Schauen wir doch mal… Leiche eines Senioren, blass und kalt auf ihrem Seziertisch? Nicht wirklich ungewöhnlich, sieht man von der Tatsache ab das dieser Herr in einem Altenheim gelebt hat und es für Senioren nun leider nicht wirklich selten ist den Tod zu finden. Warum also liegt er trotzdem bei Mercedes? Das liegt an der puren Masse an Senioren die in eben jenem Altenheim den Tod gefunden haben, 3 Leute in 2 Wochen? Das ist selbst für eine Residenz ein wenig viel des Guten. So brachte die Polizei dann doch die Leichen noch zu Mercedes um zu checken ob es sich tatsächlich nur um altersbedingtes Sterben handelte und gerade der Gang auf dem alle diese Leute gelebt einfach Pech mit dem Würfelspiel gegen Gevatter Tod hatten. Nur 2 der Senioren auf diesem Gang leben noch, ansonsten ist dieser Teil des Altenheims nun leer und die zuständigen Pfleger machen sich mächtig Sorgen um die Tatsache das es so weiter gehen könnte und weiter gestorben wird. Natürlich hat die Pathologin sofort gesehen das etwas nicht stimmt, aber trotz allem (und um die Polizei zu beruhigen) einen Tox – Screen gemacht. Sprich: Eine toxikologische Untersuchung auf Substanzen wie Gift, Medikamente oder ähnliches. Nichts, negativ außer dem bekannten Herzmittelchen oder dem Rheumaretter. Auch die innere Leichenschau konnte keine Hinweise geben, außer den üblichen Zipperlein die das Alter so mit sich bringt waren diese Herr- und Damenschaften noch nicht an ihrer Zeit angelangt. Die äußere Leichenschau war auch nicht von Erfolg gekrönt, keine Auffälligkeiten wie Male, Einstiche oder Verfärbungen. Soweit so schlecht und nun steht Mercedes mit ihrer Kaffeetasse in der Hand und ihrem regenbogenfarbenen Schal zu einem Überwurf aufgefächert und über die Schultern gelegt vor dem Seziertisch und starrt nachdenklich auf die letzte Seniorin herunter die sie vor kurzem noch untersucht hat. Eindeutig sieht sie das Problem, nur hat sie keine Ahnung wer der Verursacher ist und noch weniger was es zu bedeuten hat und am allerwenigsten wie sie das der Polizei vermitteln soll was sie sieht. Was war nur geschehen? Warum hat sie angefangen das Übernatürliche zu sehen? Sie hat nie darum gebeten und wünscht sich ein wenig ihre ruhigen Tage des Nicht – Sehens zurück. Was war mit ihr passiert? Sie kann es sich nicht erklären… So sehr in Gedanken vertieft bemerkt sie gar nicht wie sich ihre Tür hinter ihr öffnet und Kommissar Torben eintritt. Als er ihr eine Hand auf die Schulter legt springt sie vor Schreck bald selbst aus ihrer Haut und sie kann froh sein das ihre Kaffeetasse leer war und nur noch als Handwärmer gedient hat. Torben legt den Kopf schief und sieht sie fragend an. „War ne lange Nacht? Siehst ein wenig blass um die Nase aus. Sag nicht du hast durchgemacht?“ Mercedes schaut hoch und nickt leicht. „Doch, ich wollte das fertig bekommen und die Ergebnisse vom Tox – Screen kamen erst spät vom Labor zurück. Halb so wild, noch ne Kanne Kaffee und ich bin wieder voll und ganz da.“ „Das klingt nicht wirklich gesund meine Beste, vielleicht solltest du dich hinlegen?“ Mercedes schüttelt nur den Kopf. „Nene, alles gut. Bin ja nicht so alt wie du, ich kann schonmal eine Nacht ohne Schlaf.“ Frech grinst sie ihn an und der Kommissar muss mitlächeln. „Also: Was sagt der Tox? Irgendwas gefunden? Geht ein „schwarzer Engel“ unter den Alten um?
