Domen Prevc hat eine Hand am Goldadler – und macht daraus kein Geheimnis. Vor dem finalen Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen rief der 26-jährige Slowene seine Landsleute live im Fernsehen zur Unterstützung auf. „Kommt zahlreich! Es wird ein großartiges Spektakel – und das Wetter wird gut“, sagte Prevc. Der Aufruf zeigte Wirkung: Rund 5000 Fans aus Slowenien werden am Dienstag an der Paul-Außerleitner-Schanze erwartet.
Sportlich scheint die Entscheidung kaum noch offen. Prevc führt die Gesamtwertung mit umgerechnet 22 Metern Vorsprung vor dem Österreicher Jan Hörl an. Nur einmal in der Geschichte der Tournee verspielte ein Springer einen derart großen Vorsprung – 1971/72, als Yukio Kasaya nach drei Siegen abreiste, um sich auf Olympia vorzubereiten. Ein Szenario, das bei Prevc ausgeschlossen ist.
Der amtierende Weltmeister träumt seit Kindertagen vom Triumph bei der Vierschanzentournee. Entsprechend gelassen gibt er sich vor dem großen Finale. Sein Credo lautet Ruhe bewahren und die Freude am Skispringen nicht verlieren. Er wolle „das Kind in mir bewahren, das das Springen so sehr genießt“, sagte Prevc und betonte, mit einem sehr guten Gefühl nach Bischofshofen zu reisen.
Theoretisch stoppen könnten ihn nur eine Disqualifikation oder extremes Windpech im ersten Durchgang. Auch Experten sehen kaum Gefahren. Ex-Weltmeister Markus Eisenbichler erklärte, Prevc sei bei normalen Bedingungen „wohl unschlagbar“. Selbst ein Sturz würde ihm angesichts des Vorsprungs wohl noch reichen.
Den Grand Slam mit Siegen auf allen vier Schanzen verpasste Prevc allerdings knapp. In Innsbruck verhinderte der Japaner Ren Nikaido mit einem Sieg am Sonntag die perfekte Serie. Dennoch setzte Prevc seine beeindruckende Konstanz fort und steht nun bei elf Podestplätzen in Folge. Der Weltcuprekord von Janne Ahonen liegt bei 13.
Ein kleiner Makel bleibt aus statistischer Sicht: In Bischofshofen stand Prevc bislang noch nie auf dem Podest. Sein bestes Ergebnis ist Rang vier aus dem Jahr 2017. Für den Gesamtsieg würde aber selbst dieses Resultat locker genügen. OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Wenn Geschichte nur noch Formsache istAlles deutet auf die Krönung hin. Domen Prevc springt nicht nur technisch überlegen, sondern mit einer inneren Ruhe, die Champions auszeichnet. Der Vorsprung ist brutal, die Konkurrenz wirkt machtlos. Doch gerade solche Momente sind gefährlich. Skispringen bleibt ein Sport der Unwägbarkeiten. Gelingt es Prevc, die Spannung in Freude zu verwandeln, schreibt er Geschichte – nicht spektakulär, sondern souverän.

Springer: Domen Prevc (Slowenien)
Vorsprung: ca. 22 Meter
Finale: Bischofshofen
Fans erwartet: rund 5000
Podestserie: 11 Springen
OZD-Analyse1. Ausgangslage
– Deutlicher Vorsprung vor dem Finale
– Historisch kaum verspielt
2. Mentale Stärke
a) Fokus auf Ruhe und Freude
b) Erfahrung als Weltmeister
c) Unterstützung durch Fans
3. Risiken
– Windbedingungen
– Disqualifikation
– Psychologischer Druck

Domen Prevc ist ein slowenischer Skispringer und amtierender Weltmeister. Er entstammt einer bekannten Skisprung-Familie, sein Bruder Peter Prevc gewann die Vierschanzentournee vor zehn Jahren. Domen gilt als einer der konstantesten Springer der Gegenwart.
Was ist die Vierschanzentournee?Die Vierschanzentournee ist der prestigeträchtigste Wettbewerb im Skispringen. Sie umfasst Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen und wird jährlich rund um den Jahreswechsel ausgetragen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras: Sollte Prevc triumphieren, wäre Slowenien nach zehn Jahren erneut Vierschanzentournee-Sieger – eine Seltenheit im internationalen Skispringen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.