Ein schwerer Rückschlag für Tech-Milliardär Elon Musk: Eine US-Jury ist zu dem Schluss gekommen, dass er im Vorfeld seines Kaufs des Onlinedienstes Twitter im Jahr 2022 Aktionäre getäuscht hat. Das Urteil fiel nach einem dreiwöchigen Prozess vor einem Bundesgericht in San Francisco und könnte für Musk milliardenschwere Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.
Im Zentrum des Verfahrens standen zwei Tweets, die Musk im Mai 2022 veröffentlicht hatte. Nach Auffassung der Geschworenen enthielten diese falsche Aussagen und führten zu einem deutlichen Einbruch des Aktienkurses. Innerhalb von zwei Handelstagen verlor die Aktie rund 17 Prozent an Wert. Zahlreiche Investoren verkauften daraufhin ihre Anteile.
Die Jury sah es als erwiesen an, dass Musk gegen Vorschriften des Wertpapierhandels verstoßen habe, die irreführende Aussagen zur Beeinflussung von Börsenkursen verbieten. Das Urteil stellt eine seltene juristische Niederlage für den Unternehmer dar, der in der Vergangenheit häufig erfolgreich aus Rechtsstreitigkeiten hervorgegangen war.
Musks Anwälte reagierten umgehend und bezeichneten die Entscheidung als „Rückschlag“. Gleichzeitig kündigten sie an, Berufung einzulegen. Musk selbst äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu dem Urteil.
Die Klage war von Investor Giuseppe Pampena im Namen von Aktionären eingereicht worden, die zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober 2022 Twitter-Aktien verkauft hatten. Sie werfen Musk vor, gezielt Zweifel an der Zahl sogenannter Bots – also automatisierter Fake-Accounts – gestreut zu haben, um Druck auf den Verwaltungsrat auszuüben und den Kaufpreis zu senken.
Tatsächlich hatte Musk damals erklärt, der Übernahmeprozess sei vorübergehend ausgesetzt, bis Twitter den Anteil gefälschter Konten belegen könne. Die Kläger sehen darin Teil einer Strategie, um den Aktienkurs zu drücken und günstigere Konditionen auszuhandeln.
Ende Oktober 2022 übernahm Musk die Plattform schließlich für rund 44 Milliarden Dollar und benannte sie später in X um. Nach Einschätzung eines Anwalts der Kläger könnte sich der entstandene Schaden auf etwa 2,6 Milliarden Dollar belaufen.
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OZD-Kommentar – Der Mythos Musk bekommt Risse
Dieses Urteil trifft Elon Musk an einem empfindlichen Punkt: seinem Image als unantastbarer Visionär. Die Entscheidung der Jury zeigt, dass auch Tech-Giganten nicht über dem Markt- und Börsenrecht stehen. Sollte das Urteil Bestand haben, könnte es Signalwirkung für die gesamte Tech-Branche entfalten. Investoren dürften künftig genauer hinsehen, wenn CEOs über soziale Medien Einfluss auf Märkte nehmen. Für Musk selbst wird es nun entscheidend, ob er das Verfahren in der nächsten Instanz drehen kann – andernfalls droht nicht nur ein finanzieller, sondern vor allem ein massiver Reputationsschaden.
Mini-Infobox:
– Urteil nach dreiwöchigem Prozess in San Francisco
– Zwei Tweets als Auslöser des Verfahrens
– Aktienkurs fiel um 17 Prozent
– Möglicher Schaden: rund 2,6 Milliarden Dollar
– Musk kündigt Berufung an
OZD-Analyse:
Kern des Urteils
a) Falsche Aussagen über Unternehmensstatus
b) Einfluss auf Aktienkurs nachgewiesen
c) Verstoß gegen Wertpapierrecht
Bedeutung für den Markt
a) Signalwirkung für CEOs und Social Media
b) Stärkere Kontrolle von Marktkommunikation
c) Schutz von Anlegerinteressen
Folgen für Musk
– Mögliche Milliardenzahlungen
– Reputationsrisiko
– Langwierige juristische Auseinandersetzung
Erklärungen / Wissensblock:
Wer ist Elon Musk?
Elon Musk ist ein US-Unternehmer und einer der reichsten Menschen der Welt. Er ist unter anderem Chef von Tesla und SpaceX und übernahm 2022 die Plattform Twitter, die er später in X umbenannte.
Was sind „Bots“ bei Social Media?
Bots sind automatisierte Benutzerkonten, die von Software gesteuert werden. Sie können Inhalte verbreiten, Meinungen beeinflussen oder Aktivitäten vortäuschen, ohne dass echte Menschen dahinterstehen.
Historischer Hintergrund:
Der Kauf von Twitter durch Musk im Jahr 2022 war von Beginn an von Kontroversen begleitet. Streit über den tatsächlichen Anteil von Fake-Accounts führte zu Unsicherheiten am Markt und sorgte für starke Kursschwankungen.
Prognose:
Das Verfahren dürfte in die nächste Instanz gehen und sich über Jahre hinziehen. Gleichzeitig könnte der Fall strengere Regeln für die Kommunikation von Top-Managern nach sich ziehen. Für die Finanzmärkte wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und Stabilität.
Gewinnspiel:
Wie stark fiel der Twitter-Aktienkurs nach Musks Tweets?
A) 5 Prozent
B) 10 Prozent
C) 17 Prozent
D) 25 Prozent
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra:
Der Twitter-Kauf war einer der teuersten Social-Media-Deals der Geschichte – und entwickelte sich schon kurz danach zu einem der umstrittensten.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP