Die Zahl der durch Lebensmittel ausgelösten Krankheitsausbrüche ist in Deutschland im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Insgesamt wurden 271 Ausbrüche mit mindestens 2400 Erkrankten registriert. Damit liegt die Zahl spürbar über dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Besonders alarmierend: 451 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden, acht Menschen starben infolge der Erkrankungen.
Als lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch gilt, wenn mindestens zwei Personen nach dem Verzehr desselben Lebensmittels erkranken. Auch 2024 waren bakterielle Erreger die Hauptursache. Besonders häufig wurden Salmonellen und Campylobacter nachgewiesen. Die Infektionen äußern sich meist durch Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen und können vor allem für Kinder, Ältere und immungeschwächte Menschen gefährlich werden.
Auffällig ist die Rolle bestimmter Lebensmittelgruppen. Fleisch und Fleischerzeugnisse sowie Gemüse und Gemüseprodukte waren am häufigsten betroffen. Tierische Lebensmittel machten knapp die Hälfte aller Ausbrüche aus, pflanzliche Produkte rund ein Drittel. Zudem wurden erstmals die meisten Krankheitsausbrüche in Take-Away- und Fast-Food-Betrieben gemeldet, noch vor Privathaushalten.
OZD-Kommentar
Diese Zahlen sind kein statistischer Ausrutscher, sie sind ein Warnsignal. Wenn innerhalb eines Jahres hunderte Krankheitsausbrüche gemeldet werden, Menschen sterben und Fast-Food-Betriebe plötzlich an der Spitze der Verursacher stehen, dann ist das kein individuelles Fehlverhalten mehr, sondern ein strukturelles Versagen. Politik, Kontrolle und Branche haben sich zu lange darauf verlassen, dass „schon nichts passiert“. Doch moderne Ernährung, globale Lieferketten und der Boom von To-go-Produkten verlangen mehr als Stichproben und Appelle an die Eigenverantwortung. Besonders fatal ist die Illusion, pflanzliche Lebensmittel seien per se ungefährlich – sie sind es nicht, wenn Hygiene, Kühlung und Herkunftskontrolle versagen. Der Staat muss Kontrollen ausweiten, transparenter machen und dort eingreifen, wo wirtschaftlicher Druck Hygiene verdrängt. Andernfalls wird Essen in Deutschland weiter zur unterschätzten Gefahr – und der nächste Anstieg ist nur eine Frage der Zeit.
Historischer Hintergrund:
Lebensmittelbedingte Erkrankungen begleiten moderne Gesellschaften seit
Beginn industrieller Lebensmittelproduktion. Während früher vor allem
mangelnde Kühlung und Hygiene Probleme verursachten, verlagerte sich der
Fokus in den vergangenen Jahrzehnten auf globale Lieferketten,
Massentierhaltung und die steigende Nachfrage nach verzehrfertigen
Produkten. Seit den 1990er-Jahren wurden in Deutschland schrittweise
Meldepflichten, Hygieneverordnungen und Rückverfolgbarkeitssysteme
eingeführt. Dennoch zeigen wiederkehrende Ausbruchswellen, dass
Kontrollen und Verbraucheraufklärung mit der Dynamik moderner Ernährung
oft nicht Schritt halten.

Erklärungen:
Was ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit?
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist eine
Bundesbehörde mit Sitz in Berlin. Es überwacht die Sicherheit von
Lebensmitteln, Futtermitteln, Pflanzenschutzmitteln und
Tierarzneimitteln und sammelt bundesweit Daten zu lebensmittelbedingten
Krankheitsausbrüchen.
Was sind Salmonellen?
Salmonellen sind Bakterien, die vor allem über rohe Eier, eihaltige
Speisen sowie nicht ausreichend erhitztes Fleisch übertragen werden. Sie
gehören zu den häufigsten Ursachen bakterieller
Lebensmittelinfektionen.
Was ist Campylobacter?
Campylobacter-Bakterien sind eine der häufigsten Ursachen von
Durchfallerkrankungen in Europa. Hauptübertragungsquelle ist
unzureichend erhitztes Geflügelfleisch sowie Rohmilch.
OZD-Analyse
Die steigenden Fallzahlen deuten auf strukturelle Probleme hin
– Zunahme von Außer-Haus-Verpflegung
– Zeit- und Kostendruck in Gastronomie und Lieferdiensten
– Hohe Anforderungen an Hygiene bei gleichzeitigem Personalmangel
Der Wandel der Ernährung verstärkt Risiken
– Mehr Rohkost und unverarbeitete pflanzliche Produkte
– Globalisierte Lieferketten mit längeren Transportwegen
– Schwierige Kontrolle bei importierten Lebensmitteln
Prävention bleibt lückenhaft
– Kontrollen greifen oft erst nach Ausbrüchen
– Verbraucher unterschätzen Risiken bei pflanzlichen Lebensmitteln
– Schulungen in kleinen Gastronomiebetrieben sind unzureichend

Mini-Infobox:
271 Krankheitsausbrüche im Jahr 2024
Mindestens 2400 Erkrankte
451 Krankenhausaufenthalte
8 Todesfälle
Fast Food erstmals Hauptauslöser
OZD-Extras:
Besonders tückisch: Viele bakterielle Lebensmittelinfektionen lassen
sich durch einfaches gründliches Erhitzen verhindern – doch gerade
trendige Rohkost, Bowls und To-go-Produkte erhöhen das Risiko.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.