Ren Nikaido hat beim traditionsreichen Bergiselspringen in Innsbruck für eine Überraschung gesorgt und den ersten Weltcupsieg seiner Karriere gefeiert. Der Japaner setzte sich am Sonntag vor dem slowenischen Überflieger Domen Prevc durch, der damit seinen dritten Tagessieg der laufenden Vierschanzentournee knapp verpasste, seine komfortable Führung in der Gesamtwertung nach drei von vier Stationen aber souverän verteidigte.
Vor 21.125 Zuschauern zeigte Nikaido zwei stabile Sprünge und behielt im engen Finale die Nerven. Prevc musste sich diesmal mit Rang zwei begnügen, stand aber bereits zum elften Mal in Serie auf dem Podest und bleibt der klare Favorit auf den Goldenen Adler. Zehn Jahre nach dem Triumph seines Bruders Peter Prevc ist der Gesamtsieg für Domen zum Greifen nah.
Aus deutscher Sicht bestätigte Felix Hoffmann seine starke Tournee mit Platz fünf. Der Thüringer war erneut bester DSV-Adler und belegt auch in der Gesamtwertung Rang fünf. Philipp Raimund kam auf Platz zwölf, Pius Paschke landete auf Rang 28.
Erneut enttäuschend verlief der Tag für die früheren deutschen Hoffnungsträger Karl Geiger und Andreas Wellinger. Beide verpassten wie schon zuvor den zweiten Durchgang. Wellinger, zweimaliger Olympiasieger, haderte offen mit seinem Sprung: „Ich habe leider die Landung verkackt. Und das ärgert mich enorm.“ Geiger zeigte sich zumindest leicht optimistisch und sprach von „einem Schritt in die richtige Richtung“.
Während die deutschen Springer weiter nach Konstanz suchen, schreibt Prevc seine beeindruckende Serie fort. Nur noch zwei weitere Podestplätze fehlen ihm, um den Weltcup-Rekord von Janne Ahonen aus der Saison 2004/05 einzustellen.
Die Entscheidung fällt nun in Bischofshofen. Bereits am Montag steht die Qualifikation auf der Paul-Außerleitner-Schanze an – jener Schanze, auf der Prevc bislang noch nie auf dem Podest stand, nun aber erstmals den Goldenen Adler perfekt machen kann. OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Prevc unaufhaltsam, Deutschland hofft auf Hoffmann
Der Bergisel hat eines klar gezeigt: Domen Prevc ist der Mann dieser Tournee. Selbst ohne Sieg wirkt er unerschütterlich, konstant, eiskalt. Für die Konkurrenz bleibt nur Schadensbegrenzung. Aus deutscher Sicht ist Felix Hoffmann der Lichtblick in einem ansonsten ernüchternden Winter. Während etablierte Namen straucheln, trägt ausgerechnet ein Aufsteiger die Hoffnung. Doch realistisch bleibt: Der Goldene Adler ist für Deutschland außer Reichweite – für Prevc hingegen nur noch Formsache.
Mini-Infobox
Sieger Bergisel: Ren Nikaido (Japan)
Gesamtführender: Domen Prevc (Slowenien)
Bester Deutscher: Felix Hoffmann (Platz 5)
Nächste Station: Bischofshofen

OZD-Analyse
Die Dominanz von Domen Prevc
a) Elfte Podestplatzierung in Serie
b) Klarer Vorsprung in der Gesamtwertung
c) Historische Dimension mit Blick auf Ahonen
Deutsches Abschneiden
a) Hoffmann als Konstante der Tournee
b) Raimund solide, aber ohne Durchbruch
c) Geiger und Wellinger weiter im Formtief
Ausblick auf Bischofshofen
a) Prevc erstmals mit realer Titelchance dort
b) Hoffmann mit Außenseiterchancen auf Podest
c) Entscheidung um den Goldenen Adler

Erklärungen
Wer ist Domen Prevc?
Domen Prevc ist ein slowenischer Skispringer und Teil der berühmten
Prevc-Familie. Er gilt aktuell als dominierende Figur im Weltcup und
steht kurz vor seinem ersten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee.
Was ist die Vierschanzentournee?
Die Vierschanzentournee ist die prestigeträchtigste Wettkampfserie im
Skispringen und findet jährlich in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen,
Innsbruck und Bischofshofen statt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-ExtrasRen Nikaido ist der erste japanische Sieger beim Bergiselspringen seit über einem Jahrzehnt – ein historischer Erfolg für den asiatischen Skisprung.