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Neue Pentagon-Doktrin schockt die Verbündeten - Europa soll sich selbst verteidigen

Die neue US-Verteidigungsstrategie markiert einen historischen Bruch: Washington zieht militärische Konsequenzen und verlangt von Europa mehr Eigenverantwortung. Die USA konzentrieren sich auf sich selbst – und auf China.

Die US-Regierung hat in ihrer neuen Verteidigungsstrategie einen grundlegenden Strategiewechsel bekräftigt, den Präsident Donald Trump seit Monaten ankündigt. Das US-Militär soll sich künftig stärker auf die Verteidigung des eigenen Staatsgebiets sowie auf den indopazifischen Raum konzentrieren. Europa und andere Verbündete sollen dagegen mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen.

„Da sich die US-Streitkräfte auf die Verteidigung ihres eigenen Gebiets und den indopazifischen Raum konzentrieren, werden unsere Verbündeten und Partner in anderen Regionen die Hauptverantwortung für deren eigene Verteidigung übernehmen“, heißt es in dem vom Pentagon veröffentlichten Dokument.

In Europa sollen die Verbündeten künftig die Führung bei der Bekämpfung von Bedrohungen übernehmen. Die USA würden zwar weiterhin unterstützen, allerdings „entscheidend, aber stärker begrenzt“. Washington macht damit unmissverständlich klar: Der bisherige Sicherheitsgarant zieht sich schrittweise zurück.

Deutlich wird auch der Bruch mit der Verteidigungsstrategie aus dem Jahr 2022 unter Präsident Joe Biden. Während damals China und Russland als zentrale globale Bedrohungen formuliert wurden, legt die Trump-Regierung den Schwerpunkt nun auf innere Sicherheit, Grenzschutz und irreguläre Migration – sowie auf die Verpflichtung der Verbündeten, deutlich mehr für ihre eigene Verteidigung zu leisten.

Europa bleibe zwar wichtig, habe aber einen „kleineren und schrumpfenden Anteil an der weltweiten Wirtschaftskraft“, heißt es. Daraus folge zwangsläufig, dass die USA der Abschreckung Chinas und der Verteidigung des eigenen Territoriums Priorität einräumen müssten.

Russland wird in dem Strategiepapier als „anhaltende, aber beherrschbare Bedrohung“ bezeichnet. Moskau sei nicht in der Lage, eine Vorherrschaft in Europa anzustreben. Die europäischen Nato-Staaten seien Russland wirtschaftlich, demografisch und militärisch überlegen. „Alleine die deutsche Volkswirtschaft stellt Russland in den Schatten“, heißt es wörtlich.

Scharfe Kritik übt das Pentagon am Umgang der Nato mit dem Ukraine-Krieg. Die Allianz sei nicht in der Lage gewesen, die russische Invasion zu verhindern oder wirksam darauf zu reagieren. Die frühere US-Regierung habe Verbündete faktisch zu einem sicherheitspolitischen „Trittbrettfahren“ ermutigt.

China wird in dem Dokument deutlich weniger konfrontativ beschrieben als zuvor. Die USA strebten „respektvolle Beziehungen“ an. Bemerkenswert: Taiwan wird nicht ein einziges Mal erwähnt.

Ganz oben auf der Agenda steht stattdessen Lateinamerika. Die USA wollen ihre militärische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherstellen. Die Strategie wird ausdrücklich als „Trump-Ableitung der Monroe-Doktrin“ bezeichnet.

Der Klimawandel, unter Biden noch als sicherheitspolitisches Risiko eingestuft, spielt keine Rolle mehr. Dafür wird irreguläre Migration als erhebliche Bedrohung definiert. Das Militär soll künftig auch für Grenzsicherung und Abschiebungen eingesetzt werden.

OZD



OZD-Kommentar – Das Ende der sicherheitspolitischen Bequemlichkeit

Diese Strategie ist ein Weckruf – und eine Abrechnung. Die USA kündigen nicht die Nato auf, aber sie beenden endgültig die europäische Komfortzone. Jahrzehntelang hat Europa von amerikanischer Sicherheitsgarantie profitiert, ohne proportional zu investieren. Trump formuliert das nun brutal offen. Wer glaubt, dies sei nur Wahlkampfrhetorik, verkennt die Tiefe dieses Kurswechsels. Europas sicherheitspolitische Stunde der Wahrheit hat begonnen.

Historischer Hintergrund

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die USA Europas Sicherheit maßgeblich garantiert. Spätestens seit Trumps erster Amtszeit wächst jedoch der Druck auf Nato-Staaten, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Der Ukraine-Krieg hat diese Debatte verschärft – nun folgt die strategische Konsequenz.

Zukunftsprognose

Europa wird gezwungen sein, militärisch unabhängiger zu werden. Höhere Verteidigungsausgaben, gemeinsame Rüstungsprojekte und eine stärkere EU-Sicherheitsarchitektur dürften folgen. Gleichzeitig wächst die Gefahr strategischer Brüche innerhalb der Nato – insbesondere, wenn Europa nicht schnell handlungsfähig wird.


Gewinnspiel

Worauf konzentrieren sich die USA laut neuer Verteidigungsstrategie künftig besonders?
A) Naher Osten
B) Afrika
C) Europa
D) Indopazifik

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Wissensblock OZD-Analyse

Strategische Neuausrichtung
– a) Fokus auf US-Territorium
– b) Priorität Indopazifik
– c) Reduzierte Rolle in Europa

Folgen für Europa
– a) Mehr Eigenverantwortung
– b) Höhere Verteidigungsausgaben
– c) Politischer Druck auf Nato

Globale Auswirkungen
– a) Abschwächung multilateraler Ordnung
– b) Verschiebung geopolitischer Machtzentren
– c) Neue Unsicherheiten für Bündnisse

Lernbox

Sicherheitsstrategien spiegeln nicht nur Bedrohungen wider, sondern politische Prioritäten – und Machtverschiebungen.

Mini-Infobox

– Herausgeber: Pentagon
– Präsident: Donald Trump
– Schwerpunkt: USA & Indopazifik
– Kernaussage: Europa muss sich selbst verteidigen

OZD-Extra

Erstmals seit Jahrzehnten stellt eine US-Verteidigungsstrategie offen infrage, ob Europa weiterhin Kernschwerpunkt amerikanischer Sicherheitspolitik bleibt.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.