Im Ringen um ein Ende der Kämpfe in der Ukraine haben Moskau und Kiew in Genf eine neue Gesprächsrunde begonnen – doch die Nacht vor den Verhandlungen stand erneut im Zeichen massiver russischer Angriffe. Mindestens drei Menschen wurden getötet, zahlreiche weitere verletzt.
„Wir beginnen eine neue Verhandlungsrunde im trilateralen Format: Ukraine, USA und Russland“, schrieb der ukrainische Unterhändler Rustem Umerow am Dienstag auf Facebook. Später bestätigten russische Regierungskreise den Beginn der auf zwei Tage angesetzten Gespräche. Umerow erklärte, es gehe um „Sicherheitsfragen und humanitäre Fragen“. Er beteilige sich „konstruktiv“ und „ohne übermäßige Erwartungen“.
Auch aus Moskau klangen die Erwartungen gedämpft. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, am Dienstag seien keine „Neuigkeiten“ zu erwarten, da die Arbeit am Mittwoch fortgesetzt werde. Vize-Außenminister Sergej Rjabkow hatte im Vorfeld von „umfassenden“ offenen Fragen gesprochen. Moskau strebe nicht nur eine Gefechtspause, sondern ein „dauerhaftes“ Abkommen an.
Doch während Diplomaten in der Schweiz tagen, spricht der Krieg in der Ukraine eine andere Sprache. In der ostukrainischen Stadt Slowjansk wurden laut Behörden drei Mitarbeiter eines Wärmekraftwerks bei einem Angriff auf ihr Fahrzeug getötet. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach landesweit von neun weiteren Verletzten.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland 29 Raketen und 396 Drohnen ab. 25 Raketen und 367 Drohnen seien abgefangen worden. Ziel der Attacken seien Einrichtungen kritischer Infrastruktur gewesen. Selenskyj erklärte, insgesamt seien zwölf Regionen betroffen gewesen. In Odessa seien zehntausende Menschen zeitweise ohne Wärme- und Wasserversorgung gewesen.
Selenskyj warf Russland vor, mit der Angriffswelle „größtmöglichen Schaden“ im Energiesektor anrichten zu wollen. Außenminister Andrij Sybiha sprach von einer Missachtung der „Friedensbemühungen“. Bereits zwei vorherige Gesprächsrunden in Abu Dhabi waren ergebnislos geblieben.
US-Präsident Donald Trump hatte die Ukraine im Vorfeld erneut zu einer schnellen Einigung gedrängt. Kiew solle „besser schnell an den Verhandlungstisch kommen“, sagte er. Selenskyj hatte zuletzt beklagt, Washington dränge häufig vor allem die Ukraine zu Zugeständnissen.
Moskau fordert weiterhin den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe. Kiew lehnt das kategorisch ab. Die Fronten bleiben verhärtet – militärisch wie politisch.
OZD

OZD-Kommentar – Verhandeln unter Feuer
Diese Gespräche beginnen mit Blut an den Händen und Rauch über den Städten. Wenn in der Nacht vor einer Verhandlungsrunde fast 400 Drohnen starten, ist das kein Zufall – es ist ein Signal. Russland demonstriert Härte, während am Tisch über „humanitäre Fragen“ gesprochen wird. Das untergräbt Vertrauen, noch bevor es entstehen kann. Gleichzeitig wächst der Druck auf Kiew, Zugeständnisse zu machen. Doch wer unter Dauerbeschuss steht, verhandelt nicht aus Stärke. Entscheidend wird sein, ob Washington bereit ist, seine Rolle klarer zu definieren – als neutraler Vermittler oder als strategischer Taktgeber. Ohne echten politischen Willen auf beiden Seiten drohen auch diese Gespräche im Donner der Raketen zu verhallen.
Historischer Hintergrund
Seit Beginn der großangelegten russischen Invasion im Februar 2022 gab es mehrere Verhandlungsversuche, unter anderem in Istanbul, Minsk und Abu Dhabi. Keiner führte zu einem nachhaltigen Waffenstillstand.
Zukunftsprognose
Sollten die aktuellen Gespräche ohne greifbares Ergebnis enden, ist mit einer weiteren Intensivierung der Angriffe auf kritische Infrastruktur zu rechnen. Ein Durchbruch erscheint nur möglich, wenn zentrale Streitfragen – insbesondere der Status des Donbass – zumindest eingefroren werden.
OZD-Gewinnspiel 2026
Wo findet die aktuelle trilaterale Verhandlungsrunde zwischen Ukraine, USA und Russland statt?
A) Istanbul
B) Abu Dhabi
C) Genf
D) Brüssel
Richtige Antwort: C) Genf
Jetzt teilnehmen und gewinnen:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox – Angriffsnacht vor Genf
29 Raketen und 396 Drohnen laut ukrainischer Luftwaffe
Mindestens 3 Tote in Slowjansk
12 Regionen betroffen
Infrastruktur in Odessa schwer beschädigt

OZD-Analyse
Militärische Botschaft Moskaus
– a) Demonstration von Handlungsfähigkeit
– b) Druckaufbau vor Verhandlungen
– c) Signal an die eigene Bevölkerung
Politische Dynamik
– a) Unterschiedliche Erwartungen der Delegationen
– b) US-Druck auf schnelle Einigung
– c) Unvereinbare Kernforderungen zum Donbass
Humanitäre Dimension
– a) Zerstörung kritischer Infrastruktur
– b) Belastung der Zivilbevölkerung im Winter
– c) Energie als strategische Waffe

Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Der frühere Schauspieler und Produzent wurde nach Beginn der russischen Invasion zur zentralen internationalen Stimme seines Landes und wirbt weltweit für militärische und finanzielle Unterstützung.
OZD-Extras
Genf gilt seit Jahrzehnten als neutraler Ort für internationale Krisengespräche – von Rüstungskontrollabkommen im Kalten Krieg bis zu heutigen Nahost- und Ukraine-Verhandlungen.
SEO-Keywords:
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
