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Die „Mutter-Heimat“-Statue ist beschädigt

Ein russischer Nachtangriff trifft nicht nur Wohnhäuser, sondern auch das historische Selbstverständnis der Ukraine: Die ikonische „Mutter-Heimat“-Statue in Kiew wurde beschädigt – Kulturministerin spricht von einem zynischen Symbolschlag.

Bei einem nächtlichen russischen Angriff ist nach ukrainischen Angaben ein monumentales Weltkriegs-Mahnmal beschädigt worden. Die ukrainische Kulturministerin Tetjana Bereschna sprach in sozialen Netzwerken von einem „symbolischen und zynischen“ Akt. Betroffen ist die weithin sichtbare „Mutter-Heimat“-Statue in Kiew, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Hauptstadt.

Die 62 Meter hohe Stahlfigur zeigt eine Frau mit erhobenem Schwert und Schild. Sie wurde 1981 eingeweiht und erinnert an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Die Statue ist Teil des Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg und prägt seit Jahrzehnten die Skyline der Stadt.

Im Jahr 2023 waren Hammer und Sichel von dem Monument entfernt worden. Dieser Schritt war Teil einer landesweiten Kampagne, sowjetische Symbole und russisch geprägte Kultur aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Der russische Angriffskrieg seit Februar 2022 hatte diesen Prozess deutlich beschleunigt und politisch aufgeladen.

Parallel zu den Schäden am Mahnmal meldeten die Behörden massive Angriffe auf zivile Infrastruktur. Russische Streitkräfte überzogen Kiew sowie die ostukrainische Stadt Charkiw in der Nacht erneut mit schweren Luftschlägen. Nach offiziellen Angaben fiel in mehr als 1100 Wohnhäusern die Heizung aus, mindestens fünf Menschen wurden verletzt. OZD


OZD-Kommentar – Bomben auf Erinnerung

Dieser Angriff galt nicht nur einem Stück Stahl, sondern der Seele eines Landes. Wer ein Mahnmal bombardiert, will mehr als militärischen Schaden anrichten – er will Geschichte umschreiben, Identität erschüttern und Erinnerung auslöschen. Die Beschädigung der Mutter-Heimat-Statue ist deshalb kein Kollateralschaden, sondern eine kalkulierte Botschaft aus Moskau. Russland zeigt einmal mehr, dass dieser Krieg längst über Frontlinien hinausgeht und gezielt kulturelle Symbole ins Visier nimmt. Gerade weil die Ukraine das sowjetische Erbe zunehmend umdeutet und sich davon emanzipiert, trifft der Angriff einen wunden Punkt. Er soll demoralisieren, einschüchtern und die Deutungshoheit über Vergangenheit und Gegenwart zurückerobern. Doch das Gegenteil dürfte eintreten: Jeder Treffer auf ein Symbol stärkt den Willen zur Abgrenzung und macht deutlich, dass dieser Krieg nicht nur mit Waffen, sondern um Werte, Erinnerung und Selbstbestimmung geführt wird.


Historischer Hintergrund

Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew entstand in der Hochphase sowjetischer Erinnerungspolitik und sollte den Sieg der UdSSR im Zweiten Weltkrieg als identitätsstiftenden Gründungsmythos verankern. Nach der ukrainischen Unabhängigkeit blieb das Monument lange unangetastet – ein Zeichen für den schwierigen Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit. Erst nach der russischen Annexion der Krim 2014 und insbesondere seit dem Großangriff 2022 wandelte sich die Deutung radikal: Aus einem sowjetischen Triumphsymbol wurde ein umkämpftes Relikt, das zunehmend ukrainisch neu interpretiert wurde. Die Entfernung von Hammer und Sichel 2023 markierte endgültig den Bruch mit Moskaus Geschichtsanspruch.

Zukunftsprognose

Die Beschädigung des Mahnmals wird die politische und gesellschaftliche Aufladung des Symbols weiter verstärken. Es ist wahrscheinlich, dass die Statue künftig noch stärker als Zeichen ukrainischen Widerstands und kultureller Selbstbehauptung inszeniert wird – möglicherweise begleitet von baulichen oder musealen Neudeutungen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass Russland seine Angriffe auf symbolträchtige Ziele fortsetzt, um psychologischen Druck zu erzeugen. Der Kulturkrieg wird damit parallel zum militärischen Krieg weiter eskalieren – mit wachsender internationaler Aufmerksamkeit.


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Mini-Infobox

– Höhe der Statue: 62 Meter
– Einweihung: 1981
– Material: Stahl
– Teil des Nationalen Weltkriegsmuseums in Kiew
– Hammer und Sichel: 2023 entfernt


OZD-Analyse

Symbolische Dimension des Angriffs
– Das Mahnmal steht für Geschichte, Opfer und nationale Erinnerung
– Seine Beschädigung trifft die Ukraine emotional stärker als rein militärische Ziele
– Der Angriff wird als gezielte Provokation wahrgenommen

Politischer Kontext
– Die Entfernung sowjetischer Symbole markiert den Bruch mit der Vergangenheit
– Russland betrachtet diese Entwicklung als Affront gegen das eigene Geschichtsbild
– Der Angriff verstärkt die ideologische Konfrontation

Auswirkungen auf Gesellschaft und Krieg
– Zivile Infrastruktur bleibt weiter stark gefährdet
– Die Angriffe stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen Russland
– International wächst der Eindruck eines Krieges gegen Kultur und Zivilgesellschaft


Was ist die „Mutter-Heimat“-Statue?

Die „Mutter-Heimat“-Statue ist eines der größten Monumente Europas und Teil des Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Errichtet zu Sowjetzeiten, symbolisierte sie lange den Sieg über Nazi-Deutschland. Heute wird sie zunehmend als ukrainisches, nicht mehr sowjetisches Symbol interpretiert.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Die Statue ist höher als die Freiheitsstatue in New York – und zählt zu den markantesten Monumenten des ehemaligen sowjetischen Raums.