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Niedersachsen setzt Zeichen: Niederdeutsch künftig als zweite Fremdsprache wählbar

In Niedersachsen wird Plattdeutsch erstmals als reguläre Fremdsprache unterrichtet – ein Schritt, der Tradition und Bildungspolitik neu verbindet.

In Niedersachsen wird Plattdeutsch künftig erstmals als reguläre zweite Fremdsprache an einer öffentlichen Schule angeboten. Das Kultusministerium in Hannover hat der Oberschule im ostfriesischen Uplengen die entsprechende Genehmigung erteilt. Damit kann Niederdeutsch ab dem kommenden Schuljahr als vollwertiges Unterrichtsfach gewählt werden.

Die Entscheidung betrifft nach Angaben der Behörden zunächst Schülerinnen und Schüler, die ab dem 1. August in den sechsten Jahrgang der Schule in der Gemeinde nahe Leer eintreten. Bisher war Plattdeutschunterricht an niedersächsischen Schulen meist auf Wahlpflichtkurse oder Arbeitsgemeinschaften beschränkt. Nun wird das Fach erstmals in den regulären Fremdsprachenkanon aufgenommen.

Julia Willie Hamburg sprach von einem kulturpolitischen Signal. „Heute schreiben wir ein neues Kapitel für unsere Sprachenvielfalt in Niedersachsen“, erklärte sie. Mit der Entscheidung werde die Bedeutung regionaler Sprachtraditionen im Bildungssystem ausdrücklich gestärkt.

Die Schule in Uplengen arbeitet eng mit der Universität Oldenburg zusammen, wo bereits seit 2023 ein Studiengang für Niederdeutsch in der Lehramtsausbildung existiert. Ziel ist es, langfristig eine stabile Lehrkräftebasis für das neue Unterrichtsfach aufzubauen. Ab 2028 sollen in Uplengen zudem Referendarinnen und Referendare im Vorbereitungsdienst speziell für Niederdeutsch ausgebildet werden können.

Parallel dazu wirken Lehrkräfte der Schule an der Entwicklung eines verbindlichen Kerncurriculums mit. Dieses soll die Lernziele und Inhalte für den Unterricht in Niederdeutsch bundesweit vergleichbar strukturieren und pädagogisch absichern.

Die Einführung ist Teil einer längeren bildungspolitischen Entwicklung in Niedersachsen. Bereits 2017 hatte der Landtag beschlossen, den Plattdeutschunterricht schrittweise zu einem regulären Schulfach auszubauen. Hintergrund ist die Einordnung des Niederdeutschen als Regional- und Minderheitensprache, die historisch im Norden Deutschlands weit verbreitet war, im Alltag jedoch stark an Bedeutung verloren hat.

In den vergangenen Jahren wurde der Umgang mit Regionalsprachen neu bewertet. Statt als bildungshemmend gelten sie inzwischen als Bestandteil moderner Mehrsprachigkeit. Bildungsbehörden argumentieren, dass der frühe Kontakt mit zwei Sprachsystemen – Hochdeutsch und Niederdeutsch – sogar den Erwerb weiterer Fremdsprachen erleichtern könne.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Identitätspolitik im Klassenzimmer

Die Einführung von Plattdeutsch als Fremdsprache ist mehr als ein nostalgisches Bildungsprojekt. Sie ist ein politisches Signal in einer Zeit, in der regionale Identität wieder stärker betont wird – auch als Gegenpol zu einer zunehmend globalisierten Sprach- und Kulturwelt.

Gleichzeitig bleibt die Frage, ob solche Projekte tatsächlich strukturell gegen den Sprachenverlust wirken oder eher symbolische Bildungsmaßnahmen sind. Ohne ausreichend Lehrkräfte und nachhaltige Verankerung im Schulalltag droht der Ansatz schnell zur Randerscheinung zu werden.

Sollte das Modell jedoch erfolgreich sein, könnte Niedersachsen zum Testfall werden, wie Regionalsprachen in moderne Bildungssysteme integriert werden können – mit möglicher Signalwirkung für andere Bundesländer.

Historischer Hintergrund

Plattdeutsch, auch Niederdeutsch genannt, war über Jahrhunderte die Alltagssprache in weiten Teilen Norddeutschlands und spielte im Mittelalter auch als Handelssprache der Hanse eine wichtige Rolle. Mit der Ausbreitung des Hochdeutschen als Standardsprache verlor es jedoch zunehmend an Bedeutung.

Heute ist Niederdeutsch als Regional- und Minderheitensprache in Deutschland anerkannt und wird durch europäische Regelwerke wie die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt. Besonders in Norddeutschland gibt es seit Jahrzehnten Initiativen zur Bewahrung der Sprache.

Zukunftsprognose

Kurzfristig wird das Angebot in Niedersachsen vor allem Pilotcharakter haben und auf einzelne Schulen begrenzt bleiben. Die Nachfrage unter Schülerinnen und Schülern wird entscheidend für die Ausweitung sein.

Mittelfristig könnte sich ein Netzwerk spezialisierter Lehrkräfte und Studiengänge entwickeln, das Niederdeutsch stärker im Bildungssystem verankert.

Langfristig bleibt offen, ob sich Plattdeutsch als lebendige Alltags- und Bildungssprache stabilisieren kann oder vor allem als kulturelles Bildungsfach bestehen bleibt.

Gewinnspiel

In welchem Bundesland wird Plattdeutsch erstmals als reguläre zweite Fremdsprache eingeführt?

A) Schleswig-Holstein
B) Niedersachsen
C) Mecklenburg-Vorpommern
D) Bremen

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Mini-Infobox

Plattdeutsch wird erstmals reguläre Fremdsprache

Start an Oberschule in Uplengen (Niedersachsen)

Kooperation mit Universität Oldenburg

Lehrkräfte-Ausbildung und Curriculum in Entwicklung

Einführung ab Schuljahr 2026/27

OZD-Analyse

Einführung regionaler Sprache im Bildungssystem
– Plattdeutsch wird erstmals vollwertiges Unterrichtsfach

Strukturelle Umsetzung
– a) Pilotprojekt an einer Schule
– b) Kooperation mit Universität Oldenburg
– c) Aufbau von Lehrkräfteausbildung und Curriculum

Bildungspolitische Folgen
– Folgen: mögliche Ausweitung auf weitere Schulen und Bundesländer bei erfolgreichem Modell

Erklärungen

Was ist Plattdeutsch?
Plattdeutsch (Niederdeutsch) ist eine norddeutsche Regionalsprache, die historisch weit verbreitet war und heute vor allem kulturell gepflegt wird, aber im Alltag nur noch eingeschränkt gesprochen wird.

OZD-Extras

Plattdeutsch war im Mittelalter die Sprache der Hanse und damit eine der wichtigsten Handelssprachen Nordeuropas – lange bevor Hochdeutsch zur Standardsprache wurde.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.