Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, Oliver Blume, hat neue Investitionen in den USA offen an die dortige Zollpolitik geknüpft. Bei einer unveränderten Belastung durch Importzölle seien zusätzliche Großprojekte nicht finanzierbar, sagte Blume dem Handelsblatt. Das gelte ausdrücklich auch für ein seit Monaten diskutiertes Werk der Premiummarke Audi in den Vereinigten Staaten.
Blume kritisierte eine strukturelle Schieflage im transatlantischen Handel. Während Exporte nach Europa teilweise geringeren Zöllen unterlägen, müssten europäische Unternehmen beim Export in die USA deutlich höhere Abgaben zahlen. Kurzfristige Kostenentlastungen und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen seien daher zwingend notwendig.
Zugleich betonte der VW-Chef, der Konzern bleibe grundsätzlich offen für Lösungen, von denen beide Seiten profitieren könnten. In den vergangenen Monaten habe es faire und konstruktive Gespräche mit US-Vertretern gegeben, bislang jedoch ohne konkretes Ergebnis.
Nach der Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos forderte Blume zudem eine selbstbewusste Haltung Europas. Die Europäische Union habe auf die wiederholten Zolldrohungen aus Washington richtig reagiert. Europa verfüge über wirtschaftliche Stärke und müsse diese auch politisch klar vertreten.
Trump hatte nach Gesprächen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte angekündigt, vorerst auf Strafzölle gegen Deutschland und weitere europäische Länder zu verzichten. Hintergrund war eine vorläufige Einigung im Streit um Grönland und die sicherheitspolitische Rolle der Nato in der Arktis. OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Ungewöhnlich Mutig
Blumes Botschaft ist klar – und ungewöhnlich mutig für deutsche Manager, geschweige denn Politikern. Volkswagen, Europas größter Autobauer, stellt sich offen gegen eine US-Zollpolitik, die Investitionen eher verhindert als anzieht. Das ist kein Säbelrasseln, sondern nüchterne Kostenrechnung. Wenn selbst Konzerne dieser Größenordnung die Reißleine ziehen, zeigt das, wie brüchig Trumps Handelslogik ist. Europa darf sich nicht länger in die Rolle des Bittstellers drängen lassen. Wer Milliarden will, muss faire Bedingungen bieten – alles andere ist politisches Wunschdenken.
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Gewinnspiel
Wo machte Oliver Blume seine Aussagen zu möglichen US-Investitionen?
A) In einem Interview mit der New York Times
B) Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos
C) In einem Interview mit dem Handelsblatt
D) Auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg
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WissensblockOZD-Analyse
Wirtschaftliche Hebelwirkung
– a) US-Zölle verteuern europäische Exporte massiv
– b) Investitionsentscheidungen werden politisiert
– c) Produktionsverlagerungen verlieren an Attraktivität
Strategische Bedeutung für Europa
– a) Signalwirkung für andere Konzerne
– b) Stärkung der EU-Verhandlungsmacht
– c) Druck auf gemeinsame europäische Handelspolitik
Politische Dimension
– a) Trump nutzt Zölle als Machtinstrument
– b) Wirtschaft wird Teil geopolitischer Strategie
– c) Unternehmen reagieren zunehmend offen

Lernbox
Großkonzerne fungieren zunehmend als geopolitische Akteure: Investitionen werden zu politischen Druckmitteln – nicht mehr nur zu wirtschaftlichen Entscheidungen.
Mini-Infobox
– Unternehmen: Volkswagen
– Betroffene Marke: Audi
– Streitpunkt: US-Importzölle
– Risiko: Verzögerung oder Stopp neuer US-Investitionen
OZD-Extra
Ein Audi-Werk in den USA würde nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch Trumps Industriepolitik legitimieren – genau deshalb ist der politische Preis hoch.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
