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Der Mythos römischer Sauberkeit: Antike Thermen alles andere als reinlich

Eine neue Studie aus Mainz erschüttert das Bild römischer Hygiene: In den frühen Thermen von Pompeji war das Badewasser stark verunreinigt. Erst technische Innovationen brachten spürbare Verbesserungen.

Das Baden in der antiken römischen Stadt Pompeji war zumindest in der Frühphase deutlich unhygienischer als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die Kalkablagerungen in Brunnen, Wasserleitungen und Badeanlagen analysierten.

Insbesondere die sogenannten Republikanischen Bäder, die ältesten öffentlichen Thermen der Stadt aus der Zeit um 130 vor Christus, wiesen demnach problematische hygienische Bedingungen auf. Das Wasser stammte aus tiefen Brunnen und wurde mithilfe von körperlich betriebenen Hebevorrichtungen gefördert. Ein regelmäßiger Wasserwechsel fand offenbar nicht statt.

Isotopenanalysen belegten organische Verunreinigungen im Wasser. Dazu zählten unter anderem Schweiß, Urin, Mikroorganismen und Hautschuppen. Vermutlich wurde das Badewasser lediglich einmal täglich erneuert. Zudem fanden die Forschenden erhöhte Konzentrationen von Blei, Zink und Kupfer, was auf eine Schwermetallbelastung durch Leitungen und Kessel hindeutet.

Erst im Laufe der Zeit verbesserten sich die Bedingungen deutlich. Technologische Weiterentwicklungen bei der Wasserförderung und schließlich der Anschluss an ein Aquäduktsystem im ersten Jahrhundert nach Christus sorgten für eine stabilere Wasserversorgung, höhere Temperaturen und häufigeren Wasserwechsel.

Pompeji wurde im Jahr 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuv verschüttet und dadurch außergewöhnlich gut konserviert. Seit 1997 gehört die Ausgrabungsstätte zum UNESCO-Weltkulturerbe. OZD 

OZD-Kommentar
Die römische Badekultur gilt bis heute als Sinnbild für Fortschritt, Sauberkeit und Urbanität. Doch die neue Studie entzaubert dieses Idealbild deutlich. Hygiene war kein Selbstläufer, sondern Ergebnis technischer Entwicklung – und oft dem Zufall geschuldet. Der Blick nach Pompeji zeigt: Auch hochentwickelte Gesellschaften leben lange mit Missständen, die erst im Nachhinein sichtbar werden. Fortschritt ist selten so sauber, wie er im Rückblick erscheint.



Historischer Hintergrund
Öffentliche Thermen waren im Römischen Reich zentrale soziale Treffpunkte. Sie dienten nicht nur der Körperpflege, sondern auch dem Austausch von Nachrichten und Geschäften. Während spätere römische Städte über ausgeklügelte Aquädukte verfügten, waren frühe Badeanlagen häufig auf lokale Brunnen angewiesen. Die hygienischen Standards variierten daher stark – ein Aspekt, der lange unterschätzt wurde.

Zukunftsprognose
Die Ergebnisse dürften die Forschung zur Alltagsgeschichte der Antike nachhaltig beeinflussen. Künftige Studien könnten Hygienestandards in weiteren römischen Städten neu bewerten und das Bild einer durchgehend sauberen Antike weiter relativieren. Auch moderne Debatten über öffentliche Hygiene profitieren von solchen historischen Vergleichsstudien.




Erklärung: Was waren römische Thermen?
Römische Thermen waren öffentliche Badeanlagen mit Warm-, Heiß- und Kaltwasserbecken. Sie wurden meist staatlich betrieben und waren für große Teile der Bevölkerung zugänglich.

Lernbox
– Älteste Bäder Pompejis stammen aus ca. 130 v. Chr.
– Badewasser wurde anfangs kaum erneuert
– Organische Verunreinigungen nachgewiesen
– Verbesserungen erst durch Aquädukt im 1. Jh. n. Chr.



Quizfrage
Aus welcher Quelle stammte das Badewasser in den frühen Thermen von Pompeji?

OZD-Extras
Richtige Antwort: Aus tiefen Brunnen.
Fun Fact: Trotz schlechter Hygiene waren römische Thermen extrem beliebt – tägliches Baden war für viele Römer selbstverständlich.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.


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