Wen kann ich festnehmen? Oder ist es nur das Alter was ich einknasten darf?“ Mercedes würde gerne mit einem frechen Spruch kontern der ihr bereits auf den Lippen liegt, doch sie fragt sich gerade was Torben wohl sagen würde wenn er die Wahrheit über ihre Gabe wüsste. Sie will ihn nicht verlieren, ist er doch so ziemlich das einzige menschliche Wesen mit dem sie sich gerne unterhält. Er ist ihr schon ans Herz gewachsen in der ganzen Zeit die sie zusammen Mörder suchen und jagen. Verdammt, sie würde sich selbst nicht glauben was sie ihn offenbaren möchte. Aber ehrlich gesagt will sie ihn auch nicht weiter anlügen, das hat er nicht verdient. Sein rauer Humor und auch seine Achtsamkeit und der scharfe Verstand, sie würde es wirklich vermissen wenn er sie für bescheuert abtun würde. „Mercedes?“ Sie sieht auf und Torben schaut sie erneut fragend an, dabei ist er leicht über den Seziertisch gelehnt als hätte er sich die Leiche gerade angesehen und bemerkt das sie nicht antwortet. „Andreas, hör mal… Es gibt vielleicht etwas das ich dir gestehen muss und sicher wirst du es nicht verstehen oder glauben, aber ich verspreche dir das ich es immer ernst mit dir meine und unsere Freundschaft zu wichtig ist als sie für einen dummen Streich zu verspielen…“ Nun hat sie die volle Aufmerksamkeit des Kommissars, seinen Vornamen benutzt sie nur wenn es ihr WIRKLICH wichtig ist das er ihr zuhört. Schräg hinter sich hört sie die warnende Stimme ihrer Dryade: „Tu es nicht! Er wird dich für verrückt erklären!“ Kurz sieht sie über die Schulter zu dem Gummibaum hinüber in dem die Dryade residiert und diese sitzt in Miniaturformat auf dem Rand des Topfes und schüttelt mit dem Kopf. Mercedes schaut wieder in die Richtung des Kommissars und hinter ihm schwebt ihre Eisfee und sieht sie aus traurigen Rehaugen an. Aber was hat sie schon für eine Wahl? Wenn er es nicht von ihr erfährt wird er es irgendwann selbst herausfinden. Er merkt doch das etwas im Busche ist, er ist intelligent genug zu merken das sie oft lügt. Dann lieber eine Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Torben steht nun vor ihr und legt ihr beide Hände beruhigend auf die Schultern. „Ich weiß das etwas hier unten vorgeht Mädchen, was ist los?“ Sie sieht ihm noch einmal ins Gesicht und dann bricht es aus ihr heraus: „ Ich kann Dinge sehen Andreas, Dinge die kein anderer sieht.“ „Ja, deswegen bist du ja auch eine besonders gute Pathologin Mercedes.“ „Nein, so meine ich das nicht! Ich sehe übernatürliche Dinge… Weißt du Spuk und Wesen die es nicht geben sollte! Ich weiß nicht warum ich sie auf einmal sehe, aber es ist eine Tatsache und ich will dich nicht länger anlügen müssen. Ich will das wirklich nicht, du bist mein Freund. Wie es passiert ist weiß ich nicht, ich kann es mir nicht erklären, aber ich sehe sie.“ Mit Augen so rund wie Murmeln sieht Torben sie an und Mercedes schaut mit ernster Miene zurück. Nun wird es sich entscheiden, wie wird er reagieren? Wird er sie auslachen, die Psychiater rufen? Er lässt seine Hände von ihren Schultern rutschen und taumelt ein wenig unklar zu dem Stuhl den sie neben ihrem Seziertisch stehen hat. Mit einem PLOPP lässt er sich einfach darauf fallen. Mercedes schaut zu ihrer Eisfee und diese zuckt nur mit den Schultern, keiner kann einschätzen was gerade in dem Kopf des Kommissars vorgeht. „Er wird dich einweisen lassen!“, kommt die Stimme der Dryade von Richtung Schreibtisch. „Ach sei ruhig!“, faucht Mercedes genervt zurück. Torben sieht sie fragend an: „Ich hab dich schon einmal mit der Pflanze streiten sehen… Pass auf Mädchen, ich kenne da ein paar wirklich nette…“ Sofort unterbricht Mercedes diese Aussage, den Rest kann sie sich denken. Genervt schaut sie zu der Eisprinzessin. „Süße kannst du dem Kommissar bitte zeigen was ich sehe? Mach es ihm bitte deutlich genug das nicht nur die Wahnsinnige es sieht!“
