Im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump erstmals den Einsatz militärischer Gewalt ausgeschlossen, zugleich jedoch den sofortigen Beginn von Verhandlungen über einen „Kauf“ der Arktisinsel durch die USA gefordert. In seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos verschärfte Trump zudem seine Kritik an Europa und setzte Dänemark offen unter Druck.
„Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden“, sagte Trump mit Blick auf Grönland. In den vergangenen Wochen hatte er militärische Optionen noch nicht ausgeschlossen. Nun erklärte er, die Vereinigten Staaten seien mit ihrer „unaufhaltbaren Kraft“ die einzigen, die Grönland ausreichend schützen könnten. Aus Gründen der nationalen und internationalen Sicherheit fordere er daher umgehend Gespräche über einen Erwerb der Insel.
Trump richtete eine klare Drohkulisse an Dänemark, zu dem das autonome Gebiet gehört: „Sie können Ja sagen, und wir werden das zu schätzen wissen. Oder Sie können Nein sagen – und das werden wir uns merken.“ Grönland ist Teil des Nato- und EU-Mitglieds Dänemark, was den Konflikt zu einer Belastungsprobe für das Bündnis macht.
Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen bezeichnete Trumps Gewaltverzicht als „positives Zeichen“. Zugleich sei nach der Rede aber klar, dass die Ambitionen des US-Präsidenten „unverändert bestehen bleiben“, Grönland den USA einzuverleiben. Die grönländische Regierung reagierte ebenfalls sichtbar alarmiert und stellte eine Krisenbroschüre für die Bevölkerung vor. Dies sei eine reine „Sicherheitsvorkehrung“, erklärte Selbstversorgungsminister Peter Borg in Nuuk.
In Davos dominierte der Grönland-Streit die Gespräche und überlagerte andere Themen wie den Krieg in der Ukraine. Trump nutzte seinen Auftritt für eine Generalabrechnung mit Europa. Der Kontinent entwickle sich „nicht in die richtige Richtung“, sagte er und verwies auf Migration, Handelsdefizite und Energiepolitik. Den Ausbau erneuerbarer Energien bezeichnete Trump erneut als „größten Betrug der Geschichte“ und machte Windkraft für angeblich steigende Energiepreise verantwortlich.
Deutschland nahm Trump ausdrücklich aus: Der derzeitige Kanzler Friedrich Merz sei „nicht schuld“ an den Problemen, vielmehr löse er sie, sagte der US-Präsident. Zugleich betonte Trump, die USA hätten „mit der Ukraine nichts zu tun“. Es sei Aufgabe Europas und der Nato, sich um den Krieg zu kümmern. Für Donnerstag kündigte Trump ein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj in Davos an.
OZD
OZD-Kommentar – Gewaltverzicht mit Hintergedanken
Trumps Verzicht auf militärische Gewalt klingt beruhigend, ist aber kein
Rückzug. Im Gegenteil: Mit Kaufdrohungen, Zöllen und politischem Druck
betreibt er Machtpolitik mit wirtschaftlichen Mitteln. Grönland wird zum
Testfall, wie widerstandsfähig Europa und die Nato gegenüber einem
US-Präsidenten sind, der Bündnisse als Verhandlungsmasse begreift.
Historischer Hintergrund
Die USA zeigten bereits mehrfach Interesse an Grönland. Schon 1946 bot
Washington Dänemark Geld für die Insel. Strategisch ist Grönland wegen
seiner Lage in der Arktis, seiner Rohstoffe und militärischer
Infrastruktur von hoher Bedeutung. Trumps erneute Forderungen knüpfen an
diese lange Tradition an, sprengen aber diplomatische Konventionen.
Zukunftsprognose
Verhandlungen über Grönland dürften kaum zu einem Verkauf führen.
Wahrscheinlicher ist eine Eskalation auf wirtschaftlicher Ebene – mit
Zöllen, Gegenzöllen und wachsendem Misstrauen innerhalb der Nato. Die EU
wird gezwungen sein, geschlossen zu reagieren, um einen Präzedenzfall
zu verhindern.

Gewinnspiel
Quizfrage: Was schloss Trump in Davos erstmals ausdrücklich aus?
A) Wirtschaftssanktionen
B) Militärische Gewalt gegen Grönland
C) Verhandlungen mit Dänemark
D) Treffen mit Selenskyj
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Wissensblock
OZD-Analyse
Trumps Strategie
– a) Gewaltverzicht als Beruhigungssignal
– b) Wirtschaftlicher Druck statt Militär
– c) Bilaterale Machtpolitik
Auswirkungen auf Europa
– a) Spaltung innerhalb der Nato
– b) Zolldrohungen als Druckmittel
– c) Zwang zur gemeinsamen EU-Antwort
Globale Dimension
– a) Bedeutung der Arktis
– b) Rivalität mit China und Russland
– c) Schwächung multilateraler Ordnung
Lernbox
Internationale Konflikte werden zunehmend mit wirtschaftlichen Hebeln
ausgetragen – Gewaltandrohungen werden durch Handels- und Machtpolitik
ersetzt.
Mini-Infobox
– Ort: Weltwirtschaftsforum Davos
– Thema: Grönland-Streit
– Trump-Position: Kaufverhandlungen ja, Gewalt nein
– Reaktion Dänemark: Vorsichtig positiv
– Risiko: Nato-Spaltung
OZD-Extra
Grönland ist flächenmäßig größer als Westeuropa, hat aber weniger als
60.000 Einwohner – strategisch zählt es zu den sensibelsten Regionen der
Welt.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.