... und damit unfreiwillig Hoffnung beim deutschen Team geweckt. Trotz klarer Favoritenrolle sieht der Weltmeister und Olympiasieger seine Mannschaft unter erheblichem Druck. Der Grund: massive Personalsorgen am Kreis.
„Sie bekommen keine bessere Chance“, sagte Jacobsen mit Blick auf Deutschland vor dem Endspiel am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF). „Wenn wir bei den Deutschen fünf Kreisläufer wegnehmen würden, hätten sie auch einige Herausforderungen. Wenn sie uns einmal schlagen wollen, dann sollten sie versuchen, das am Sonntag zu tun.“
Dänemark muss im Finale gleich auf mehrere Kreisläufer verzichten. Bereits während des Turniers fielen Lukas Jörgensen und Emil Bergholt aus, zudem stehen Andreas Magaard und Frederik Ladefoged nicht zur Verfügung. Im Halbfinale gegen Island (31:28) traf es schließlich auch noch Simon Hald, der nach einem Gesichtstreffer ins Krankenhaus musste. Sein Einsatz ist fraglich.
„Wenn fünf Kreisläufer fehlen, dann glaube ich, dass ich das nicht so genießen kann“, räumte Jacobsen ein. „Mit einem anderen Bauchgefühl wäre es einfacher.“
Und doch versucht der frühere Bundesliga-Coach, Leichtigkeit zu vermitteln. Seit zehn Jahren hat Dänemark kein Pflichtspiel mehr gegen Deutschland verloren. „Der Druck ist nur positiv“, sagte Jacobsen. „Diese Jungs müssen nichts beweisen. Sie haben fast alles gewonnen. Sie sollen Spaß haben – darum hat man doch angefangen, Handball zu spielen.“
Für Dänemark geht es um mehr als nur einen weiteren Titel. Nach vier Weltmeisterschaften in Serie und Olympiagold 2016 und 2024 fehlt dem Team ausgerechnet ein EM-Triumph. Der letzte Titel datiert aus dem Jahr 2012. Und Herning ist dabei ein Ort mit schmerzhaften Erinnerungen: 2014 setzte es hier im EM-Finale eine historische 32:41-Niederlage gegen Frankreich.
Deutschland reist hingegen mit Rückenwind an. Das Team von Alfred Gislason hat mit dem Halbfinalsieg gegen Kroatien erstmals seit zehn Jahren wieder ein EM-Endspiel erreicht – und nichts zu verlieren.
OZD
OZD-Kommentar – Der Favorit zweifelt, der Herausforderer glaubt
Wenn ein Serien-Weltmeister seinem Gegner öffentlich sagt, „Wenn ihr uns schlagen wollt, dann jetzt“, ist das mehr als Psychologie – es ist ein Riss im dänischen Selbstverständnis. Deutschland steht nicht unter Druck, Dänemark schon. Genau darin liegt die Chance. Ein Finale gewinnt nicht immer das bessere Team – sondern das mutigere.
Historischer Hintergrund
Dänemark dominiert den Welthandball seit über einem Jahrzehnt, doch ausgerechnet bei Europameisterschaften blieb der ganz große Durchmarsch aus. Seit dem EM-Titel 2012 scheiterten die Skandinavier mehrfach knapp – darunter 2014 im eigenen Land. Deutschland wartet seit 2016 auf EM-Gold.
Zukunftsprognose
Sollte Deutschland die Verletzungsmisere der Dänen nutzen, könnte ein Generationenwechsel im europäischen Handball eingeläutet werden. Ein deutscher Sieg würde das Machtgefüge verschieben – und Dänemarks Aura der Unbesiegbarkeit ankratzen.
Gewinnspiel
Wie viele Kreisläufer fehlen Dänemark laut Trainer Jacobsen im EM-Finale?
A) Zwei
B) Drei
C) Vier
D) Fünf
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Mini-Infobox
– Finale: Deutschland vs. Dänemark
– Ort: Herning (Jyske Bank Boxen)
– Anstoß: Sonntag, 18.00 Uhr
– Dänemark: Mehrere Ausfälle am Kreis
– Deutschland: Erstes EM-Finale seit 2016
OZD-Analyse
1. Dänemarks Lage
a) Massive Verletzungssorgen
b) Psychologischer Druck als Favorit
c) Fehlende Alternativen am Kreis
2. Deutschlands Chance
a) Außenseiterrolle ohne Druck
b) Stabile Defensive
c) Emotionaler Rückenwind aus dem Halbfinale
3. Schlüssel zum Finale
a) Tempospiel gegen dezimierten Gegner
b) Belastungssteuerung
c) Nervenstärke in der Crunchtime
Wer ist Nikolaj Jacobsen?
Nikolaj Jacobsen ist einer der erfolgreichsten Handballtrainer der Welt. Der frühere Bundesliga-Coach führte Dänemark zu vier WM-Titeln in Serie und zwei Olympiasiegen. Sein Führungsstil kombiniert taktische Präzision mit mentaler Freiheit.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Dänemark hat seit 2014 kein EM-Finale mehr gewonnen – trotz weltweiter Dominanz.