Die Pathologin weiß das die Paranorms die Fähigkeit besitzen, sichtbar für alle zu werden oder wenn sie es nicht wollen ihre wahre Gestalt zu verstecken. Sicher geht das auch für paranormale Abdrücke. Die Eisdame nickt und legt ihr kaltes Händchen auf die Stelle an der Leiche der Seniorin die sichtbar gemacht werden soll. Torbens Augen werden noch größer und Mercedes hat schon ein wenig Sorge das sie ihm aus dem Schädel kullern als auch für ihn erscheint was Mercedes seit heute morgen den Schlaf raubt: Ein pechschwarzes Mal mitten auf der Brust der Seniorin, in Form eines Pferdekopfes im Profil und leicht rauchend vor schwarzem Nebel der daraus emporsteigt. „Danke mein Liebling.“ Mercedes wendet sich der Eisfee zu und gibt ihr einen kurzen Kuss auf die eisigen Lippen. Kichernd und mit blasslila Hauch auf den Wangen schmust sie sich kurz an die Wange der Pathologin und verschwindet dann in den Kühlzellen. „So und nun Herr Kommissar?“ Mit verschränkten Armen steht sie nun vor Torben der immer noch aus weit offenen Augen das Mal anstarrt, dann zu Mercedes guckt, dann wieder das Mal anstarrt und unverständlich vor sich hin brabbelt. Dann findet er seine Stimme wieder: „Das war doch gerade nicht da, oder doch? War es die ganz Zeit da?“ „Ja, es war von Anfang an da. Das hat mich meine Nacht gekostet weil ich nicht identifizieren kann was es hinterlassen hat. Es ist eindeutig übernatürlich aber ich komme nicht dahinter wer es war und was er mit den Senioren angestellt hat. Sie haben wie ja bereits erwähnt keine Auffälligkeiten und der Tox ist negativ… Was ist es? Und warum hat es die zwei Zimmer auf dem selben Gang übergangen? Das macht keinen Sinn… Ich habe schon nachgeforscht und Bücher gewälzt aber ich komme nicht dahinter und das macht mich verrückt. Ein Pferd… Wieso ein Pferd? Meine Damen haben auch keine Ahnung, sie merken nur das Negative und wissen das es einige Paranorms mit Pferdegestalt gibt. Nach Geschlecht jagen? Nein ist Quatsch, es sind zwei Männer und eine Frau, das ist wahllos. Ein bestimmtes Alter? Nein, sie waren ganz unterschiedlich alt und auch geistig und körperlich in unterschiedlicher Verfassung. Aber es muss einen Zusammenhang geben! Auch bei den beiden die es sich nicht geholt hat, vielleicht sollten wir uns die Zimmer von ihnen noch einmal ansehen?“ Torben ist nun endgültig überfahren. „Moment, moment… ich muss erstmal hinterher kommen. Du siehst so etwas dauernd? Hast du gerade die Luft geküsst? War da jemand? „Liebling“? Lebt deine Pflanze etwa auch? Welche Damen?“ Oh okay, das hatte sie noch nicht erwähnt, stimmt. „Naja ich sehe solche Sachen erst seit kurzem und wie gesagt, keine Ahnung warum. Ja, ich sehe sie jetzt ständig und genauso klar wie ich dich sehe. Nein, ich habe nicht die Luft geküsst, so verrückt bin ich dann doch nicht. Ich habe meiner Eisfee einen Kuss als Dankschön gegeben das sie das Mal für dich sichtbar gemacht hat. Ich weiß nicht was genau sie ist, aber die ist ein Eiswesen in Form einer wunderschönen, bezaubernden und absolut niedlichen Frau die ich sehr gerne leiden mag und sie wohnt in den Kühlzellen. Sie kam als Leiche hier an und war eigentlich nur ein wenig überhitzt.
