Lage für die deutsche Automobilindustrie droht sich weiter zuzuspitzen. Nach einer aktuellen Umfrage des Verbands der Automobilindustrie VDA haben im vergangenen Jahr rund zwei Drittel der befragten Unternehmen Beschäftigung am Standort Deutschland abgebaut. Zudem seien die Investitionsabsichten hierzulande weiterhin schwach, erklärte VDA-Chefvolkswirt Manuel Kallweit am Dienstag in Berlin.
Demnach gaben 72 Prozent der befragten Unternehmen an, ursprünglich geplante Investitionen in Deutschland zu verschieben, zu verlagern oder ganz zu streichen. Gleichzeitig zeige sich ein gegensätzliches Bild in anderen Weltregionen: Nur drei Prozent der Unternehmen wollten ihr Engagement in den USA reduzieren, lediglich fünf Prozent in China. Dagegen plane jedes dritte Unternehmen, seine Aktivitäten innerhalb der Europäischen Union zurückzufahren.
Aktuell baut rund jedes zweite Unternehmen Beschäftigung in Deutschland ab. Nur fünf Prozent der Betriebe wollen neue Arbeitsplätze schaffen, bei knapp der Hälfte bleibt die Beschäftigtenzahl konstant. Besonders betroffen sei laut Verband der automobile Mittelstand.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller sprach von einer „massiven Standortkrise“. Unternehmen stünden zunehmend unter Druck, Investitionen außerhalb Deutschlands zu tätigen. Als Hauptgründe nannte Müller hohe Energiepreise, Bürokratie, Steuerbelastungen, langsame Genehmigungsprozesse, mangelnde Digitalisierung und eine marode Infrastruktur. Diese Faktoren lüden nicht zu Investitionen ein.
Müller forderte einen politischen Kurswechsel. Alles, was Wachstum ermögliche, müsse in Berlin und Brüssel oberste Priorität haben. Statt Verpflichtungen und Strafmechanismen brauche es marktwirtschaftliche Anreize. Eine Abschottung des Standorts Deutschland sei angesichts globaler Lieferketten hingegen gefährlich und könne zum wirtschaftlichen Bumerang werden. OZD
OZD-Kommentar – Der Industriemotor stottert
Diese Zahlen sind mehr als ein Warnsignal – sie sind ein Offenbarungseid. Wenn selbst der traditionsreiche Automobilstandort Deutschland für Investitionen unattraktiv wird, ist das kein Konjunkturproblem, sondern politisches Versagen. Wer Arbeitsplätze sichern will, muss Standortpolitik ernst nehmen. Sonst fährt die Schlüsselindustrie des Landes schleichend ins Ausland.
Historischer Hintergrund
Die Automobilindustrie ist seit Jahrzehnten das industrielle Rückgrat Deutschlands. Globalisierung, Energiewende und technologische Transformation erhöhen jedoch den Wettbewerbsdruck erheblich – besonders für mittelständische Zulieferer.
Zukunftsprognose
Ohne spürbare Reformen drohen weitere Arbeitsplatzverluste und eine beschleunigte Abwanderung von Investitionen. Gelingt jedoch eine Entlastung bei Energie, Steuern und Bürokratie, könnte der Standort wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Ein Bürokratieabbau und Innovationen für den Markt sind gefragt. deutsche Standorte mit Perspektive. Ziel muss es sein, die besten Elektroautos der Welt zum günstigsten Preis zu bauen.

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Mini-Infobox
– Branche: Automobilindustrie
– Befragte Unternehmen: 124
– Investitionsrückgang: 72 %
– Beschäftigungsabbau: 49 %
– Verband: VDA
OZD-Analyse
Ursachen der Standortkrise
a) Hohe Energiepreise
b) Bürokratie und Steuern
c) Schwache Infrastruktur
Folgen für Beschäftigte
a) Arbeitsplatzabbau
b) Investitionsstopp
c) Druck auf Mittelstand
Politische Stellschrauben
a) Marktwirtschaftliche Anreize
b) Beschleunigte Prozesse
c) Standortoffensive
Erklärung
Was ist der VDA?
Der Verband der Automobilindustrie vertritt die Interessen der deutschen
Automobilhersteller und Zulieferer und gilt als zentrale Stimme der
Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Deutlich: Während Investitionen in Deutschland schrumpfen, bleiben USA und China für viele Autobauer attraktiv.