Eigentlich wollen die USA mit ihrem Mondprogramm Artemis bis zum Jahr 2028 erstmals seit mehr als 50 Jahren Menschen auf den Mond bringen – doch nun hat die Raumfahrtbehörde Nasa nach einer Serie von Verzögerungen eine Kurskorrektur vorgenommen. Überraschend verkündete Nasa-Chef Jared Isaacman am Freitag bei einer Pressekonferenz einen neuen Ablaufplan der Artemis-Missionen.
Die bereits angekündigte Mission Artemis 3 soll laut Isaacman nicht mehr wie bislang vorgesehen Menschen zum Erdtrabanten bringen. Stattdessen soll bei der Mission nun eine bemannte Nasa-Kapsel in eine niedrige Erdumlaufbahn starten und in einem Test mit dem Prototypen einer Mondlandefähre gekoppelt werden. In einer nächsten Phase des Mondprogramms, der neu hinzugefügten Mission Artemis 4, sollen dann Anfang 2028 erstmals seit dem Jahr 1972 wieder Menschen auf dem Mond landen. Möglichst innerhalb eines Jahres solle eine weitere Mondlandung stattfinden.
Mit dem Hinzufügen der zusätzlichen Artemis-Mission vor der eigentlichen Mondlandung sollten mehr Erfahrungen gesammelt und Fehler vermieden werden, begründete Isaacman die Kursänderung: "Wenn man nur alle drei Jahre startet, verkümmern die Fähigkeiten." Bei historischen Nasa-Missionen wie Mercury, Gemini oder Apollo habe der durchschnittliche Startrhythmus "eher bei drei Monaten" gelegen als bei drei Jahren. "Wir müssen wieder zu den Grundlagen zurückkehren und uns in diese Richtung bewegen."
Ursprünglich hätte bereits im Februar die Mission Artemis 2 starten sollen. Vor wenigen Tagen hatte Isaacman in einem Rückschlag für das Artemis-Programm erklärt, dass ein Start der Mission im März wegen technischer Problenme ausgeschlossen sei. Grund war demnach ein Problem bei der Heliumzufuhr. Mitte der Woche war die bereits an der Startrampe aufgestellte Riesenrakete SLS zur Überprüfung in den Hangar zurücktransportiert worden.
Bei der Mission Artemis 2 sollen vier Astronauten in einer Orion-Kapsel den Mond umrunden, jedoch nicht auf dem Erdtrabanten landen. Der Flug soll zehn Tage dauern. Es wäre der erste bemannte Mond-Flug seit Apollo 17 im Jahr 1972.
Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, dass wieder US-Astronauten auf dem Mond landen sollen. Laut dem bisherigen Nasa-Zeitplan würde diese 2028 vor Ablauf von Trumps zweiter Amtszeit stattfinden. Auch China bereitet derzeit eine bemannte Mondmission vor, die spätestens 2030 stattfinden soll.
Die von der Nasa mit der Entwicklung von Mondlandegeräten beauftragten privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin der rivalisierenden Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos reagierten positiv auf die Nasa-Planänderung. "Wir sind dabei!", erklärte Blue Origin im Onlinedienst X. SpaceX erklärte, das Unternehmen verfolge "das gleiche Ziel wie die Nasa, nämlich so schnell und sicher wie möglibhch mit einer dauerhaften Präsenz zum Mond zurückzukehren". "Häufige bemannte Erkundungsflüge tragen dazu bei, eine nachhaltige Präsenz des Menschen im Weltraum zu etablieren."
OZD
OZD-Kommentar – Sicherheit vor Symbolpolitik
Die Nasa zieht die Reißleine – und das ist klug. Eine Mondlandung ist kein Prestigeprojekt für Wahlzyklen, sondern ein technologischer Kraftakt mit globaler Bedeutung. Die Entscheidung, eine zusätzliche Testmission einzuschieben, mag politisch unattraktiv wirken, erhöht aber die Erfolgschancen erheblich. Das Rennen mit China erhöht den Druck – doch überhastete Starts könnten fatale Folgen haben. Der Mond ist kein PR-Event, sondern eine logistische Herausforderung. Wer dort dauerhaft präsent sein will, braucht Routine, Rhythmus und Zuverlässigkeit. Der neue Plan zeigt: Die Nasa setzt auf Substanz statt Schlagzeilen.
Historischer Hintergrund:
Die letzte bemannte Mondlandung fand 1972 mit Apollo 17 statt. Seitdem
konzentrierten sich bemannte Missionen auf die Erdumlaufbahn und die
Internationale Raumstation. Mit Artemis will die Nasa langfristig eine
nachhaltige Präsenz auf dem Mond aufbauen – auch als Vorbereitung für
Marsmissionen.
Zukunftsprognose:
Gelingt Artemis 2 erfolgreich, könnte der neue Zeitplan realistisch
sein. Verzögerungen bei Technik oder Finanzierung würden das Programm
jedoch weiter strecken – und China strategisch näher an eine eigene
Mondlandung heranführen.
Gewinnspiel 2026 – Jetzt mitmachen und gewinnen!
Wann fand die letzte bemannte Mondlandung statt?
A) 1969
B) 1972
C) 1981
D) 1995
Richtige Antwort: B
Hier geht’s zum Gewinnspiel:
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Lesermeinungen:
"Lieber später landen als ein Risiko eingehen."
"Das Rennen mit China macht die Sache noch spannender."
"Mehr Testflüge erhöhen die Sicherheit und ist die richtige Entscheidung."

Mini-Infobox
Neue Mission: Artemis 4 ergänzt
Geplante Mondlandung: Anfang 2028
Artemis 2: Mondumrundung mit vier Astronauten
Problem: Heliumzufuhr an der SLS-Rakete
Konkurrenz: China plant Landung bis 2030
OZD-Analyse
Technische Hintergründe
a) SLS-Rakete
– Rücktransport zur Überprüfung
– Problem bei Heliumzufuhr
b) Orion-Kapsel
– Zehntägiger Mondorbit-Flug
– Test zentraler Systeme
c) Mondlandefähre
– Kopplung in Erdumlaufbahn
– Validierung vor Landung
Strategische Dimension
a) Zusätzliche Mission
– Mehr Training und Routine
– Minimierung von Risiken
b) Politischer Druck
– Zeitrahmen bis 2028
– Erwartungshaltung der US-Regierung
c) Wettbewerb mit China
– Geopolitische Signalwirkung
– Technologischer Wettlauf
Rolle der Privatwirtschaft
a) SpaceX
– Entwicklung von Landetechnik
– Fokus auf nachhaltige Präsenz
b) Blue Origin
– Beteiligung am Mondprogramm
– Öffentlich positive Reaktion
c) Public-Private-Modell
– Neue Struktur der Raumfahrt
– Abhängigkeit von industriellen Partnern

Erklärungen
Was ist das Artemis-Programm?
Das Artemis-Programm ist das aktuelle Mondprogramm der Nasa. Ziel ist
es, erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond zu bringen
und dort langfristig eine Präsenz aufzubauen.
Was war Apollo 17?
Apollo 17 war die letzte bemannte Mondmission der Nasa im Jahr 1972. Seitdem hat kein Mensch mehr den Mond betreten.
OZD-Extras
Bemerkenswert: Anders als in der Apollo-Ära setzt die Nasa heute stark
auf private Partner – ein Paradigmenwechsel in der Raumfahrtstrategie
der USA.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