Hier hat es ihr gefallen und nun wohnt sie hier und hilft mir. Ach und erinnerst du dich an den Fall mit den erhängten Gärtnern? Das Wesen das mit dem Fall zu tun hatte lebt in meinem Gummibaum und ab und zu haben wir ein wenig Zwist.“ Für Torben bricht in diesem Moment alles zusammen an das er in seinem Leben geglaubt hat… Er will es nicht glauben, aber mit einem zweiten Blick auf das Mal muss er wohl oder übel glauben das dort etwas ist. Er weiß auch das Mercedes sich nie einen Spaß in der Art mit ihm erlauben würde. Sie ist ein seltsamer, bunter Vogel und mit ihrem Schal unverkennbar aber sie macht ihren Dienst immer gewissenhaft und er mag sie wirklich gerne leiden. Sie ist eine gute Freundin und ist auch mit ihm ausgiebig um die Häuser gezogen als seine Frau sich hat scheiden lassen und die gemeinsame Tochter weit weg gebracht hat. Damals ist alles in ihm gestorben und er wollte nur im Alkohol ertrinken, doch Mercedes war bei ihm und hat ein wachsames Auge auf ihn gehalten. Das hat sie wirklich zusammen geschweißt. Er versteht zwar kein bisschen was hier gerade los ist aber beschließt auf die Pathologin zu vertrauen wie er das immer getan hat, sie würde ihn nicht im Stich lassen. „Du bist die seltsamste Person die ich kenne und ich werde sicher nicht behaupten das ich einen Plan habe was du von mir willst, aber ich vertraue dir und wir gehen uns jetzt die Zimmer ansehen. Zieh den Mantel an Mädchen, ich hole das Auto.“
Shit, es ist wahnsinnig deprimierend zu sehen wie manche Leute alt werden. Die Residenz ist ein schönes, altes, ehemaliges Grafenanwesen weit weg jeglicher Hauptstraßen. Erst mussten Torben und Mercedes ein Stückchen durch ein kleines Waldstück fahren ehe das Anwesen vor ihnen auftauchte. Man möchte jetzt denken das die Lage einfach gewählt ist weil es ein hübsches Stückchen Land ist, doch wahrscheinlicher erscheint Mercedes die Tatsache das weniger Hauptstraßen auch weniger ausgerissene, demente Senioren als Pfannkuchen auf eben jener Straße bedeuten. Makaber, aber nicht undenkbar. Das kommt mit der nächsten Überlegung gleich das viele Altenheime genau dort sind wo sich auch das nächste Beerdigungsinstitut befindet. Kein Zufall, sicher nicht. Auf jeden Fall ist es ein trauriger Anblick schlurfende Schatten eines mal aktiven Menschen durch endlos lange Flure schleichen zu sehen. Meist an Rollatoren, oft auch in Rollstühlen und nur die wenigsten zu Fuß watscheln sie ihre Runden durch die Gänge um wenigstens ein wenig Abwechslung von den ewig gleichen Soaps und Frühstücksmagazinen im Fernsehen zu haben. Viele wissen gar nicht wo sie sind und immer wieder ertönt aus Räumen außerhalb der Sicht erbärmliches Wimmern und Schreie wie von einem gequälten Tier. Sicher ist das Personal lieb, die Seelen der Leute sind einfach nicht mehr in den Körpern die noch immer wandern und das verwirrt und verängstigt die Bewohner. Überall riecht es nach Urin und Desinfektion, die Luft ist stickig und klamm vor Hitze der ewig brummenden Heizungen. Was wünscht sich Mercedes gerade jetzt in ihre kühle Pathologie zurück und dezent zieht sie sich ihren regenbogenfarbenen Schal ein wenig weiter über die Nase. Eine alte Dame fragt sie wo denn ihr Ehemann geblieben ist, sie hätte ihn aus den Augen verloren. Als Mercedes dazu keine Antwort findet und einfach hilflos die Schultern und die Frau wackelt weiter