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Lochner zündet die Gold-Rakete – Friedrich wirkt plötzlich verwundbar!

Johannes Lochner dominiert in Cortina den Zweier-Wettbewerb und setzt Francesco Friedrich früh unter Druck. 80 Hundertstel Vorsprung – das Imperium wankt. Wird es das Gold zum Karriere-Abschluss?

Johannes Lochner hat im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo ein Statement gesetzt – und was für eines. Mit zwei nahezu perfekten Läufen raste der 35-Jährige gemeinsam mit Anschieber Georg Fleischhauer an die Spitze des olympischen Zweier-Wettbewerbs und distanzierte seinen Dauerrivalen Francesco Friedrich deutlich. 80 Hundertstelsekunden Rückstand für den Seriensieger zur Halbzeit – ein Wert, der in dieser Weltklassekonkurrenz fast schon wie eine kleine Ewigkeit wirkt.

„Die Bahn geht mir brutal gut von der Hand“, sagte Lochner strahlend, im Kampf um Gold sehe es „schon sehr gut aus.“ Selbst Friedrich, der jahrelang das Maß aller Dinge war, klang ungewohnt ernüchtert. Der Rückstand sei „enorm. Wir haben eigentlich mit einem engen Rennen gerechnet“, sagte der Sachse, dessen Imperium plötzlich Risse zeigt.

Für Lochner ist es der perfekte Auftakt in seine letzte Wettkampfwoche. Nach den Spielen will er seine Karriere beenden – und endlich das eine Gold holen, das ihm bei Großereignissen bislang stets verwehrt blieb. Immer wieder stand ihm Friedrich im Weg, auch bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking, als Lochner sowohl im Zweier als auch im Vierer das Nachsehen hatte.

Doch diesmal scheint alles anders. Schon im Weltcup hatte sich eine Verschiebung der Kräfte angedeutet. Sechs Siege in sieben Zweier-Rennen – Lochner kam mit breiter Brust nach Cortina. „Im Zweier kann ich mich nur selbst schlagen“, hatte er selbstbewusst gesagt. Und er hielt Wort. Zweimal die beste Linie, zweimal die schnellste Zeit, im Ziel die geballte Faust.

Hinter den beiden deutschen Ausnahme-Piloten liegt Adam Ammour mit über einer Sekunde Rückstand bereits deutlich zurück. Die internationale Konkurrenz spielt im Goldkampf derzeit keine Rolle. Alles deutet auf ein deutsches Duell – doch diesmal mit klarer Rollenverteilung. OZD 


OZD-Kommentar – Das Imperium wankt

Francesco Friedrich war über Jahre hinweg unantastbar, beinahe unbesiegbar, der Maßstab im Eiskanal. Doch genau das macht diesen Moment so brisant: Wenn selbst der Dominator offen zugibt, dass der Rückstand „enorm“ ist, dann ist das mehr als nur ein Zwischenstand – es ist ein psychologischer Knackpunkt. Lochner wirkt frei, entschlossen, beinahe erlöst. Friedrich dagegen kämpft plötzlich gegen die Uhr, gegen die Statistik und gegen die Erwartungshaltung. Olympia verzeiht keine kleinen Fehler. Und wer 80 Hundertstel auf dieser Bühne aufholen will, braucht mehr als Routine – er braucht ein Wunder. Sollte Lochner diesen Vorsprung ins Ziel bringen, wäre es nicht nur Gold, sondern die symbolische Wachablösung im deutschen Bob-Sport.

Historischer Hintergrund

Seit Jahren dominiert Deutschland den Zweierbob bei Olympischen Spielen. Namen wie André Lange und Francesco Friedrich stehen für eine Ära nahezu unangreifbarer Erfolge. Friedrich gewann bislang viermal Gold und prägte eine Dekade. Lochner war dabei oft der ewige Zweite – talentiert, schnell, aber im entscheidenden Moment nicht ganz oben.

Zukunftsprognose

Hält Lochner dem Druck stand, könnte dieser Wettbewerb das Machtgefüge im deutschen Bob nachhaltig verändern. Ein Olympiasieg zum Karriereende würde ihn unsterblich machen – und Friedrich erstmals in die Rolle des Jägers zwingen. Selbst bei einer Wende bleibt: Das Duell hat eine neue Dynamik bekommen.



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Mini-Infobox

Vorsprung Lochner: 0,80 Sekunden

Weltcupsiege 2025 (Zweier): 6 von 7

Karriereende Lochner: nach Olympia

Ziel Friedrich: fünftes Olympiagold

OZD-Analyse

Psychologischer Vorteil
– Lochner fährt befreit, ohne Zukunftsdruck
– Friedrich steht unter historischem Erwartungsdruck

Technische Dominanz
– Beste Linienwahl in beiden Läufen
– Konstante Startzeiten mit Georg Fleischhauer

Historische Dimension
– a) Mögliches erstes Gold für Lochner
– b) Verpasster Rekord für Friedrich?
– c) Signalwirkung für kommende Generationen

Wer ist Johannes Lochner?

Johannes Lochner ist ein deutscher Bobpilot aus Bayern und zählt seit Jahren zur absoluten Weltspitze im Zweier- und Viererbob. Der 1990 geborene Athlet gewann mehrere Weltcup-Gesamtwertungen und Medaillen bei Weltmeisterschaften. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking holte er Silber im Zweier und Vierer. Nach den Winterspielen in Cortina d’Ampezzo beendet er seine Karriere.

Wer ist Francesco Friedrich?

Francesco Friedrich ist ein deutscher Bobpilot aus Sachsen und einer der erfolgreichsten Athleten der Sportart. Er gewann bislang vier olympische Goldmedaillen sowie zahlreiche Weltmeistertitel. Friedrich gilt als präzisester Pilot seiner Generation und dominierte über Jahre hinweg den internationalen Bobsport.

OZD-Extras

Der Eiskanal von Cortina gilt als technisch extrem anspruchsvoll. Besonders der untere Streckenabschnitt entscheidet häufig über Sieg oder Niederlage – genau dort nahm Lochner seinem Rivalen entscheidende Hundertstel ab.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.