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Hamburg raus, Kampf offen: Olympia-Rennen in Deutschland spitzt sich zu

Nach dem Aus für Hamburg geht das deutsche Olympia-Casting in die entscheidende Phase. Der DOSB prüft nun die Konzepte von München, Berlin und Rhein-Ruhr – und hofft auf ein starkes Signal Richtung IOC.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) muss seine Pläne für eine deutsche Olympia-Bewerbung neu ordnen. Nach dem klaren Nein der Hamburger Bevölkerung im Referendum ist die Hansestadt aus dem Rennen ausgeschieden. Damit konzentriert sich das Auswahlverfahren nun auf drei verbliebene Kandidaten: München, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum.

DOSB-Vorstandschef Otto Fricke kündigte an, dass ab dem 4. Juni die eingereichten Konzepte genau geprüft werden. Bis zum Stichtag am Donnerstag um 23.59 Uhr müssen die Bewerber ihre finalen Unterlagen vorlegen. Anschließend bewertet eine Kommission aus Sport und Politik die Vorschläge und gibt eine Empfehlung für die entscheidende Mitgliederversammlung im September in Baden-Baden ab.

Fricke verwies auf eine insgesamt positive Zwischenbilanz: Neben dem Hamburger Rückschlag habe es in zahlreichen Regionen Zustimmung gegeben. Das Nein aus der Hansestadt sei Teil eines demokratischen Prozesses und ändere nichts an der grundsätzlichen Zielsetzung, betonte der DOSB.

Auch Präsident Thomas Weikert sieht die nationale Stimmung weiterhin eher pro Olympia. Dennoch bleibt die Unterstützung der Bevölkerung ein entscheidender Faktor im Auswahlprozess des Internationalen Olympischen Komitees. Besonders München und die Rhein-Ruhr-Region konnten in früheren Abstimmungen deutliche Mehrheiten erzielen, während Berlin auf ein Referendum verzichtet hat.

Die Entscheidung über die deutsche Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 dürfte sich weiter zuspitzen – mit offenem Ausgang.

OZD-Kommentar – Olympia bleibt ein politischer Spagat

Die deutsche Olympia-Bewerbung ist längst kein reines Sportprojekt mehr, sondern ein politischer Stresstest. Hamburg zeigt erneut, dass große Visionen ohne breite gesellschaftliche Zustimmung schnell scheitern. Genau das macht das Rennen jetzt spannender – und gleichzeitig unsicherer.

München und die Rhein-Ruhr-Region wirken aktuell wie Favoriten, doch die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Kann Deutschland überhaupt noch geschlossen hinter einem Mega-Event dieser Größenordnung stehen?

Mini-Infobox

Hamburg: Bewerbung durch Referendum abgelehnt

Verbleibende Kandidaten: München, Berlin, Rhein-Ruhr

Entscheidungsphase: Konzepte bis 4. Juni

Finale Empfehlung: DOSB-Mitgliederversammlung 26. September

IOC-Entscheidung: frühestens im kommenden Jahr

OZD-Analyse

1. Folgen des Hamburger Nein
a) erneuter Rückzug einer deutschen Großstadt
b) Signal für kritische Bevölkerungshaltung
c) Einfluss auf zukünftige Bewerbungsstrategien

2. Offenes Rennen im Inland
a) München mit hoher Zustimmung in Referenden
b) Rhein-Ruhr mit breiter regionaler Basis
c) Berlin ohne Bürgerentscheid als Unsicherheitsfaktor

3. Bedeutung für den DOSB
a) stärkere politische Abstimmung notwendig
b) Fokus auf internationale Konkurrenzfähigkeit
c) Risiko weiterer gesellschaftlicher Ablehnung

Erklärungen

Wer ist der DOSB?
Der Deutsche Olympische Sportbund ist der Dachverband des deutschen Sports und verantwortlich für Olympiabewerbungen Deutschlands.

Was ist das IOC?
Das Internationale Olympische Komitee ist die Organisation, die über die Vergabe der Olympischen Spiele entscheidet.

Was ist eine Olympia-Bewerbung?
Dabei handelt es sich um den offiziellen Prozess einer Stadt oder Region, sich als Austragungsort für Olympische Spiele zu bewerben.

OZD-Extra

Wussten Sie schon?
Deutschland hat die Olympischen Sommerspiele zuletzt 1972 in München ausgerichtet – eines der prägendsten Sportereignisse der Bundesrepublik.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.