den Gang entlang. Die Dame von der Anmeldung, die Torben und Mercedes zu den fraglichen Zimmern führt erläutert ihr dann das der Ehemann schon 30 Jahre tot ist und sie jeden dasselbe fragt den sie trifft. Wahrlich deprimierend. Als sie dann kurz vor ihrem Ziel noch eine herren – oder damenlose Windel für Erwachsene mitten auf dem Gang liegend vorfinden ohne den Körper der dazugehört, fragt sich die Pathologin lieber gar nicht mehr wie das zu Stande gekommen ist. Dann erreichen sie jene Zimmer von den Bewohnern die nicht attackiert worden sind von was auch immer die Senioren tötet. An den Türen der Opfer hängt noch immer das gelbe Flatterband der Polizei und versperrt jedem den Eintritt bis endgültig geklärt ist was hier vorgefallen ist. Die Dame von der Anmeldung klopft bei beiden Bewohnern kurz an und erklärt kurz und knapp das die Polizei da ist und sich noch einmal umsehen möchte, sie sollen einfach in ihren Betten bleiben und es würde ja auch schnell gehen. Dann sieht sie Torben an: „ Also wir sind absolut ratlos, keiner weiß wie das alles geschehen konnte. An dem einen Tag sind sie noch wohlauf und auf einmal sind sie fort. Wir haben auch die Dienstpläne geprüft und es sind unterschiedliche Pfleger zu ihren Schichten angetreten als es geschah. Damit kommt ihre Theorie von dem Todesengel auch nicht hin, denke ich.“ Torben sieht zu Mercedes und beugt sich ganz nah an ihr Ohr. „Kannst du etwas sehen? Etwas Verdächtiges?“ Mercedes muss lächeln, er scheint sie ja doch ernst zu nehmen. Sie flüstert zurück: „Nein, nur das die eine Pflegerin da hinten Hasenohren hat.
Die sich so lieb um die alte Frau sorgt und ihr das Essen angibt. Aber Verdächtiges? Nein, da muss ich mal die Zimmer sehen denke ich.“ Wieder werden die Augen des Kommissars rund und er schaut in Richtung besagter Pflegerin, dann konzentriert er sich wieder auf die Dame von der Anmeldung. „Haben sie denn die Überwachungsbilder herausgesucht wie wir das angewiesen hatten? Vielleicht sagt uns ja die Kamera etwas.“ „Sicher, die liegen im Büro bereit zur Sichtung. Dann lasse ich sie jetzt alleine und warte an der Anmeldung, bitte haben sie Nachsicht mit den Bewohnern und versuchen sie die Suche kurz zu halten um den Stresspegel ein wenig unten zu halten.“ Torben nickt und er und Mercedes betreten das erste Zimmer. Überall, auf jeder noch so winzigen Oberfläche glimmen LED – Kerzen und geben ihr künstlich flackerndes Licht von sich. An allen Wänden und Nischen hängen Bilder und Abbilder von Heiligen, Priestern und Päpsten. Die Heizung dröhnt in diesem Raum so sehr das fast jedes Leben erlischt und an Atemnot verendet das diesen Ort betritt. Okay wäre ich ein dunkles Wesen würde ich vor dem Raum auch Reißaus nehmen so schnell mich meine Hufe tragen denkt sich Mercedes. Der alte Mann der hier wohnt sitzt zugedeckt bis oben hin in seinem Bett und auf dem Fernseher flimmert das Kirchenfernsehen. Gerade scheint eine Weihung statt zu finden, doch das kann die Pathologin nicht einschätzen da der Mann Kopfhörer trägt und der Fernseher an sich stumm ist. Wenn sie sich wirklich anstrengen würde könnte sie es wahrscheinlich trotzdem hören, denn das Brüllen aus den Kopfhörern ist kaum zu überhören. Genervt schaut der Alte von seinem Fernsehen weg als Torben es wagt ihn durch das Bild zu laufen und schnauft laut. Der Kommissar hebt beschwichtigend die Hände und tritt schnell zur Seite, was Mercedes zum lächeln bringt. Sie schaut sich um, entdeckt noch ein großes silbernes Kreuz direkt über dem Bettgiebel des Mannes aber an sich ist nichts auffälliges zu sehen. Keine Dämonen – Abwehr – Anlage oder ähnliches. Aber vielleicht ist es die Religion die es erschreckt hat? Wäre ja nicht unlogisch, oft wird Übernatürliches doch von religiösen Dingen abgeschreckt. Siehe Exorzismus etc… Sie nickt Torben zu als sie denkt alles gesehen zu haben und die beiden machen sich auf in das nächste Zimmer. Einen solchen Umschwung in solch kurzer Zeit hat Mercedes noch nie erlebt. Dieses Zimmer ist bunter und fröhlicher als jede Blumenwiese. Alles erstrahlt in bunten, hellen Farben und die Fenster stehen weit auf um auch den kleinsten Sonnenstrahlen herein zu lassen. An den Wänden hängen viele Bilder, anscheinend selbst gezeichnet und die alte Dame sitzt in einem Jogginganzug auf einem großen Ohrensessel und ist am stricken. Sonnig lächelt sie die Besucher an und bittet sie hinein. „Sie wollen sich noch einmal umsehen? Komme sie gerne herein. Es ist ja so schlimm was passiert ist. Schlimm, schlimm… Hoffentlich finden sie heraus was los war.“ Langsam geht Mercedes auf die Dame zu und schaut fragend zu Torben. Dieser nickt ihr zu. „Ja, wir werden versuchen es zu lösen. Aber können sie mir eine Frage beantworten?“ Die alte Dame schaut von ihren Strickzeug auf und legt es kurz an die Seite. „Sicher Kind, frag ruhig.“ „Sind die sehr gläubig?“ Ein Kichern ertönt von der Alten. „Nein meine Liebe, nein. Gar nicht. Ich habe nach meiner Taufe nie wieder eine Kirche von innen gesehen.“ Wie sie wieder nach ihrem Handwerk greift fällt Mercedes ein zartes, schmales, silbernes Armband an ihrem Handgelenk auf. „Haben sie das immer um?“ Verwirrt schaut die Dame hinterher wo der Blick der Pathologin verhaftet. „Mein Armband? Ja, ich nehme es niemals ab, um nichts auf der Welt. Es war das erste Geschenk das ich von meinem verstorbenen Mann bekommen habe, bei unserem ersten Treffen.
Er hat mir auch teurere Geschenke gemacht während unserer Ehe, aber dies ist für mich das Kostbarste. Ich habe sogar in mein Testament verfassen lassen das ich es mit ins Grab nehmen möchte.“ Liebevoll streichelt sie über ihr Kleinod. Ist es das? Silber? Bei ihren Recherchen hat sie auch gelesen das extrem viele Paranorms extrem auf Silber reagieren da es ein solch reines Metall ist. Irgendetwas in ihrem Hinterkopf kommt in Bewegung, das spürt Mercedes. Langsam setzt sich alles zusammen aber sie kann noch nicht genau deuten was es genau ist. Vielleicht bringen die Aufnahmen der Überwachungskamera ja den Durchbruch in ihren Erinnerungen? Es gibt bei weiten zu viele Paranorms die auf Silber reagieren um es alleine daran auszumachen worum es sich hier handelt. Sie bedankt sich bei der alten Dame und macht sich dann mit Torben auf den Weg zum Büro. „Weißt du denn schon etwas? Ist dir etwas aufgefallen?“ Mercedes schaut zu dem Kommissar hoch, da er doch einen Kopf größer ist als sie. „Noch nicht, aber ich bin nah dran. Ich kann es nur noch nicht greifen, das letzte Puzzlestück fehlt…“
