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KI hört Demenz, bevor Tests sie sehen

Ein neues KI-Tool aus Bonn erkennt Demenz anhand von Sprache – mit hoher Trefferquote und lange bevor klassische Tests anschlagen.

Forschende des Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn haben ein KI-gestütztes Diagnoseverfahren entwickelt, das Demenz bereits in sehr frühen Stadien anhand von Sprache und Sprechmustern erkennen kann. Das System analysiert Alltagsgespräche auf feine Veränderungen wie Pausenlängen, Wortfindungsstörungen und die Komplexität von Satzstrukturen – Hinweise, die auf beginnende neurodegenerative Erkrankungen hindeuten können.

In einer Studie mit 500 Probandinnen und Probanden über 65 Jahren identifizierte das KI-Modell leichte kognitive Beeinträchtigungen mit einer Genauigkeit von 92 Prozent. Bemerkenswert: Die Auffälligkeiten wurden erkannt, noch bevor gängige Standardtests wie der Mini-Mental-Status-Test messbare Defizite zeigten. Damit könnte das Verfahren eine entscheidende Lücke in der Frühdiagnostik schließen.

Geleitet wurde die Untersuchung von Sarah Müller, die mit ihrem Team Sprachaufnahmen aus klinischen Gesprächen sowie anonymisierte Smartphone-Daten auswertete. Die KI lernte dabei, subtile Muster zu erkennen, die für menschliche Zuhörer oft kaum wahrnehmbar sind.

Die Forschenden sehen großes Potenzial für den praktischen Einsatz. Perspektivisch könnte das Tool in Hausarztpraxen oder Pflegeeinrichtungen genutzt werden, um Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren und schneller therapeutische Maßnahmen einzuleiten. Zugleich mahnt das Team zur Vorsicht: Kulturelle und sprachliche Unterschiede müssten zwingend berücksichtigt werden, zudem könne die KI ärztliche Diagnosen nicht ersetzen, sondern nur unterstützen.

OZD 

OZD-Kommentar – Wenn Sprache zur Diagnose wird

Dass Demenz sich zuerst im Sprechen zeigt, wissen Ärzte seit Langem. Neu ist, dass eine Maschine diese Warnzeichen systematisch und objektiv erkennen kann. Das ist eine Chance – aber auch eine Verantwortung. Wer Sprache auswertet, greift tief in die Persönlichkeit ein. Der medizinische Nutzen ist enorm, doch ohne klare Regeln droht ein Vertrauensverlust. KI darf nicht urteilen, sondern helfen.

Historischer Hintergrund

Die Demenzdiagnostik stützt sich traditionell auf Gedächtnistests, neuropsychologische Verfahren und bildgebende Diagnostik. Frühstadien bleiben dabei oft unentdeckt, da subtile kognitive Veränderungen lange unterhalb der diagnostischen Schwelle liegen. Sprachveränderungen gelten seit Jahren als möglicher früher Marker, waren bislang aber schwer objektiv messbar.

Zukunftsprognose

Sollte sich das Verfahren in weiteren Studien bestätigen, könnte Sprachanalyse zu einem festen Bestandteil der Vorsorgemedizin werden. Frühere Diagnosen würden den Zugang zu Therapien beschleunigen und Betroffenen mehr Zeit für Planung und Behandlung verschaffen. Voraussetzung bleibt jedoch eine enge ärztliche Begleitung und ethische Absicherung.


Gewinnspiel

Woran erkennt das neue KI-Tool mögliche Demenz frühzeitig?

A) An Blutwerten
B) An Gehirnscans
C) An Sprache und Sprechmustern
D) An Bewegungsdaten

Jetzt teilnehmen:
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Mini-Infobox

– Entwicklung: KI-Sprachanalyse
– Teilnehmer: 500 Personen
– Trefferquote: 92 Prozent
– Vorteil: Früher als Standardtests
– Einsatz: Hausarztpraxis & Pflege

OZD-Analyse

1. Medizinischer Mehrwert
a) Sehr frühe Risikoerkennung
b) Niedrigschwellige Anwendung
c) Ergänzung bestehender Diagnostik

2. Technische Herausforderungen
a) Sprach- und Kulturunterschiede
b) Datenqualität entscheidend
c) Gefahr von Fehlinterpretationen

3. Gesellschaftliche Bedeutung
a) Demenz als Volkskrankheit
b) Entlastung von Pflege und Medizin
c) Hoher ethischer Regelungsbedarf

Was ist das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen?

Das DZNE ist ein nationales Forschungszentrum mit Standorten in ganz Deutschland. Es untersucht Ursachen, Prävention und Therapie von Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und ALS und verbindet Grundlagenforschung mit klinischer Anwendung.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild OZD

OZD-Extras

Demenz betrifft in Deutschland derzeit rund 1,8 Millionen Menschen – Tendenz steigend.