Erneute russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben in den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja massive Strom- und Heizungsausfälle verursacht. Nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers Ukrenergo führte ein groß angelegter Drohnenangriff in der Nacht zum Donnerstag dazu, dass ganze Regionen, darunter auch regionale Zentren, von der Stromversorgung abgeschnitten wurden.
In der Region Dnipropetrowsk mussten nach Angaben der ukrainischen Regierung rund eine Million Haushalte ohne Heizung und teilweise auch ohne fließendes Wasser auskommen – mitten im Winter. Der Chef der regionalen Militärverwaltung, Wladyslaw Haiwanenko, sprach von erheblichen Schäden an kritischer Infrastruktur und einer „schwierigen Lage“. Reparaturarbeiten könnten erst beginnen, sobald die Sicherheitslage dies zulasse.
Auch der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba bestätigte, dass durch die Angriffe zahlreiche Heizsysteme ausgefallen seien. Die Arbeiten zur Wiederherstellung von Heizung und Wasserversorgung für mehr als eine Million Menschen liefen auf Hochtouren, erklärte er.
In der Region Saporischschja konnte nach Angaben von Gouverneur Iwan Fedorow zumindest die Stromversorgung wichtiger Einrichtungen wiederhergestellt werden. Die Mehrheit der Haushalte blieb jedoch weiterhin ohne Strom. Die Wasserversorgung sei größtenteils wieder funktionsfähig, die vollständige Wiederherstellung der Energieversorgung habe jedoch höchste Priorität.
Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, Russland habe insgesamt 97 Drohnen eingesetzt. 70 davon seien abgeschossen worden, die übrigen hätten an verschiedenen Orten Schäden angerichtet. Details zu den Einschlagsorten wurden nicht genannt.
Russland greift seit Beginn seines Angriffskriegs gezielt die ukrainische Energieinfrastruktur an. Im vergangenen Jahr wurden die Attacken besonders intensiviert und auch auf die Gasinfrastruktur ausgeweitet. Nach Auswertungen ukrainischer Daten erreichte die Zahl der eingesetzten Drohnen und Raketen zuletzt neue Höchststände. Der Chef des staatlichen Gasversorgers Naftogaz warnte bereits Anfang Dezember vor dem wohl härtesten Winter seit Kriegsbeginn. OZD

OZD-Kommentar – Energie als Kriegsverbrechen
Was hier geschieht, ist kein militärischer Kollateralschaden, sondern Strategie. Russland führt längst einen systematischen Winterkrieg gegen Zivilisten. Wer Strom, Heizung und Wasser angreift, will Menschen frieren lassen, demoralisieren und brechen. Dass Millionen Haushalte erneut ohne Wärme auskommen müssen, ist kein Zufall, sondern Kalkül. Jeder Drohnenangriff auf Kraftwerke ist ein Angriff auf Kinder, Alte und Kranke. Die internationale Gemeinschaft darf diese Form der Kriegsführung nicht länger nur dokumentieren – sie muss sie benennen: als gezielten Terror gegen die Zivilbevölkerung.
Mini-Infobox: Aktuelle Folgen der Angriffe
– Bis zu 1 Million Haushalte ohne Heizung in Dnipropetrowsk
– Weite Teile von Saporischschja ohne Strom
– 97 eingesetzte russische Drohnen in einer Nacht
– Kritische Infrastruktur erneut massiv beschädigt
Militärische Strategie Moskaus
a) Angriffe auf Energieversorgung zielen auf langfristige Destabilisierung
b) Winter als Multiplikator für humanitäre Not
c) Psychologischer Druck auf Bevölkerung und Regierung
Humanitäre Folgen
a) Stromausfall führt zu Heizungs- und Wasserausfällen
b) Besonders gefährdet sind Kinder, Kranke und ältere Menschen
c) Notfallreparaturen unter ständigem Beschuss
Internationale Dimension
a) Angriffe verstoßen gegen humanitäres Völkerrecht
b) Energie wird bewusst als Kriegswaffe eingesetzt
c) Westen steht vor Frage nach wirksameren Schutzmaßnahmen
Historischer Hintergrund – Russlands Energiekrieg gegen die Ukraine
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 gehört die gezielte Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur zur zentralen Militärstrategie Moskaus. Besonders ab Herbst 2022 intensivierte Russland Angriffe auf Kraftwerke, Umspannwerke und Heizsysteme, um die Ukraine in den Wintermonaten zu schwächen.
Im Laufe des Jahres 2023 und 2024 wurden diese Angriffe weiter ausgeweitet. Neben Stromnetzen gerieten zunehmend auch Gasförderanlagen, Speicher und Fernwärmesysteme ins Visier. Ziel ist es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Ukraine zu untergraben und die Bevölkerung durch Kälte und Versorgungsengpässe zu zermürben.
Internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen werten diese Strategie als gezielten Angriff auf die zivile Infrastruktur – und damit als möglichen Bruch des humanitären Völkerrechts. Trotz internationaler Kritik setzt Russland diese Form der Kriegsführung fort.
OZD-Extras:
Fakt: Die Ukraine
musste seit 2022 mehrfach landesweite Notabschaltungen durchführen, um
einen vollständigen Kollaps des Stromnetzes zu verhindern.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.