Die geplanten Castortransporte mit Atommüll von Jülich nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen dürfen stattfinden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies am Montag eine Beschwerde des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) ab. Die Umweltschützer hatten erhebliche Sicherheitsbedenken geltend gemacht – das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht.
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hatte den Transport von 152 Castor-Behältern im August genehmigt. Darin befinden sich insgesamt rund 300.000 abgebrannte Brennelemente aus dem früheren Atomversuchsreaktor in Jülich. Sie sollen in das Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus gebracht werden.
Die Genehmigung für das Zwischenlager am Standort Jülich war bereits 2013 ausgelaufen. Seit 2014 besteht eine Räumungsanordnung der nordrhein-westfälischen Atomaufsicht, die jedoch wegen technischer Probleme und laufender Gerichtsverfahren bislang nicht umgesetzt wurde.
Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied im Dezember 2024, dass in Ahaus Atommüll gelagert werden darf. In der Folge wurde der Transport genehmigt. Die Erlaubnis ist bis Ende August 2027 befristet. Die rund 170 Kilometer lange Strecke soll per Lastwagen zurückgelegt werden.
Der BUND warnte unter anderem vor möglichen Drohnenangriffen auf die Transporte. Bereits im Januar hatte das Verwaltungsgericht Berlin einen Eilantrag zurückgewiesen. Diese Entscheidung wurde nun bestätigt. Das Gericht betonte, die Allgemeinheit habe ein Interesse an einer baldigen Räumung des Lagers in Jülich. Die Genehmigung sei nicht offensichtlich rechtswidrig, und es gebe keine Hinweise darauf, dass die Behörde Risiken wie Drohnenangriffe unterschätzt habe.
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OZD-Kommentar – Sicherheit contra Zeitdruck
Die Entscheidung bringt Bewegung in ein jahrelang blockiertes Atom-Thema. Doch sie beendet die Debatte nicht – im Gegenteil. Während Gerichte das öffentliche Interesse an der Räumung in Jülich betonen, warnen Umweltschützer vor neuen Risiken auf offener Straße. Castortransporte waren schon immer politisch hochsensibel. In Zeiten neuer Bedrohungsszenarien wie Drohnenangriffen wird die Frage nach der realen Sicherheit noch drängender. Sollte es auch nur einen Zwischenfall geben, droht eine bundesweite Vertrauenskrise in die Atomaufsicht.
Mini-Infobox
– 152 Castor-Behälter betroffen
– Rund 300.000 abgebrannte Brennelemente
– Transportstrecke etwa 170 Kilometer
– Genehmigung gilt bis August 2027
OZD-Analyse
Rechtliche Grundlage
a) Genehmigung durch Bundesamt für nukleare Entsorgung
b) Bestätigung durch Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg
c) Lagerfähigkeit in Ahaus durch OVG Münster bestätigt
Sicherheitsaspekte
a) Kritik wegen möglicher Drohnenangriffe
b) Gericht sieht keine offensichtliche Rechtswidrigkeit
c) Interesse an Räumung des Standorts Jülich
Politische Dimension
a) Atommüll bleibt gesellschaftlich umstritten
b) Transporte traditionell konfliktträchtig
c) Befristung der Genehmigung bis 2027
Erklärungen / Wissensblock
Was sind Castor-Behälter?
Castor-Behälter sind speziell gesicherte Transport- und Lagerbehälter für hochradioaktive Abfälle. Sie sollen radioaktive Strahlung abschirmen und mechanischen Belastungen standhalten.
Was ist das Zwischenlager Ahaus?
Das Zwischenlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen dient der zeitlich befristeten Lagerung radioaktiver Abfälle aus deutschen Atomanlagen.
Was ist der BUND?
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland ist eine Umweltorganisation, die sich unter anderem gegen Atomenergie und für strengere Sicherheitsstandards einsetzt.
Historischer Hintergrund
Nach dem Atomausstieg Deutschlands wurden zahlreiche Zwischenlager eingerichtet. Viele Genehmigungen sind zeitlich befristet, was regelmäßig zu juristischen Auseinandersetzungen führt. Castortransporte lösten in der Vergangenheit immer wieder massive Proteste aus.
Prognose
Mit der gerichtlichen Bestätigung dürften die Transporte vorbereitet werden – begleitet von erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und möglichen Protesten. Politisch bleibt das Thema brisant. Die langfristige Endlagerfrage ist weiterhin ungelöst und könnte die Debatte erneut verschärfen.
Gewinnspiel
Wie viele Castor-Behälter sollen von Jülich nach Ahaus transportiert werden?
A) 52
B) 102
C) 152
D) 202
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OZD-Extra
Die Genehmigung für das Zwischenlager Jülich war bereits 2013 ausgelaufen – dennoch lagerten die Brennelemente weiter vor Ort, weil sich juristische und technische Fragen über Jahre hinzogen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP