Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch für dessen Haltung bei den Winterspielen öffentlich gedankt – und das Internationales Olympisches Komitee (IOC) scharf kritisiert.
„Wir sind stolz auf Wladyslaw und seine Tat. Mut zu haben, ist mehr wert, als Medaillen zu gewinnen“, schrieb Selenskyj bei X. „Sein Helm mit den Porträts der verstorbenen ukrainischen Sportler steht für Respekt und Erinnerung. Er erinnert die ganze Welt daran, was russische Aggression bedeutet und welchen Preis der Kampf um Unabhängigkeit hat. Und dabei wird kein einziges Regelwerk verletzt.“
Heraskewytsch hatte im Wettkampf mit einem besonderen Helm an ukrainische Sportler erinnern wollen, die im Krieg durch russische Soldaten getötet wurden. Das IOC untersagte dies mit Verweis auf Regel 50.2 der Olympischen Charta, die Meinungsäußerungen auf dem „field of play“ untersagt. Der Athlet wurde disqualifiziert.
Selenskyj widersprach der IOC-Entscheidung deutlich. „Sport sollte nicht zu Vergessen führen, und die olympische Bewegung sollte dazu beitragen, Kriege zu beenden, anstatt den Aggressor zu unterstützen“, schrieb er. Die Entscheidung habe „nichts mit den Prinzipien des Olympismus zu tun, die auf Gerechtigkeit und Friedensförderung basieren.“
Der Präsident verwies zudem auf Russlands Umgang mit dem „Olympischen Frieden“. „Es ist Russland, das ständig gegen die olympischen Prinzipien verstößt und die Zeit der Olympischen Spiele für Kriegszwecke nutzt“, schrieb Selenskyj. Er erinnerte an den Krieg gegen Georgien 2008, die Annexion der Krim 2014 und die großangelegte Invasion 2022.
Besonders brisant: Selenskyj kritisierte auch die Teilnahme russischer Athleten unter neutraler Flagge. „13 Russen sind derzeit in Italien und nehmen an den Olympischen Spielen teil. Sie treten unter ‚neutralen‘ Flaggen an, während sie im Alltag öffentlich die russische Aggression unterstützen. Genau sie verdienen es, disqualifiziert zu werden.“
Damit ist der Helm-Streit endgültig zur politischen Auseinandersetzung zwischen Kiew und dem IOC geworden – mit internationaler Signalwirkung.
OZD

OZD-Kommentar – Wenn Olympia zum geopolitischen Schauplatz wird
Der Konflikt ist längst größer als ein Helm. Selenskyj nutzt den Fall Heraskewytsch, um eine Grundsatzfrage zu stellen: Kann es im Krieg echte Neutralität geben? Für die Ukraine ist die Antwort klar – jede Gleichbehandlung von Aggressor und Angegriffenem wirkt wie moralische Blindheit.
Das IOC hingegen verteidigt seine Regelwerke. Doch je stärker es auf formale Neutralität pocht, desto mehr gerät es politisch unter Druck. Der Vorwurf, indirekt „russische Narrative“ zu bedienen, wiegt schwer.
Die Fronten verhärten sich. Und die olympische Idee steht zwischen Symbolik und Realität. Ob Regel 50.2 dieser Belastung dauerhaft standhält, wird sich zeigen.
Historischer Hintergrund
Der „Olympische Frieden“ geht auf eine antike Tradition zurück und soll während der Spiele bewaffnete Konflikte ruhen lassen. In der modernen Geschichte kam es jedoch wiederholt zu militärischen Eskalationen rund um Olympische Spiele.
Zukunftsprognose
Die politische Debatte um die Teilnahme russischer Athleten und die Auslegung von Regel 50.2 dürfte weiter eskalieren. Ein mögliches Verfahren vor dem CAS könnte juristische Klarheit bringen – die politische Dimension wird jedoch bleiben.
OZD-Gewinnspiel 2026
Frage: Wie heißt die Regel der Olympischen Charta, auf die sich das IOC im Helm-Streit beruft?
A) Regel 12.1
B) Regel 33.4
C) Regel 50.2
D) Regel 75.8
Jetzt teilnehmen und Gutscheine gewinnen:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
Präsident: Wolodymyr Selenskyj
Anlass: Disqualifikation von Heraskewytsch
Kritikpunkt: Anwendung von Regel 50.2
Streitfrage: Neutralität vs. moralische Haltung
Brisanz: Teilnahme russischer Athleten unter neutraler Flagge
OZD-Analyse
Politische Dimension
a) Helm als Symbol gegen russische Aggression –
b) Selenskyj positioniert sich klar –
c) IOC unter internationalem Druck –
Juristische Ebene
a) Regel 50.2 als Grundlage –
b) Unterschiedliche Auslegung von „Message“ –
c) CAS-Verfahren möglich –
Geopolitische Signalwirkung
a) Debatte um „neutrale“ Athleten –
b) Olympischer Frieden infrage gestellt –
c) Internationale Polarisierung –
Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 steht er international im Zentrum diplomatischer Bemühungen und gilt als zentrale Figur des ukrainischen Widerstands.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-Extras
Schon mehrfach wurde bei Olympia über die Teilnahme von Athleten aus kriegführenden Staaten gestritten. Der Fall Heraskewytsch gehört nun zu den politisch aufgeladensten Kontroversen der Winterspiele 2026.
