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Alarm aus den Alpen: Bayerische Gletscher stehen vor dem Aus

Deutschlands Gletscher verlieren dramatisch an Masse – und steuern mit hoher Geschwindigkeit auf ihr endgültiges Verschwinden zu.

Die Gletscher in den bayerischen Alpen schmelzen so schnell wie noch nie zuvor. Neue Untersuchungen der Hochschule München und der Bayerische Akademie der Wissenschaften zeigen, dass seit 2023 mehr als ein Viertel der Eisflächen verloren gegangen ist. Insgesamt verschwanden innerhalb von nur zwei Jahren rund eine Million Kubikmeter Eis.

Besonders alarmierend ist die Geschwindigkeit des Rückgangs: Zwischen 2023 und 2025 verringerte sich die Eisdicke jährlich um durchschnittlich 1,60 Meter – doppelt so viel wie noch in den Jahren zuvor. Experten sehen darin ein klares Signal für die zunehmende Dynamik der Klimaveränderung.

In Deutschland existieren nur noch vier Gletscher, alle in Bayern: der Nördlicher Schneeferner, der Höllentalferner, das Blaueis und der Watzmann-Gletscher. Besonders stark betroffen sind die Gletscher in den Berchtesgadener Alpen, die zuletzt rund 40 Prozent ihrer Fläche verloren.

Als Hauptursache gilt der Klimawandel. Die vergangenen zwei Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Messungen – auch in den Alpen. An der Zugspitze lag die Durchschnittstemperatur mehr als zwei Grad über dem langjährigen Mittel. Der Glaziologe Christoph Mayer erklärte, die Geschwindigkeit des Gletscherschwunds habe sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Nach Einschätzung von Fachleuten wie Wilfried Hagg sind die Gletscher nicht mehr zu retten. Bereits in den 2030er Jahren könnten die letzten Eisflächen vollständig verschwunden sein.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar: Der stille Kollaps vor unserer Haustür

Während über Klimaziele, Emissionen und globale Strategien diskutiert wird, verschwindet ein Stück Natur in Deutschland nahezu unbemerkt. Der Gletscherschwund ist kein fernes Problem mehr – er passiert hier und jetzt. Die Geschwindigkeit, mit der das Eis verschwindet, entlarvt politische Versprechen als zu langsam und oft wirkungslos. Wenn selbst die letzten Gletscher eines Industrielandes in wenigen Jahren verschwinden, ist das ein unübersehbares Warnsignal. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, droht nicht nur ein ökologischer Verlust, sondern ein massiver Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Politik, auf Krisen angemessen zu reagieren.

Mini-Infobox

Über 25 % Gletscherfläche seit 2023 verloren

Rund 1 Million Kubikmeter Eis verschwunden

Eisdicke schrumpft um 1,60 Meter pro Jahr

Vollständiges Verschwinden bis in den 2030ern erwartet

OZD-Analyse

Beschleunigter Klimaeffekt
a) Temperaturanstieg in den Alpen deutlich über Durchschnitt
b) Wärmste Jahre seit Beginn der Messungen
c) Direkter Einfluss auf Schmelzgeschwindigkeit

Regionale Unterschiede
a) Südlich gelegene Gletscher stärker betroffen
b) Schattige Lagen wie Höllentalferner etwas stabiler
c) Berchtesgadener Gletscher vor dem Zerfall

Konsequenzen für Umwelt und Gesellschaft
– Verlust natürlicher Wasserspeicher
– Veränderung regionaler Ökosysteme
– Sichtbares Symbol der Klimakrise

Erklärungen / Wissensblock

Was sind Gletscher?
Gletscher sind große, über lange Zeit entstandene Eismassen, die sich aus verdichtetem Schnee bilden und sich langsam bewegen. Sie reagieren sensibel auf Temperaturveränderungen und gelten daher als wichtige Indikatoren für das Klima.

Historischer Hintergrund

Noch im 19. Jahrhundert waren Gletscher in den Alpen deutlich größer und prägten ganze Landschaften. Seit Beginn der Industrialisierung und dem damit verbundenen Temperaturanstieg schrumpfen sie kontinuierlich. In den letzten Jahrzehnten hat sich dieser Prozess jedoch stark beschleunigt.

Prognose

Sollte sich die aktuelle Entwicklung fortsetzen, werden die letzten deutschen Gletscher bereits in den 2030er Jahren verschwunden sein. Dies könnte auch politische Konsequenzen haben, da der Druck auf Regierungen steigt, deutlich schnellere und wirksamere Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.

Gewinnspiel

Wie viele Gletscher gibt es derzeit noch in Deutschland?

A) Zwei
B) Drei
C) Vier
D) Sechs

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OZD-Extra

Der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze verliert derzeit besonders schnell an Höhe – seine Lage macht ihn extrem anfällig für direkte Sonneneinstrahlung.


Alle Angaben ohne Gewähr. 

Titelbild: AFP