Als sie sich die Aufnahmen ansehen wird Mercedes alles klar. Noch ein weiteres Mal hatte sie eine Internetsuche gestartet um die Wesen zu finden die gegen Silber allergisch sind. Wie nicht anders zu erwarten war es eine laaaaange Liste. Doch als sie auf den Monitor im Büro guckt weiß sie was das Problem ist. Unruhig wälzen sich die Bewohner die später auf ihrem Seziertisch gelandet sind in den Aufnahmen in ihren Betten. Sie keuchen und husten, dann kommen sie auf dem Rücken zu liegen und versterben in dieser Position. Für den Betrachter handelt es sich sicher um Schlafapnoe mit Todesfolge, ersticken im Schlaf. Seltsam das sie hier so verbreitet vorkommt, aber das kann ja alles ein dummer Zufall sein. Würde Mercedes nicht einen Blick auf ein dunkles Wesen erhaschen, es sieht ein wenig aus wie ein Goblin, nur rundlicher und schwerer und komplett mit Schuppen bedeckt. Grün – gelbliche Augen starren niederträchtig auf das sterbende Opfer hinab. Sie hat davon gelesen bei ihren Recherchen, eindeutig handelt es sich um einen Mahr. Seine wahre Form ist die eines Pferdes, durch die es ihm leichter fällt sich bei Menschen einzuschleichen. Deswegen das Pferdemal auf den Körpern, doch diese Form kennt kaum jemand. Bekannter ist der Goblin der sich auf die Brust des Opfers setzt und es am Atmen hindert. Keiner weiß ob sie es aus Boshaftigkeit tun oder weil sie Energie saugen, auf jeden Fall sind sie eine echte Plage die selbst bei Paranorms nicht gerne gesehen wird. Verdammt! Wie soll sie das nun wieder erklären? Torben sieht sie auch mit einer Frage im Blick an und sie nickt in seine Richtung. Daraufhin lässt er einen tiefen Seufzer erklingen. Die beiden Bewohner mit dem reinen Silber in ihren Zimmern wurden nicht angegriffen weil diese Wesen das Metall verabscheuen wenn es von vollkommener Reinheit ist. Das bespricht sie dann auch in einem kleinen Nebenraum mit Torben. Ihm fällt es sichtlich schwer zu glauben was er da hört. Sicher haben viele Menschen schonmal von Nachtmahren gehört, doch sie vor sich zu haben? Das ist ein ganz anderes Thema… Trotzdem hatte sich der Polizist vorgenommen an Mercedes zu glauben und so beginnen sie zusammen nachzudenken wie weiter vorzugehen ist. Sie sitzen beide mit frischem Kaffee in einem kleinen Nebenraum des Altenheims und grübeln. Das Problem ist das man einen Mahr nicht zerstören kann laut Recherche, es gibt einfach keine bekannte Möglichkeit ihn zu vernichten. Nur mit reinem Silber kann man ihn verschrecken, was heißt sie müssten unauffällig welches in dem Gebäude verteilen. Aber wie? Es dauert einige Zeit bis sie gemeinsam auf eine Idee kommen: Vielleicht ist ja etwas mit der Verkabelung nicht in Ordnung?
Ganz sicher ist es das und es muss dringend etwas ausgebessert werden, ist es doch auch Schuld an giftigen Gasen der die Bewohner erstickt hat. So werden sie es darstellen um es öffentlich verständlich zu machen. Sobald die Wände geöffnet sind um nach der Verkabelung zu sehen wird Torben als Aufsicht der Polizeikräfte ein wenig reinstes Silber in den Wänden verstecken wenn die Elektriker gerade nicht hinsehen. So sollte jedes Zimmer geschützt sein und der Fluch des Mahres ein Ende finden. Hoffentlich… Das klingt nach einem Plan für Mercedes, so werden sie es ausführen und doch macht sie sich ein wenig Sorgen. Wo wird der Nachtmahr wohl hingehen wenn sie ihn hier verscheuchen? Wo taucht er als Nächstes auf? Sie weiß es nicht und es wird wohl auch niemanden geben der ihr das sagen kann, sie wird wohl abwarten müssen. Aber eins weiß sie: Fürs Erste sind diese Leute sicher.
Text Cara Viola, Bild OZD