2017 leidet er regelmäßig unter geschwollenen und steifen Gelenken. Die Beschwerden betreffen besonders Knie, Handgelenke und Finger. Seit 2019 wird er in der rheumatologischen Ambulanz der Medizinischen Klinik D am UKM behandelt. Eine abschließende Diagnose für seine entzündlichen Beschwerden gibt es bislang nicht.
Menschen mit rheumatischen Erkrankungen können durch Infektionen besonders gefährdet sein. Neben der Grunderkrankung können auch Therapien, die das Immunsystem dämpfen, das Risiko erhöhen. Gleichzeitig fürchten manche Betroffene, eine Impfung könne einen Schub auslösen. Hasseli-Fräbel betont, der verwendete Grippeimpfstoff sei ein Totimpfstoff und könne selbst keine Grippe verursachen.
In der Studie berichteten etwa fünf Prozent über einen Schub nach der Impfung; bei rund einem Prozent musste die Therapie angepasst werden. Nach Darstellung der Forscher entsprach die Zahl der Rückfälle dem ohnehin erwartbaren Auftreten im Beobachtungszeitraum. Rund neun Prozent meldeten trotz Impfung eine Influenza, allerdings ohne schweren Verlauf. Bei Lebendimpfstoffen müssen Erkrankung und mögliche immundämpfende Therapien gesondert berücksichtigt werden.
UKM/OZD
OZD-Kommentar – Aufklärung ist ein Teil des Impfschutzes
Sorgen vor einem Krankheitsschub sind für Menschen mit wiederkehrenden Beschwerden nachvollziehbar. Pauschale Antworten helfen ihnen wenig. Umso wichtiger sind belastbare Daten und ein persönliches Gespräch in Rheumatologie oder Hausarztpraxis. Die UKM-Zahlen können Vertrauen schaffen, ersetzen aber keine individuelle medizinische Beratung und keine Prüfung der jeweiligen Therapie.
Historischer Hintergrund
Die saisonale Grippeimpfung wird seit Jahrzehnten regelmäßig an veränderte Influenzaviren angepasst. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist sie besonders relevant, weil Infektionen schwerer verlaufen können. In der Rheumatologie wurde die Impfverträglichkeit deshalb verstärkt untersucht und in Leitlinien sowie Empfehlungen berücksichtigt.
Zukunftsprognose
Weitere Studien dürften genauer untersuchen, welche Patientengruppen besonders profitieren und wie Impfungen mit immundämpfenden Therapien abgestimmt werden können. Digitale Impfregister und systematische Beratung könnten helfen, Impflücken zu schließen. Entscheidungen sollten weiterhin gemeinsam mit behandelnden Ärzten getroffen werden.
Was ist ein Totimpfstoff?
Ein Totimpfstoff enthält keine vermehrungsfähigen Erreger. Er zeigt dem Immunsystem ausgewählte Bestandteile oder inaktiviertes Material, damit Abwehrkräfte aufgebaut werden. Er kann die Erkrankung, gegen die geimpft wird, nicht selbst auslösen.
OZD-Extra – Warum Influenza mehr als eine Erkältung ist
Eine echte Grippe kann plötzlich mit hohem Fieber, starken Beschwerden und Komplikationen beginnen. Besonders gefährdete Menschen können Herz-Kreislauf-Probleme oder andere schwere Verläufe entwickeln. Die Impfung soll vor allem das Risiko solcher Folgen senken.
Gewinnspiel
Wie viele Erwachsene nahmen an der beschriebenen Studie teil?
A: 133
B: 333
C: 633
D: 933
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild UKM/Heine.