Die im Herrschergrab im Magdeburger Dom bestatteten Gebeine stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich von Otto I., auch bekannt als Otto der Große. Das teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen mit.
Die sterblichen Überreste waren im Zuge von Restaurierungsarbeiten rund ein Jahr lang detailliert analysiert worden. Gefunden wurden sie bereits im vergangenen Jahr in einem schlichten Holzsarg, der sich innerhalb des steinernen Kaisergrabes befand. Neben Knochen wurden auch Textilien und weitere Beigaben entdeckt und untersucht.
Otto I. zählt neben Karl der Große zu den prägendsten Herrschern der europäischen Geschichte. Er lebte von 912 bis 973, war zunächst König des Ostfränkischen Reiches und wurde im Jahr 962 zum Kaiser des Heiliges Römisches Reich gekrönt.
Die aktuellen Untersuchungen liefern mehrere Hinweise auf seine Identität. Das anhand des Skeletts bestimmte Sterbealter von etwa 60 Jahren stimmt mit historischen Überlieferungen überein. Auffällig sind zudem stark ausgeprägte Muskelansätze, die darauf hindeuten, dass der Verstorbene häufig geritten ist – ein typisches Merkmal eines mittelalterlichen Herrschers.
Isotopenanalysen zeigen außerdem, dass die Person einer wohlhabenden gesellschaftlichen Schicht angehörte. Auch genetische Untersuchungen lieferten entscheidende Hinweise: Dabei wurden die Magdeburger Knochen mit den Überresten von Heinrich II. verglichen, einem Verwandten Ottos, der in Bamberg bestattet ist. Die Ergebnisse bestätigen eine familiäre Verbindung.
Die Forschenden halten es daher für äußerst unwahrscheinlich, dass es sich bei den Gebeinen um andere Personen mit identischem Verwandtschaftsverhältnis handelt. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ handele es sich um die Überreste Ottos des Großen, erklärte der Leiter des Landesamtes.
Zusätzliche Analysen lieferten Einblicke in den Gesundheitszustand des Kaisers. So verlor er offenbar durch Verletzungen mehrere Schneidezähne und litt unter Zahnproblemen. Auch Veränderungen an Blutgefäßen könnten eine Rolle bei seinem Tod gespielt haben.
Im Sarkophag fanden sich zudem wertvolle Textilreste, darunter Seidenstoffe sowie eine Decke mit Silberfäden. Weitere Funde wie Eierschalen, Obstkerne und eine Münze aus dem 13. Jahrhundert deuten darauf hin, dass das Grab im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert wurde.
Die Restaurierung des Sarkophags im Dom dauert derzeit an. Die Gebeine sollen anschließend in einem neu gestalteten Sarg erneut beigesetzt werden.
Otto I. erhielt den Beinamen „der Große“ unter anderem durch seinen Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld, der ihm den Ruf eines Verteidigers des christlichen Europas einbrachte. Magdeburg war sein politisches Zentrum – und ist bis heute seine letzte Ruhestätte.
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OZD-Kommentar
Die Bestätigung der Gebeine ist mehr als eine archäologische Randnotiz – sie stärkt das historische Selbstverständnis eines ganzen Landes. Otto der Große gehört zu den Schlüsselfiguren europäischer Geschichte, und seine physische Präsenz macht Geschichte greifbar.
Bemerkenswert ist die Kombination moderner Methoden: Genetik, Isotopenanalyse und klassische Anthropologie greifen ineinander und liefern ein erstaunlich klares Bild. Der Fall zeigt, wie präzise historische Forschung heute arbeiten kann.
Zugleich wird deutlich, wie sehr historische Orte wie der Magdeburger Dom nicht nur religiöse, sondern auch identitätsstiftende Bedeutung besitzen.
Mini-Infobox
– Person: Otto I. (Otto der Große)
– Lebenszeit: 912–973
– Ort: Magdeburger Dom
– Ergebnis: Gebeine mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert
– Methoden: Genetik, Isotopenanalyse, Skelettuntersuchung
OZD-Analyse
Wissenschaftliche Erkenntnisse
a) Übereinstimmung von Alter und Biografie
b) Genetischer Nachweis familiärer Verbindungen
c) Hinweise auf Lebensweise und Status
Historische Bedeutung
a) Otto I. als Schlüsselfigur Europas
b) Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
c) Magdeburg als Machtzentrum
Archäologische Besonderheiten
a) Grab mehrfach verändert
b) Wertvolle Textilfunde
c) Kombination moderner Analysemethoden
Erklärungen / Wissensblock
Wer war Otto der Große?
Ein bedeutender mittelalterlicher Herrscher und erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der die europäische Geschichte maßgeblich prägte.
Was sind Isotopenanalysen?
Wissenschaftliche Methoden, mit denen sich Ernährung und Herkunft von Menschen anhand chemischer Spuren in Knochen rekonstruieren lassen.
Warum ist die Identifizierung wichtig?
Sie bestätigt historische Überlieferungen und stärkt das Verständnis für zentrale Figuren der europäischen Geschichte.
Historischer Hintergrund
Das Heilige Römische Reich prägte über Jahrhunderte die politische Ordnung Europas. Mit Otto I. begann eine Phase, in der sich das Kaisertum als zentrale Macht etablierte und enge Verbindungen zwischen Kirche und Herrschaft entstanden.
Prognose
Die Ergebnisse dürften das Interesse an der mittelalterlichen Geschichte und an historischen Forschungsprojekten weiter steigern. Gleichzeitig könnten sie neue Maßstäbe für die Untersuchung historischer Grabstätten setzen.
Gewinnspiel (Pflichtbestandteil)
Frage: Welche Methode lieferte den entscheidenden Hinweis auf die Identität der Gebeine?
A) Radiowellenmessung
B) Genetische Untersuchung
C) Satellitenanalyse
D) Sprachvergleich
Richtige Antwort: B
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Die Knochen Ottos des Großen lagen jahrhundertelang im Magdeburger Dom – ihre Identität ist nun wissenschaftlich bestätigt.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP