Nach ukrainischen Angaben haben russische Streitkräfte in der Nacht zum Dienstag erneut massive Luftangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie auf die ostukrainische Stadt Charkiw geflogen. Infolge der Angriffe sei in mehr als 1100 Wohnhäusern in Kiew die Heizung ausgefallen, erklärte der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba in Onlinediensten. Behördenangaben zufolge wurden in Kiew und Charkiw mindestens fünf Menschen verletzt.
"Über 70 Raketen und 450 Drohnen" seien von den russischen Streitkräften auf die Ukraine abgefeuert worden, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj in Onlinediensten. Moskau nutze "die kältesten Tage des Winters, um Menschen zu terrorisieren", fügte der ukrainische Präsident hinzu. Dies sei offenbar wichtiger für den Kreml, als "sich der Diplomatie zuzuwenden".
Der Leiter der örtlichen Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, meldete zuvor "massive Angriffen in bitterer Kälte". Rettungskräften zufolge wurden drei Menschen in Kiew verletzt. Bei weiteren Angriffen auf die östliche Stadt Charkiw seien zudem zwei Menschen verletzt worden, erklärte der dortige Militärverwalter Oleh Synehubow.
Der mehrere Stunden andauernde Angriff habe die Energieinfrastruktur Charkiws getroffen und sollte "maximale Zerstörung anrichten und die Stadt bei strengem Frost ohne Heizung lassen", fügte Synehubow hinzu. In über 800 Wohnhäusern der Stadt seien die Heizungen infolge der Angriffe ausgefallen.
Mit den erneuten Angriffen auf Kiew beendeten die russischen Streitkräfte eine kurzzeitige Einstellung ihres Beschusses der ukrainischen Hauptstadt.
US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag erklärt, er habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen der aktuellen Kältewelle um eine kurzzeitige Einstellung der russischen Angriffe auf Kiew und andere Städte gebeten. Der Kreml teilte daraufhin am Freitag mit, dieser Bitte nachgekommen zu sein. Die Feuerpause habe bis Sonntag gedauert, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow und nannte als Ziel, "günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen".
Vor rund einer Woche hatten Unterhändler Moskaus und Kiews in Abu Dhabi erstmals direkt miteinander über einen von den USA vorgelegten Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen. Für Mittwoch und Donnerstag sind weitere Gespräche geplant.
Unterdessen war die ukrainische Bevölkerung extremen Temperaturen ausgesetzt. In Kiew wurden Nachttemperaturen von bis zu minus 17 Grad gemessen, in Charkiw sank das Thermometer auf bis zu minus 23 Grad.
OZD
OZD-Kommentar – Kälte als Waffe - Mord auf bestialische Weise
Russland führt längst keinen klassischen Krieg mehr, sondern einen Feldzug gegen das Überleben der Zivilbevölkerung. Wer gezielt Heizungen zerstört, während Temperaturen lebensgefährlich sinken, nutzt Kälte als strategische Waffe. Die behauptete Feuerpause entpuppt sich als taktisches Manöver ohne Substanz. Diplomatie wird beschworen, während Raketen sprechen. Sollte diese Strategie fortgesetzt werden, droht der Ukraine ein humanitärer Winter, der politisch weit über die Region hinauswirken wird.
Mini-Infobox:
– Über 1100 Wohnhäuser in Kiew ohne Heizung
– Mehr als 70 Raketen und 450 Drohnen eingesetzt
– Mindestens fünf Verletzte gemeldet
– Temperaturen bis minus 23 Grad
OZD-Analyse
Die erneuten Angriffe zeigen eine klare Eskalationsstrategie.
Militärische Zielsetzung
a) Zerstörung kritischer Infrastruktur
b) Schwächung der zivilen Widerstandskraft
c) Psychologischer Druck auf die Bevölkerung
Politische Dimension
a) Untergrabung diplomatischer Initiativen
b) Signal an internationale Vermittler
c) Demonstration militärischer Handlungsfähigkeit
Internationale Folgen
– Belastung humanitärer Hilfssysteme
– Zunehmender Druck auf westliche Unterstützer
– Risiko einer weiteren Ausweitung des Konflikts
Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Er führt das Land seit Beginn des russischen Angriffskrieges durch eine der schwersten Krisen seiner Geschichte.
Was ist die Militärverwaltung von Kiew?
Die Militärverwaltung koordiniert in Kriegszeiten die zivile und militärische Organisation der Hauptstadt, insbesondere Katastrophenschutz, Versorgung und Sicherheit.
Historischer Hintergrund:
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 werden regelmäßig Energieanlagen angegriffen. Besonders in den Wintermonaten haben solche Angriffe gravierende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung.
Prognose:
Sollten die Angriffe auf die Energieinfrastruktur anhalten, ist mit weiteren Versorgungsausfällen, steigenden Flüchtlingszahlen und wachsendem internationalen Druck auf Moskau zu rechnen.
Gewinnspiel:
Was ist laut ukrainischen Angaben in über 1100 Wohnhäusern in Kiew ausgefallen?
A) Strom
B) Wasser
C) Heizung
D) Internet
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Die tiefsten Temperaturen in Charkiw lagen bei minus 23 Grad – kälter als in manchen Teilen Skandinaviens zur selben Zeit.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
