Die Berliner Philharmoniker betreten musikalisches Neuland. Erstmals hat das weltberühmte Orchester ein Werk eines KI-Komponisten in sein Abonnementprogramm aufgenommen. Die 25-minütige „Symfonia Nova“ entstand mithilfe der Kompositionssoftware Aiva in enger Zusammenarbeit mit dem Musiker Nils Frahm und wird in der kommenden Woche unter der Leitung von Kirill Petrenko uraufgeführt.
In einer mehrmonatigen Pilotphase wurde die KI mit rund 500 sinfonischen Werken des 20. Jahrhunderts trainiert. Auf dieser Grundlage generierte das System eine vollständige Sinfonie, die Frahm anschließend musikalisch strukturierte, verfeinerte und klanglich zuspitzte. Parallel arbeitete das Digital Concert Hall Team der Philharmoniker intensiv mit Entwicklern aus Luxemburg zusammen, um das Werk an die spezifischen Klangideale des Orchesters anzupassen.
Intendant Andreas Weinmann spricht von einem Meilenstein. Die Verbindung aus algorithmischer Kreativität und menschlicher Interpretation stehe exemplarisch für den Anspruch des Orchesters, Tradition nicht zu bewahren, sondern weiterzuentwickeln. Man wolle damit auch ein jüngeres Publikum ansprechen, das mit digitalen Technologien aufgewachsen sei.
Doch das Projekt polarisiert. Kritische Stimmen bemängeln, dass künstliche Intelligenz bislang keine echte emotionale Tiefe erzeugen könne und letztlich auf menschliche Auswahl, Korrektur und Interpretation angewiesen bleibe. Gerade deshalb, so entgegnen die Verantwortlichen, sei die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Frahm entscheidend gewesen.
Die Aufführung wird live gestreamt und weltweit abrufbar sein. Intern gilt das Projekt bereits als Blaupause für weitere KI-Kollaborationen im klassischen Musikbetrieb.
OZD
OZD-Kommentar – Fortschritt braucht GefühlDie Philharmoniker riskieren etwas – und genau das ist ihre Stärke. KI als Werkzeug kann inspirieren, strukturieren, überraschen. Doch ohne menschliche Erfahrung bleibt Musik berechneter Klang. „Symfonia Nova“ zeigt: Die Zukunft liegt nicht im Entweder-oder, sondern im Zusammenspiel. Wer die Technik verteufelt, verpasst Chancen. Wer den Menschen ersetzt, verliert die Seele.
Historischer HintergrundKomponieren mit Maschinen ist kein neues Phänomen. Bereits im 20. Jahrhundert experimentierten Künstler mit Zufallsverfahren und Computeralgorithmen. Neu ist jedoch die Rechenleistung moderner KI, die stilistische Merkmale ganzer Epochen analysieren und eigenständig neue Werke erzeugen kann – erstmals nun im Kernrepertoire eines Spitzenorchesters.
ZukunftsprognoseKI-Kompositionen werden den klassischen Kanon nicht verdrängen, aber ergänzen. In hybriden Modellen könnten künftig neue Formen entstehen, die Kreativität beschleunigen und Konzertprogramme öffnen. Entscheidend bleibt die kuratierende Rolle des Menschen – als Komponist, Interpret und Kritiker.

Wie heißt das KI-Werk, das bei den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wird?
A) Digital Symphony
B) Symfonia Nova
C) Algorithmus No. 1
D) Neue Maschine
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– Werk: Symfonia Nova
– Dauer: ca. 25 Minuten
– Komposition: KI-Software Aiva + Nils Frahm
– Leitung: Kirill Petrenko
– Premiere: Abonnementkonzert & Livestream
1. Künstlerische Dimension
a) KI als Inspirationsquelle
b) Menschliche Nachbearbeitung entscheidend
c) Neue Formen der Autorenschaft
2. Institutionelle Wirkung
a) Öffnung eines Traditionsorchesters
b) Signal an jüngere Zielgruppen
c) Internationale Aufmerksamkeit
3. Kritische Fragen
a) Emotionale Tiefe algorithmischer Musik
b) Urheberrecht und Autorschaft
c) Abhängigkeit von Trainingsdaten

Die Berliner Philharmoniker zählen zu den renommiertesten Orchestern der Welt. Seit ihrer Gründung 1882 stehen sie für höchste musikalische Qualität, interpretatorische Exzellenz und stilprägende Innovationen im klassischen Konzertbetrieb.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild OZD
OZD-ExtrasAiva wird bereits von Filmmusik- und Games-Studios genutzt – der Schritt in den klassischen Konzertsaal gilt als kulturelle Zäsur.