Die Spitzen der Deutsche Fußball Liga und des Rekordmeisters FC Bayern München haben sich klar gegen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer ausgesprochen. Ligapräsident Hans-Joachim Watzke erklärte beim Neujahrsempfang der DFL in Frankfurt, die Zeit für eine Boykott-Debatte sei „momentan nicht reif“ und daher „völlig fehl am Platz“.
Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen wies Boykott-Forderungen ebenfalls deutlich zurück. Mit Blick auf Aussagen von Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli sowie Vizepräsident beim Deutscher Fußball-Bund und der DFL, sprach Dreesen von einer Einzelmeinung. Es habe noch nie eine Weltmeisterschaft gegeben, die boykottiert worden sei. Er sehe keinen Grund, warum Deutschland nicht teilnehmen sollte.
Göttlich hatte im Vorfeld des Empfangs öffentlich Antworten von den Fußballverantwortlichen gefordert, unter anderem von DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Der Zeitpunkt für eine ernsthafte Diskussion sei gekommen, sagte Göttlich mit Blick auf die politische Lage rund um den Co-Gastgeber USA. Das Leben eines Profifußballers sei nicht mehr wert als das vieler Menschen in Regionen, die von der Politik der Vereinigten Staaten direkt oder indirekt bedroht würden.
Hintergrund der Debatte sind die aggressive Außen- und Innenpolitik von Donald Trump, darunter Streitigkeiten um Grönland, neue Zoll-Drohungen gegenüber Kanada sowie eskalierende Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE mit tödlichen Folgen. In der Politik wurden erste Boykott-Gedanken laut.
In Frankfurt legte Göttlich nach und erklärte gegenüber der Sportschau, er würde persönlich davon abraten, unter den aktuellen Umständen in die USA zu reisen. Die politische Instrumentalisierung des Fußballs gehe nicht von ihm oder seinem Klub aus, sondern von Gianni Infantino und Trump, denen er eine Propagandainszenierung vorwarf. Die nicht boykottierte WM 2018 in Russland habe gezeigt, welche Folgen es habe, autoritären Systemen eine große Bühne zu bieten. In den Gremien von DFB und DFL seien seine Vorstöße kritisch aufgenommen worden.
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OZD-Kommentar – Der Fußball drückt sich vor der VerantwortungWatzke und Dreesen setzen auf Kontinuität, wo eigentlich Haltung gefragt wäre. Der reflexhafte Verweis darauf, dass es „noch nie“ einen Boykott gegeben habe, wirkt wie eine bequeme Ausrede. Fußball ist längst politisch – ob die Funktionäre es wollen oder nicht. Wer die Augen vor autoritären Tendenzen und Menschenrechtsfragen verschließt, macht sich mitschuldig an ihrer Normalisierung. Göttlich mag eine Einzelstimme sein, doch manchmal braucht es genau diese, um Debatten überhaupt anzustoßen. Wegducken war noch nie eine Tugend.
Historischer HintergrundBoykott-Debatten begleiten den internationalen Sport seit Jahrzehnten. Ob Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften – immer wieder standen politische Konflikte im Schatten großer Turniere. Die WM 2018 in Russland wurde trotz massiver Kritik an der Politik des Kremls nicht boykottiert, ebenso wenig die WM 2022 in Katar trotz Menschenrechtsvorwürfen. Der Fußball entschied sich regelmäßig für Teilnahme statt Protest – mit langfristigen Folgen für seine Glaubwürdigkeit.
ZukunftsprognoseDie Boykott-Frage wird nicht verschwinden. Je näher das Turnier rückt und je stärker sich politische Spannungen zuspitzen, desto größer wird der öffentliche Druck auf Verbände und Nationalmannschaften. Selbst wenn ein offizieller Boykott ausbleibt, drohen Imageschäden und Protestaktionen. Der Weltfußball steht vor der Wahl: weiter auf Neutralität setzen – oder sich endlich zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung bekennen.
Gewinnspiel
Wer bezeichnete die Boykott-Forderungen im Zusammenhang mit der WM als „völlig fehl am Platz“?
A) Oke Göttlich
B) Jan-Christian Dreesen
C) Hans-Joachim Watzke
D) Gianni Infantino
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– WM im Sommer in den USA
– Boykott-Forderungen aus dem Fußball
– DFL und FC Bayern klar dagegen
– Kritik an US-Politik von Trump
– Kontroverse in DFB und DFL
1. Sportpolitische Dimension
a) Fußball als globale Bühne
b) Boykott als politisches Instrument
c) Angst vor Präzedenzfällen
2. Verbandsinteressen
a) Wirtschaftliche Abhängigkeiten
b) Nähe zur FIFA
c) Imageschutz der Turniere
3. Gesellschaftliche Wirkung
a) Glaubwürdigkeitsverlust des Fußballs
b) Wachsende Fan-Kritik
c) Polarisierung innerhalb der Verbände
Die FIFA ist der Weltfußballverband und organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaften. Sie steht regelmäßig in der Kritik, politische und wirtschaftliche Interessen über Menschenrechtsfragen zu stellen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
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Noch nie zuvor war die politische Debatte um eine Fußball-WM in Deutschland so offen und kontrovers wie in diesem Jahr.